DFW

Dachverband Freier
Weltanschauungsgemeinschaften
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Herzlich willkommen auf unserer Homepage!

Wir freuen uns sehr über Ihren Besuch. Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) ist ein Zusammenschluss von Verbänden und Gemeinschaften in Deutschland, die für die Verwirklichung der in Artikel 4 des Grundgesetzes garantierten Freiheit des Glaubens, des Gewissens und des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses eintreten. Er setzt sich dafür ein, dass niemand wegen seiner Herkunft, seiner Lebensauffassung und seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt wird. Der DFW steht als Vertreter freigeistiger, kirchenfreier Menschen ein für Humanismus, Toleranz und Menschenrechte, für ein friedliches Zusammenleben der  Menschen unabhängig von ihren religiösen, weltanschaulichen und politischen Anschauungen und für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung – schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an: info@dfw-dachverband.de.
Ihr Präsidium des
Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften

Der neue pfw 3/2019 ist da!
  • Einladung zum DFW-Seminar: Klimaschutz – Natur verstehen, achten, lieben - Jugend- und Bildungsstätte Klingberg 4.-6.10.2019
  • Vielfalt – Würze des Lebens? Variety – Spice of Life? Bericht vom EUT 2019 - Europäischer Unitariertag im Berlin
  • Auf der Suche nach den Ethischen Fragen des 21. Jahrhunderts - Bericht zur Humanistischen Konferenz und den Satzungsversammlungen in Reykjavik vom 31. Mai bis 2. Juni 2019 - EHF - Humanists International - IHEYO
  • Trauerfeier für Helmut Kramer

Einladung zum DFW-Seminar vom 4. bis 6. Oktober 2019 in Klingberg:
Klimaschutz – Natur verstehen, achten, lieben
Nach  dem Tod von Horst Prem werden zu seinem Thema Impulsreferate aus dem  Kreis der Referierenden und des DFW-Präsidiums übernommen. Von der  Technischen Hochschule Lübeck werden Studierende über den Klimaschutz in  Schulen und über die Bewegung students for sustainability berichten.
Des weiteren wird der Film TOMORROW gezeigt und in die Diskussion einbezogen.
Der Programmablauf wird entsprechend ergänzt
Freitag 4. Oktober 2019 (…)
Samstag 5. Oktober 2019 (…)
14.00 Bericht von Studierenden der Technischen Hochschule Lübeck über den Klimaschutz in Schulen und über die Bewegung students for sustainability
16:00 Naturbild ändern in der Praxis
Alltag Bäume – Wanderung in die Umgebung
18:00 Abendessen
19:30 TOMORROW - Ein Film von Cyril Dion und Mélanie Laurent
Aussprache und Diskussion
Sonntag 6. Oktober 2019 (....)
11:00 In Anlehnung an Horst Prem
Klimaschutz ist Friedenspolitik und Migrationsprävention zugleich,
Impulsreferate von Swaantje Schlittgen und Silvana Uhlrich-Knoll

Werte fallen nicht vom Himmel, noch weniger gibt es ein/-en Verfall(-sdatum)
Humanisten für Menschenrechte und Toleranz – Deutscher Humanistentag 2019 in Hamburg
Still wird es gerade in den Gängen des Hauses der Patriotischen Gesellschaft von 1765. Stille nach aufgeregten, spannungsgeladenen und nachdenklichen Momenten, die heute hier auf dem Programm des Humanistentages 2019 standen. Aber es ist eine erfrischende Stille. Stille der lauten Gedanken, die Stille bevor jemand das Wort an jemand anderes auf dem Flur richtet, Stille vor dem konstruktiven Aufbruch zu neuen Aktionen, neuen Schritten, neuen Ansätzen. Alles wird hier heute und während der Tages des Deutschen Humanistentages geschmiedet.

Das Viertageprogramm, vielfältig, fachspezifisch und anregend gestaltet, bietet für Menschen mit Fragen zum humanistischen Weltbild, zu Menschenrechten, zur Wertedebatte, Jugendfeierregelung bis hin zur säkularen Flüchtlingshilfe und Sterbehilfe ein breites Spektrum an interessanten Podiumsdiskussionen, Erfahrungsberichten und Vorträgen wie auch persönlichen Schicksalen.

Persönlich als Vertretung des DFWs geladen, um über unseren Standpunkt zum Werteunterricht zu debattieren, bot sich mir die Chance, über die LER-Ausbildung in Brandenburg an der Universität in Potsdam mit Christina Gruhne zu sprechen. ...weiterlesen...
Immer mehr Kirchenaustritte
KORSO fordert Konsequenzen in der Kirchenfinanzierung und hinsichtlich der Privilegien von Weltanschauungsgemeinschaften
Den Kirchen laufen die Mitglieder davon. Obwohl die deutsche Gesamtbevölkerung 2018 nur um 280.000 Personen angestiegen ist, verlor die katholische Kirche gegenüber dem Vorjahr rund 300.000 Mitglieder, die evangelische Kirche sogar 400.000. Die Gruppe der konfessionsfreien Menschen wiederum ist um mehr als 800.000 Personen  gewachsen.[1]  Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort. Eine Prognose des  „Forschungszentrums Generationenverträge“ an der Universität Freiburg geht davon aus, dass die Kirchen bis zum Jahr 2060 die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren werden [2] und damit einen Anteil von unter 30% an der Gesamtbevölkerung einnehmen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Anzahl der Konfessionsfreien in Deutschland noch einmal deutlich höher wäre, wäre nicht das Gros der Christinnen und Christen bereits im Kleinkindalter durch die „Kinds­taufe“ ohne eigene Einwilligung zum Kirchenmitglied geworden. Es ist bezeichnend, dass Bürger­innen und Bürger im Erwachsenenalter zunehmend aktiv von ihrem Recht Gebrauch machen, ihr Leben frei von konfessionellen Bindungen zu gestalten.
Offensichtlich ist es an der Zeit, konstruktive Lösungen für ein faires Zusammenleben verschiedener Weltanschauungen im gesellschaftlichen Diskurs zu entwickeln und diese dann in Politik und Gesetzgebung zu verankern. Die Trennung von Staat und Kirche wurde  bereits vor 100 Jahren in der Weimarer Reichsverfassung festgeschrieben und vor 70 Jahren im Grundgesetz verankert. Dass dieser Auftrag bis heute nicht vollständig eingelöst ist, wurde bisher kaum thematisiert, da die Mehrheitsgesellschaft lange Zeit kirchlich gebunden war. Dass sich dies nun rasant ändert, machen die oben genannten Zahlen deutlich. Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) bietet sich in diesen Fragen als natürlicher Ansprechpartner für Politik und Medien an. Folgende Forderungen aus säkularer Perspektive möchte der KORSO in den  gesellschaftlichen Diskurs einbringen und stark machen:
Der Abbau einseitiger Privilegien, von denen bisher nur die etablierten Kirchen profitiert haben, ist endlich einzuleiten. Das bedeutet konkret:
  • Die historischen Staatsleistungen der Länder an die Kirchen müssen ein Ende finden, der diesbezügliche Verfassungsauftrag wartet seit 100 Jahren auf seine Umsetzung. Dafür ist es nun höchste Zeit. (Siehe [3].)
  • Der Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) muss überprüft und dahingehend modernisiert werden, dass er der in der Bundesrepublik entstandenen religiösen und weltanschaulichen Pluralität Rechnung trägt und allen relevanten Gruppen vergleichbare Kooperationsmöglichkeiten mit dem Staat ermöglicht.
  • Die Mitgliedsbeiträge sollten künftig von allen Religions- und Weltanschauungsgemein­schaf­ten, also auch von den Kirchen, selbst eingezogen werden, statt für diese Aufgabe staatliche Einrichtungen hinzuzuziehen und damit den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine staatliche „Steuer“ („Kirchensteuer“).Die Überrepräsentanz kirchlicher Vertreterinnen und Vertreter in Ethik- und Rundfunkräten muss abgebaut und zumindest den Mehrheitsverhältnissen in der Bevölkerung angepasst werden. Die frei gewordenen Plätze sind durch  Repräsentantinnen und Repräsentanten anderer relevanter  gesellschaftlicher Gruppierungen sowie vor allem durch ausgewiesene Expertinnen und Experten zu besetzen.
  • Die den körperschaftlich organisierten Religions- und  Weltanschauungsgemeinschaften gewährten Sonderrechte sind zu überprüfen und ggf. zu reformieren, wie beispielsweise im Arbeitsrecht.
  • Gesetze, die einseitig im Geiste eines religiösen Bekenntnisses formuliert worden sind, sind zu ändern. Dazu gehört beispielsweise die Bevormundung schwangerer Frauen oder die Einschränkungen der Selbstbestimmung am Lebensende.
Die genannten Maßnahmen bringen weitreichende, notwendige Veränderungen in vielen Bereichen der Gesellschaft mit sich. Der KORSO e.V. unterstützt diesen Dialog im Namen der säkularen Organisationen Deutschlands gerne nach Kräften.

Kontakt:
Dr. Rainer Rosenzweig (Vorsitzender KORSO): r.rosenzweig@korso-deutschland.de,
Dr. Alexander Bischkopf (stellv. Vorsitzender KORSO): a.bischkopf@korso-deutschland.de
Geschäftsstelle KORSO: Sabine Schermele, Wallstr. 65, 10179 Berlin, info@korso-deutschland.de.


Der DFW trauert um Horst Prem
Der Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. trauert um seinen langjährigen Vizepräsidenten Horst Prem, der am 23.07.2019 plötzlich und unerwartet verstorben ist. Horst Prem war mehr als ein Jahrzehnt von 1977 bis 1991 Präsident der Unitarier Religionsgemeinschaft freien Glaubens e.V.  und war während seiner Präsidentschaft als Präsident der Unitarier, insbesondere auch persönlich in seiner Tätigkeit als Ingenieur in der Luft-und Raumfahrtindustrie, den harten Angriffen der Antifa ausgesetzt. Diesen Angriffen zum Trotz war ihm inhaltlich insbesondere die demokratische Verfassung der Unitarier wichtig, die bei Auseinandersetzungen auf die Diskussion als Mittel der demokratischen Mehrheitsbildung setzen. Die Grundgedanken der Unitarier zeigen diesen Prozess besonders deutlich, wenngleich die zuletzt beschlossenen Änderungen Horst Prem nicht weitreichend genug erschienen. Er war ein leidenschaftlicher Verfechter der auf Thomas Paine zurück gehenden Menschenrechte (dazu z.B. in DFW-Heft 29 „Menschenrechte 1789 – UNO 1948 – ein Vergleich“) und forderte bereits in den Achtzigerjahren, den Umweltschutz als Staatsziel in das Grundgesetz aufzunehmen.
(Foto: Evelin Frerk, who-is-hu.de)
Für Horst Prem war Umweltschutz schon lange Klimaschutz und Menschenrecht zugleich. Er wartete nicht auf Freitage, um die Zukunft zu sichern. Er handelte danach und rüstete sein Haus vor über 30 Jahren auf Solarenergie um, wo zuletzt sein E-Auto den selbstproduzierten Strom in der Garage lud. Als Vizepräsident des Dachverbandes freier Weltanschauungsgemeinschaften von 1999–2012 setzte er sich für die Entwicklung europäischer Strukturen (dazu z.B. in DFW-Heft 24 „Europas Beitrag zu Nichtdiskriminierung und Toleranz“) und die Geltung der Menschenrechte durch die Organisation thematisch geprägter Seminare und als Mitherausgeber der Schriftenreihe des DFW zielstrebig und engagiert ein. Aus seinem Verständnis der Menschenrechte heraus trat er für Verständigung und Toleranz aller Menschen untereinander weltweit ein (dazu in DFW-Heft 26 „Wachstumsdogma contra friedliche Entwicklung“), was insbesondere auch einen sparsamen gemeinsamen Umgang mit beschränkten Ressourcen beinhaltete (dazu auch in DFW-Heft 25Humane Sozialethik – Auftrag für freigeistige Verbände“).
Dieses Engagement leitete Horst Prem auch in seiner Arbeit als Mitbegründer und zwischenzeitlicher Vorsitzender des Jugend- und Familienbildungswerkes Klingberg e.V. Nach seiner Überzeugung ist Klimaschutz heute der wesentliche Baustein für Friedens- und Gesundheitspolitik und sollte den Integrationskern der EU ausmachen. Das von Horst Prem für den 04-06.10.2019 gemeinsam mit der früheren DFW-Präsidentin Renate Bauer konzipierte Seminar in Klingberg trägt den Titel Klimaschutz – Natur verstehen, achten, lieben. Auch wenn Horst Prem seinen Vortrag „Klimaschutz ist Friedenspolitik und Migrationsprävention zugleich“ nun nicht mehr halten kann, wird dieser Gedanke eine zentrale Leitlinie unserer Gegenwart sein- nicht nur freitags.
Der Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. ist dem gradlinigen, zielstrebigen Engagement von Horst Prem in Dankbarkeit dauerhaft verbunden.

Swaantje Schlittgen
Präsidentin
Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V.


Vielfalt - Würze des Lebens?
Variety - Spice of Life?
Zum Europäischen Unitariertag Pfingsten 2019 in Berlin im ParkInn am Alexanderplatz hatten die Europäischen Unitarian Universalists (EUU) und die Unitarier Religionsgemeinschaft freien Glaubens e.V. eingeladen und konnten zur Eröffnung zahlreiche Gäste aus ganz Europa und Übersee mit der Erinnerung an den Council of Unitarian and other Liberal Thinkers and Workers, der seinen 5. Weltkongress 1910 in Berlin beging und heute in der IARF (www.IARF.net) International Association for Religious Freedom seine Fortsetzung findet, begrüßen.

Die Unitarier Religionsgemeinschaft freien Glaubens e.V. hatten nachmittags bereits ihre Mitgliederversammlung abgehalten, während andere Teilnehmer zunächst die liberale, von Seyran Ates gegründete Moschee besuchten und anschließend an dem Freitagsgebet in der liberalen Synagoge teilnahmen.

In der Feierstunde am Samstagmorgen zeigte uns Dorothea Kaufmann unter Mitwirkung von Jutta Hamm und Volker Schwebke, wie sich das Thema Vielfalt mit allen Facetten des Lebens in ihrem Garten abspielt und ließ uns ihren Gedanken parallel in Szenenbildern folgen. – Im Anschluss sprach Karen Tse als Themensprecherin über ihre Arbeit bei in ihrer Organisation International Bridges of Justices www.ibj.org, die sich inhaltlich mit juristischen Verfahrensrechten von Inhaftierten befasst, bei der sie sich nicht nur als Juristin, sondern auch als unitarische Pfarrerin einbringt, um Menschen einander in schwierigen Situationen näherzubringen. - Trotz der manchmal belastenden Umstände vor Ort sind Betroffene in beeindruckender Weise in der Lage, sich unabhängig von der ihnen angetanen Gewalt oder des Unrechts liebevoll und gütig zu verhalten – und zu verzeihen.

Am Nachmittag gab es Workshops zu Musik in Feierstunden, nachchristlicher Gestaltung von Religiosität, zum Jugendaustausch, zum Latitudinarismus als ethische Herausforderung im 21.Jahrhundert sowie Ausflüge zum Reichstag und zum Friedhofspark in der Pappelallee, wo Anne-Kathrin Pauk die Freigeistige Gemeinschaft Berlin e.V. gegr. 1845 - Freireligiöse Gemeinde vorstellte. Gleichzeitig probten zahlreiche unitarische Musiker und der Chor, um am Abend einen sehr spritzigen Evening of Music zu präsentieren.

Der Sonntag begann mit einer Feierstunde von Karen Tse und Inga Brandes, die sich mit den verwirrenden Eigenschaften von Vielfalt und damit einhergehenden Emotionen befassten und welche Schwierigkeiten sich daraus nicht nur in unitarischen Gruppen bei der Gestaltung von Vielfalt in Europa ergeben. Die Musik griff dieses Thema geschickt auf.

Die an die Feierstunde anschließende Suche und Benennung von gemeinsamen Überzeugungen ließ manche Kleingruppe zweifelnd zurück. Dies konnte man am Nachmittag im Improtheater ausdrücken, sich mit dem Umgang mit Trauer befassen, Esperanto lernen, Yoga machen, die tschechische Unitarische Akademie oder das europäische Chapter der IARF kennenlernen und sich mit Fragen künstlicher Intelligenz und den ihr innewohnenden Werten befassen. – Ein Ausflug auf der Spree und die Teilnahme an der Refugees Voices Tour rundeten den Nachmittag ab, bevor der Bunte Abend startete. Die Band von Frank und Roland rockte den Saal. – Der Montagmorgen wurde durch Wies Houweling mit dem Thema Lieben Liberale Vielfalt? begonnen, wo sie mit Hilfe der interaktiven Mentimakerfragen zeigte, was den Zuhörern wichtig ist. Sie führte plastisch aus, dass Vielfalt in großen Städten bereits Wirklichkeit ist und wie mit der neuen Supervielfalt Neues entsteht.

Die Abschlussveranstaltung widmete sich der Schwierigkeit, Gemeinsamkeiten der verschiedenen unitarischen, freireligiösen oder freidenkenden Gruppen in gemeinsam Erlebtes und Gestaltbares umzusetzen. Sollten nicht alle anstreben, große Fragen als Gemeinschaft von vielen und nicht jeder für sich allein zu lösen? Jede Mischung von Vielfalt hat etwas Eigenes, Unverwechselbares, so auch die Original EUT2019-Gewürzmischung, die allen Teilnehmern eine Erinnerung sein soll. – Es waren drei sehr intensive Tage voller Musik, Austausch und Gespräche - und auch der Erkenntnis, dass es eine Herausforderung bleibt, im Großen wie im Kleinen die vorhandene Vielfalt in positiver Weise anzunehmen. Texte und Fotos werden in den Unitarischen Blättern 3-2019 sowie im Unifier der EUU veröffentlicht.

Swaantje Schlittgen
Präsidentin des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften

(Fotos: Volker Bühnemann)
Swaantje Schlittgen
Wies Houweling
Karen Tse
Dorothea Kaufmann
Auf der Suche nach den Ethischen Fragen des
21. Jahrhunderts
Bericht zur Humanistischen Konferenz und den Satzungsversammlungen
in Reykjavik vom 31. Mai bis 2. Juni 2019
von Silvana Uhlrich-Knoll, Vize-Präsidentin im DFW
Die humanistische Welt blickte in diesem Jahr nach Reykjavik, wo Ende Mai die internationale humanistische Gemeinschaft, gemeinsam mit der Europäischen Humanistischen Föderation unter dem Themenschwerpunkt „Was sind die ethischen Fragen des 21. Jahrhunderts?“ für drei Tage zusammenkam. Dabei lag die Relevanz der Konferenz auf vier größeren Themenbereichen, die aus dem aktuell politischen Geschehen unserer aller Gesellschaften nicht mehr wegzudenken sind: Demokratie, Flüchtlinge, Umwelt und ökonomische Ungerechtigkeit.
1. Zum Bereich Umwelt wurde explizit darauf hingewiesen, dass schon das Time-Magazin 1988 die Erde als Person des Jahres betitelt hat, da es zu dieser Zeit schon erste Anzeichen zur Ausnutzung der Erde gab. Seit dieser Zeit wird es nur noch schlimmer. Das aktuell wahrnehmbare Interesse beruht darauf, dass die Pike schon längst überschritten ist, Schäden in vielfacher Hinsicht irreparabel sind. Während der Konferenz wurde immer wieder betont, dass Gesprächsrunden und Vertagungen die Sache nicht in Gang setzen, sondern immer mehr hinauszögern, eine Dringlichkeit, die die Jugendlichen in allen Ländern durch ihre Fridays-For-Future-Demonstrationen schon längst erkannt haben.
Wichtig wären die Abschaffung des Bruttoinlandsprodukts, da die finanziellen und umweltspezifischen Interessen durch die Politik nie einzeln betrachtet werden und nicht über die Amtszeit hinaus über die Langzeitfolgen einer politischen Entscheidung nachgedacht wird. Persönliche Interessen und oft geheime Lobbyverträge (siehe abgeordnetenwatch.org) stehen einen objektiven Lösungsprozess vehement im Wege. Umweltschutz aus eigener Initiative ist dabei ein guter Ansatz, kann aber die Schäden, die aus Wirtschaft und Gesellschaft entstanden sind, nicht stoppen, sondern nur verzögern (Sian Berry – Green party of England and wales, Co-Leader „… environment protection is not the solution – to make things slowly does not mean to make them better…“). Somit ist wieder einmal die Politik gefragt, Dinge in die Hand zu nehmen und umzusetzen. Das Format global denken, aber lokal handeln, trifft auch hier direkt ins Schwarze. ...weiterlesen...

Rainer Rosenzweig ist neuer KORSO-Vorsitzender
Ende März kamen in Kassel Delegierte aus säkularen Organisationen zur Ratsversammlung des Koordinierungsrats säkularer Organisationen (KORSO) zusammen. Vertreterinnen und Vertreter von gbs (Giordano-Bruno-Stiftung), HVD (Humanistischer Verband Deutschlands), IBKA (Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten), bfg (Bund für Geistesfreiheit) Bayern, DFV (Deutscher Freidenker-Verband), DFW (Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften) und StG (Stiftung Geistesfreiheit Hamburg) und JwD (Jugendweihe Deutschland) wählten dabei u.a. den neuen Vorstand des KORSO. Außerdem verabschiedete die Versammlung eine Resolution zum Verhältnis des Staates zu den Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, im Besonderen zum aktuellen Thema der historischen Staatsleistungen. Die Resolution ist hier verfügbar:
Alter und neuer Präsident: Helmut Fink (links) und Rainer Rosenzweig
Der Ratsversammlung voraus ging eine Vorstandssitzung, ein letztes Mal unter dem Vorsitz von Helmut Fink, KORSO-Vorsitzender seit 2012, der für eine erneute Wahl nicht mehr zur Verfügung stand. Zwischen Vorstandssitzung und Ratsversammlung hielt Helmut Fink bei einem kleinen Empfang Rückschau auf über sechs Jahre als Vorstandsvorsitzender. Die besondere Leistung des KORSO war dabei bisher die nicht zu unterschätzende Leistung, ganz unterschiedliche säkulare Verbände unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen und ihnen ein Forum zu bieten, „das eine Brücke baut zwischen verschiedenen Organisationen“. Damit schuf der KORSO eine Basis für künftge Aktivitäten. Auch die bisherigen Beisitzer Rudolf Ladwig (IBKA) und Erwin Schmid (bfg Bayern) im KORSO-Vorstand traten nicht mehr an.
Neuer Vorsitzender ist Dr. Rainer Rosenzweig (gbs), stellvertretender Vorsitzender Dr. Alexander Bischkopf (HVD), Schatzmeister Michael Wladarsch (bfg Bayern). Die bisherige Schatzmeisterin Swaantje Schlittgen (DFW) wurde als Beisitzerin gewählt. In seiner bisherigen Funktion als Beisitzer wurde Ralf Lux (DFV) wiedergewählt. Neu als Beisitzer wurden gewählt: Petra Bruns (IBKA) und Wolf Merk (StG). Hier ist der aktuelle KORSO-Vorstand aufgelistet:
Dr. Rainer Rosenzweig dankte nach seiner Wahl dem scheidenden Vorsitzenden Helmut Fink für dessen herausragende Aufbauarbeit bei der Ingangsetzung des KORSO und der Schaffung wertvoller Grundlagen für die künftige Arbeitsfähigkeit des KORSO.

Rezension:
Kant wirkt bis heute mit Realitätssinn
Kohnen/Michelsen/Mueller (Hg.):   Kant und Konsorten
336 S. | ISBN: 978-3-943624-26-7 | 19,90 €
Ein lesenswertes Buch aus dem Angelika Lenz Verlag, mit einem reißerischen Titel. Insbesondere die Beiträge von Volker Mueller beziehen sich auf Originalzitate von Kant, die seine Kosmologie und die daraus folgende Ethik beschreiben. „Der Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet ... meine Wichtigkeit ...“
Die Menschenrechte formulierte zwar Paine zur selben Zeit, aber sie scheinen auf bei Kant als Morgenröte am Horizont, wie Volker Mueller schreibt. Wertvoll sind die vielen Originalzitate, wenn er beispielsweise den Satz zitiert, „daß die ursprüngliche Gangart des Menschen die vierfüßige gewesen ist, daß die zweifüßige sich erst entwickelt und daß der Mensch erst allmählich sein Haupt über seine Kameraden, die Tiere, so stolz erhoben hat“ und damit Darwin vorwegnimmt.
Oder seine Schrift von 1795 „Zum ewigen Frieden“, in der sich Kant Gedanken macht, wie die begrenzte Oberfläche der Erde friedlich aufgeteilt werden kann.
Seine Verbote lesen sich wie die Statuten des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) in Den Haag, der 2002 seine Arbeit aufnahm.
Verboten sind:
1.der nur bedingte Friedensschluss;
2.die Zerstörung der Souveränität eines Staates;
3.die konkurrierende militärische Hochrüstung;
4.die Verschuldung von Staaten zugunsten des Überreichwerdens anderer Staaten;
5.die gewaltsame Intervention;
6.die Kriegsführung, die einen Frieden im Vorhinein ausschließt.
Er fordert für eine weltbürgerliche Gesinnung die Einschränkung des Hospitalitätsrechtes auf ein bloßes Besuchsrecht und das strikte Verbot des Kolonialismus: „Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinenHospitalität eingeschränkt werden.“ Notwendige staatsrechtliche Voraussetzung für den Frieden ist die republikanische Verfassung mit der Gewaltenteilung. Mit diesen Ausführungen weist Kant vorausschauend der heutigen UNO und den Einzelstaaten realistische Aufgaben zu. Um allerdings funktionsfähig zu bleiben, ist der heutige Zustand unhaltbar, der die Anerkennung des Rome-Statute of the International Criminal Court (ICC) auf die EU-Mitgliedsstaaten Frankreich und Great Britain beschränkt.
Kant wirkt bis heute mit Realitätssinn. Es gilt aber, unerledigte und in der Aufklärung bereits formulierte Aufgaben heute einer Lösung näherzubringen. Um an dieser Stelle weiterzukommen, bedarf es nicht der Erfindung neuer Institutionen, sondern der Fähigkeit zum Kompromiss, wie Stephan Konen im Abschnitt „Aufklärung und der Zirkel des Lichts“ ausführt.
Solange wir aber in unserer Kulturpolitik das Fähnchen der nicht kompromissbereiten abrahamitischen Religionen aufrechterhalten, wird es keinen Frieden in der Welt im Sinne Kants geben.
Die Autoren wollen sicherlich darauf verweisen, diese existierenden geistigen Hürden in unserer Politik zu überspringen, denn sie hindern uns auch daran, neue, politische Integrationsziele innerhalb der EU zu setzen. Genau da setzt der Beitrag von Christian Michelsen ein, der Schopenhauers pessimistischen Ansatz „Geschichte als Wiederkehr des Immergleichen“ dem Optimismus mit „Kants Theorie der Vernunftoptimierung in der Weltgeschichte“ gegenüberstellt. Vielleicht zwingt uns der Klimaschutz, auch die Schopenhauer-Pessimisten von Kants Fortschrittsdenken zu überzeugen.
Ein sehr lesenswertes Buch mit Realismus in der Aussage für Weltbürgerlichkeit, ohne die souveränen Staatenzu vergessen.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt im Shop bei www.lenz-verlag.de
Horst Prem

Wertebildende Schulfächer –
Referat anlässlich der Klausurtagung des Koordinierungsrates säkularer Organisationen am 17.11.2018
Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. ist Mitglied im Koordinierungsrat säkularer Organisationen, KORSO e.V.   Im Rahmen  eines Impulsreferates stellte Dr. Volker Mueller im Namen des Dachverbandes freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. die seit langem vertretenen und von ihm für die Klausurtagung des KORSO e.V. am 17.11.2018 zusammengefassten Thesen zum Erfordernis und zur Einrichtung wertebildender Schulfächer vor.
Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften sieht weiterhin Handlungsbedarf in den meisten Bundesländern, einen integrativen, fächerübergreifenden Werteunterricht einzuführen.
1.  Wertebildende Unterrichtsfächer in staatlichen Schulen wirken werteorientierend und aufklärend. Sie können freiheitliches und demokratisches Miteinander fördern und vermitteln Allgemeinwissen zu Menschenwürde und Menschenrechten. Im Vordergrund der ethischen Bildungsbemühungen steht die Förderung und Entwicklung einer selbstbestimmten und mündigen Persönlichkeit. Dabei sind Grundlagen für eine werteorientierte Lebensgestaltung sowie Wissen über philosophische Traditionen und Grundsätze ethischer Urteilsbildung sowie über Religionen und Weltanschauungen zu vermitteln.
2. Die anzustrebende Entkonfessionalisierung der staatlichen Schule wirkt für die weltanschauliche Neutralität des Staates in Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen. Keine einzelne Religion oder Weltanschauung soll in der Schule die Wertbindung determinieren oder eine alleinige Wahrheit bestimmen. ...weiterlesen...
 

DFW-Erklärung zum 9. November 2018:
Für eine menschliche Zukunft!
Vor achtzig Jahren trat das nationalsozialistische Regime in Deutschland in der sogenannten „Reichskristallnacht“ die intensive Phase der Verfolgung von Mitbürgern jüdischen Glaubens los. Historiker sind sich einig, dass die Zerstörungen und Verfolgungen in dieser Nacht nicht nur von den Schergen des Regimes selbst ausgeführt wurden, sondern bei vielen zivilen Bürgern des Landes Zustimmung fanden und unterstützt wurden.
Antisemitismus, Rassismus und Herabwürdigung von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen, Herkunft, Geschlecht und Lebensform sind leider auch heute wieder Teil des gesellschaftlichen Lebens geworden. Abgrenzung gegen andere findet Zustimmung, Menschen anderer Herkunft oder anderen Glaubens werden wieder zu Sündenböcken für gesellschaftliche Probleme gemacht. Einzelfälle werden verallgemeinert, wenn sie nur die Ablehnung von Menschen fördern, an die Opfer wird nicht gedacht. Oder wird für jede Frau, die von ihrem Partner getötet wird, ein Trauermarsch gemacht?
Vom DFW aus beobachten wir diese Entwicklung zu offenem Ausdruck von Hass und Menschenfeindlichkeit mit großer Sorge. Unsere Mitgliedsorganisationen treten ein für ein achtungsvolles, gleichberechtigtes Miteinander in einem säkularen Staat, in dem alle Religionen und Weltanschauungen die gleichen Rechte haben, und die Bürger- und Menschenrechte Basis allen staatlichen und gesellschaftlichen Handelns sind.
Wir arbeiten auf internationalem Gebiet mit Menschen aus aller Welt zusammen und setzen uns für Menschenrechte weltweit ein.
Wir werden – wie es der DFW von Anfang an in seinem Einsatz gegen Rassismus und Antisemitismus getan hat – weiter eintreten für gegenseitige Achtung und Toleranz, wir wollen die Offenheit für Menschen anderer Kulturen und Anschauungen fördern. Wir rufen auf zum kritischen und achtungsvollen Diskurs mit allen demokratischen Organisationen. Wir rufen unsere Mitglieder auf, sich aktiv einzusetzen für Freiheit und gleiche Rechte aller, für ein friedliches Miteinander. Die Erinnerung an die Reichskristallnacht soll uns stärken, dass wir für eine menschliche Zukunft arbeiten. Wir wollen lieber miteinander reden, diskutieren, lachen, einander trösten, statt uns abzuwenden und vor Angst und Hass zu kapitulieren.
Nicht einfach gaffen und sich verkriechen, stattdessen gegen Hass sprechen, ansingen, handeln!
Renate Bauer
DFW-Präsidentin
Integrieren statt separieren – ein Seminar der Jugend- und Bildungsstätte Klingberg
Konzept für einen Ethikunterricht an öffentlichen Schulen  in staatlicher Verantwortung für alle Jahrgangsstufen.
Präambel: Absolutheitsansprüche im Unterricht historisch gewachsener Religionen nach Art.7. (3) GG gefährden die gesellschaftspolitischen Gegebenheiten und Aufgaben einer auf Pluralität und religiös/weltanschaulicher Neutralität gegründeten freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Ziel des Ethikunterrichtes muss es sein:
Schüler und Schülerinnen mit den ethischen Grundlagen und Prinzipien der Grundrechte  der deutschen Verfassung, wie sie insbesonders in Art.1(2) GG festgeschrieben sind, vertraut zu machen, um ein friedliches von gegenseitigem Verständnis getragenes Zusammenleben  einzuüben, und einer späteren Hinwendung zum Extremismus vorzubeugen.

Dazu sind folgende Bedingungen zu erfüllen:
-   Der Unterricht soll im Klassenverband gemeinsam für alle Schüler und Schülerinnen unabhängig von ihrer kulturellen und religiös / weltanschaulichen Herkunft erteilt werden.
-   Religionen und Weltanschauungen müssen religiös und weltanschaulich neutral behandelt werden.
- Deshalb ist dieses Fach an öffentlichen Schulen ordentliches Pflichtfach wie alle anderen Unterrichtsfächer in staatlicher Verantwortung.
- Lehrkräfte für das Fach Ethik werden nach wissenschaftlichen und pädagogischen Gesichtspunkten religiös und weltanschaulich neutral ausgebildet.

Schlussbemerkung:
Unabhängig von der Einführung eines Ethikunterrichtes soll der konfessionelle Religionsunterricht nach Art.7(3) GG zur freien Wahl weiter bestehen.
Nach dem Urteil des BVerfG von 1987 ist der Religionsunterricht nach Art.7(3) GG
„... keine überkonfessionelle vergleichende Betrachtung religiöser Lehren, keine Morallehre, Sittenlehre, historische Religionskunde, Religions- oder Bibelgeschichte. Sein Gegenstand ist vielmehr der Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheit zu vermitteln, ist seine Aufgabe.“
Es ist daher zu bezweifeln, ob das Konzept für einen Ethikunterricht von dem bestehenden "Religionsunterricht für alle" in Hamburg - in Verantwortung der Nordelbischen Kirche - erfüllt werden kann.
Horst Prem,  2. November 2018
Bundestagsbeschluss über den Schutz der Religionsfreiheit zügig umsetzen
Der Bundestag hat in seiner Sitzung am 19. Oktober mit großer Mehrheit den Antrag „Menschenrecht auf Religionsfreiheit weltweit stärken“ beschlossen.
Zum Verlauf der Debatte erklärt Siegward Dittmann, Präsident der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz: „Wer aus dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit einen alleinigen Anspruch auf die Sonderstellung einer einzigen Weltreligion ableitet und die Sanktionierung von Staaten fordert, in denen Mitglieder dieser Religion diskriminiert werden, gefährdet Frieden, Freiheit und Demokratie und somit das Fundament für eine offene und demokratische Zivilgesellschaft.
Verfolgung und Repressionen betreffen neben Mitgliedern unzähliger religiöser Gemeinschaften auf der Welt gerade auch jene Menschen, die nicht glauben. Die Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU), die Weltorganisation der Humanisten, Atheisten, denen die Freireligiöse Landesgemeinde über den Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. angehört, weist seit 2012 in ihrem Freedom of Thought Report (FOTR, www.iheu.org) auf die zunehmende Verfolgung von Humanisten und religionslosen Menschen in zahlreichen Ländern, ebenso wie auf die Verfolgungen religiöser Minderheiten hin. Gerade jetzt wurde ein Vor-standsmitglied der IHEU in Pakistan verhaftet, wegen angeblicher Blasphemie. Auch Menschen mit freireligiöser Weltanschauung gehören zum wachsenden Kreis der sogenannten Konfessionslosen (als Heiden verunglimpft), und unsere Freie Religion hat in der deutschen Geschichte Verbot und Diskriminierung der Mitglieder der Gemeinschaft durch den Nationalsozialismus bitter erfahren“, so Siegward Dittmann weiter.
„Wir halten es für wichtiger, dass unser Land mit gutem Beispiel vorangeht, den Blasphemieparagraphen § 166 abschafft und die Trennung von Staat und Kirche vorantreibt. Der Schutz der Religionsfreiheit darf nicht dazu missbraucht werden, Menschenrechte zu relativieren und durch die Herabsetzung einer bestimmten Glaubensrichtung Hass und Vorurteile gegen Minderheiten in unserem Land zu schüren. Die Bundesregierung soll die am Freitag verabschiedeten Forderungen des Bundestages auf Anerkennung des individuellen Rechtes auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit, den Glauben zu wechseln oder keiner Religion anzugehören, zügig umzusetzen,“ fordert Dittmann abschließend.

Reimagining Interfaith: Freie Religion geht neue Wege

Nur wer frei und undogmatisch ist, kann über neue Wege der Zusammenarbeit, über Gestaltung und Inhalt des Glaubens nachdenken. So etwas hat vier Tage lang in Washington DC zwischen 300 Teilnehmern aus der ganzen Welt stattgefunden. Der 35. IARF Weltkongress war diesmal mittendrin.
Eingebettet/umrahmt von vielen anderen glaubensübergreifenden Bündnissen. Wie zum Beispiel URI. Gerade in den USA gibt es eine Fülle von solchen Initiativen. Es war eine organisatorische Meisterleistung von einem ambulanten Team von ca. 50 Freiwilligen, diese Gruppen aus der ganzen Welt in einem gemeinsamen Kongress zusammenzubringen.
Wir haben während dieser Tage gelernt, dass interreligiöse Arbeit nicht nur einen Weg, eine einzige Strategie oder eine einzige Methode hat, die zur Lösung führt. Indem wir unsere Geschichten miteinander verknüpfen, lernen wir, dass interreligiöse Arbeit genauso einzigartig ist wie jede Person, die daran beteiligt ist. Wir lernten, dass wir erst uns selbst kennenlernen müssen, um andere zu verstehen. Wir müssen erst einmal eintauchen in unsere eigene Vergangenheit, uns die Werte, die Ereignisse, die uns geprägt haben, vergegenwärtigen. Und wenn wir dann bereit sind, unseren eigenen Werte- und Religionsvorstellungen neue Gedanken hinzuzufügen und zu einem gemeinsamen Teppich zu verweben, dann können wir auf Religionsfrieden hoffen. Dann sind an den Rändern schon einmal Verbindungen geknüpft, eine Grundlage, eine Brücke, über die man gehen kann. Der Kongress war ein bleibendes, richtungweisendes, aufrüttelndes Erlebnis. Ein Wegweiser für unsere zukünftige Arbeit. Weg von den starren Ritualen, Satzungen und Vorschriften, hin zu individueller, grenzüberschreitender Kreativität.
Wolfgang Jantz
Weitere Berichte zum IARF Weltkongress auf www.dfw-dachverband.de>berichte

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