2016-2 - Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V.

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

2016-2

Berichte+Statements > 2016
Die Betonung der "religiösen Freiheit" lässt die Nicht-Religiösen im Stich - sagt der neue UN-Experte für Freiheit der Religion oder des Glaubens
Zu viele Leute haben "eng definierte Sichtweisen auf religiöse Freiheit", die zum Ausschluss von Humanisten, Atheisten und Nicht-Religiösen von Schutz durch Menschenrechte führen. Das ist die Ansicht des neu ernannten Experten für "Freiheit der Religion oder des Glaubens", Ahmed Shaheed. Shaheed, der früher Politiker auf den Malediven war, übernahm den Posten des UN-Sonderbotschafters für Freiheit von Religion oder Glauben am 1. November 2016.
Im Vorwort zu einem neuen Report über Diskriminierung und Verfolgung von Nicht-Religiösen, beklagt Shaheed die Gesetze gegen "Blasphemie" und "Apostasie" (konvertieren oder die Religion verlassen):
"Während jedermann mit diesen Gesetzen in Konflikt geraten kann und es oft Anschuldigungen gibt, um diese Gesetze für politische Zwecke zu gebrauchen, kriminalisieren diese Gesetze potenziell automatisch Widerspruch und freies Denken, und sie machen "Nichtgläubige", Humanisten und Atheisten zu Opfern. Was noch schockierender ist, ist die Grausamkeit, mit der jene bestraft werden, die angeklagt werden, gegen diese Gesetze verstoßen zu haben - durch staatliche Institutionen oder nichtstaatliche Akteure, einschließlich Nachbarn und Verwandte."
Der "Freedom of Thought Report 2016", erstellt von der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU), belegt Diskriminierung und Verfolgung von Humanisten, Atheisten und Nicht-Religiösen, und zwar mit einer Beurteilung jedes einzelnen Landes. Der Bericht stellt fest, dass "Blasphemie" in mindestens 59 Ländern unter Strafe gestellt ist mit einer Haftstrafe oder in manchen Fallen mit dem Tod. In 22 Ländern gibt es Gesetze gegen Apostasie. In mindestens 13 Ländern existiert die Todesstrafe für Blasphemie oder Apostasie.
Ahmed Shaheeds Heimatland, die Malediven, wird in den Bericht streng kritisiert. Während die Malediven im Westen als Luxus-Ferienziel bekannt sind, werden dort per Gesetz alle Bürger als Muslime angesehen, und jedes bürgerliche Gesetz ist der Sharia untergeordnet. Die Inhaber von atheistischen Facebook-Seiten wurden in den letzten Jahren öffentlich geoutet, gekidnappt und dazu verurteilt, ihren Atheismus zu widerrufen. Außerdem gab es Verfolgungen wegen "Apostasie" und zumindest einen Selbstmord im Zusammenhang damit, als Atheist geoutet worden zu sein.
Diese fünfte Jahres-Ausgabe des Freedom of Thought Report ist jetzt online zugänglich (www.freethoughtreport.com), mit interaktiven Seiten für jedes Land in der Welt. IHEU-Präsident Andrew Copson sagte: "Dies ist eine gewaltige Entwicklung für den Bericht, und er kommt zu einem Zeitpunkt, der ein Scheideweg in der Weltgeschichte betrachtet werden kann. ... Die Rechte und Gleichbehandlung von Nicht-Religiösen sind in Gefahr und es gibt einen weitgehenden Anstieg der Unterdrückung humanistischer Werte. Den Normen der Demokratie und des Säkularismus wurde schwerer Schaden zugefügt, und es gibt neue Bedrohungen all unserer Freiheiten."
Der Bericht behandelt außerdem den Aufstieg populistischer Parteien und Anführer, außerdem die Tatsache, dass diese in einigen Fällen einer neuen Keimzelle von "traditionalistischem und religiösem Authoritarismus" Vorschub leisten.
Mit Beispielen früherer Präsidentschaftswahlen in Bulgarien, Moldavien, den Vereinigten Staaten und heutigen Regierungen einschließlich Polen und Ungarn zieht der Redakteur des Reports, Bob Churchill, die Aufmerksamkiet auf "das sehr reale Risiko in manchen Ländern, dass unter nationalistischem Populismus die Rechte der Liberal-Religiösen und der Nicht-Religiösen, bestimmte humanistische Werte zu manifestieren, herabgesetzt oder verloren gehen könnten".
Der "Freedom of Thought Report" wurde veröffentlicht auf www.freethoughtreport.com
Weitere Informationen gibt es bei report@iheu.org oder telefonisch unter 0044-207-490-8468 (Bürozeiten).

*************************************************************************************************
Prof. Dieter Birnbacher ist neuer Präsident
Elke Baezner gab Amt nach acht Jahren ab
dgpd. Als neuen Präsidenten der Deutschen  Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) e.V. wählten die Delegierten  der DGHS bei ihrer am Wochenende in Berlin abgehaltenen Delegiertenversammlung Prof. Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher (69).
Die Neubesetzung der obersten Funktion des Vereins war nötig geworden, da die bisherige Präsidentin Elke Baezner nach insgesamt acht Jahren nicht noch einmal kandidierte. Birnbacher ist der DGHS seit Anfang der achtziger Jahre verbunden. Er ist seit 2004 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DGHS, im Jahr 2012 wurde er zu einem der beiden Vizepräsidenten gewählt.
Birnbacher ist Mitglied verschiedener philosophischer Vereinigungen, Vizepräsident der Schopenhauer-Gesellschaft sowie Vorsitzender der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer. Seit 2004 ist er Mitglied der Leopoldina. Außerdem gehört er dem Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung an. Die Philosophische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster verlieh ihm 2012 die Ehrendoktorwürde.
Ebenfalls neu gewählt wurde einer der beiden Vizepräsidenten. Diese Funktion wird Prof. Robert Roßbruch bekleiden. Weiterer Vizepräsident ist Volker Leisten, der erst vor einem Jahr gewählt worden war. Schatzmeister bleibt Hans-Jürgen Rosin, der erst seit zwei Jahren im Amt ist. Die Positionen der satzungsgemäß vorgesehenen drei Beisitzer wurden auf der Delegierten-Versammlung wie folgt neu besetzt: Dr. med. Gerhard Köble, Sonja Schmid, Michael Wardenga.
Die Amtszeiten betragen jeweils vier Jahre.
Die beiden bisherigen Beisitzer Rudi Krebsbach und Dr. Ulrich Meyberg scheiden auf eigenen Wunsch aus dem Präsidium aus.

*******************************************************
DFW-Hauptversammlung hat neues Präsidium gewählt
Das neu gewählte DFW-Präsidium: Ute Kränzlein, Norbert Weich, Renate Bauer, Swaantje Schlittgen, Silvana Uhlrich-Knoll, Ortrun Lenz, Siegward Dittmann (v.l.)
Die Delegierten der Hauptversammlung 2016 in Berlin.

Alle zwei Jahre findet die Hauptversammlung des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften statt. Dieses Mal wurde das Präsidium neu gewählt. Eike Möller und Monika Hendlmeier stellten sich nicht mehr zur Wahl und schieden aus dem Präsidium aus. Alle übrigen Präsidiumsmitglieder wurden in ihren Ämtern bestätigt: Renate Bauer (Präsidentin), Swaantje Schlittgen (Vizepräsidentin), Siegward Dittmann (Schatzmeister), Ortrun Lenz (Schriftführerin/PR) und als Beisitzer Silvana Uhlrich-Knoll, Ute Kränzlein und Norbert Weich.

***************************************************************************
Musik und Vorträge im Kino Krokodil
Bericht zur Matinee in Berlin am 6.11.2016
Anlässlich der Hauptversammlung des DFW vom 4.–6. November 2016 in Berlin hatten der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften und die Freireligiöse Gemeinde Berlin zu einer musikalisch-literarischen Matinee am Sonntag, dem 6. November 2016 um 10:30 Uhr ins Kino Krokodil, Greifenhagener Str. 32, 10437 Berlin gebeten. Das Präsidium des DFW, die Delegierten der Hauptversammlung sowie weitere Gäste erlebten einen anregenden Vormittag mit Bildern, Vorträgen und Musik.
Nach der musikalischen Begrüßung mit Chansons von Silvana Uhlrich-Knoll gab es einen Vortrag von Dr. Patrick Breyer (Piratenfraktion, MdL Schleswig-Holstein), zum Thema "Die modernen Herausforderungen der Freiheit heute". Sein Vortrag wurde vom Publikum mit großem Interesse aufgenommen. Hier sind die Stichpunkte zum Nachlesen:
Mit einem Bruno-Wille-Programm von Isabel Neuenfeldt (Musik) und Anne-Katrin Pauk (Moderation) ging die Matinee zu Ende.

************************************************************************************
Tagung in Breslau war ein voller Erfolg
Am 22. und 23. Oktober 2016 fand eine gemeinsame Konferenz des DFW mit den Rationalisten (PSR) in Breslau zum Thema: „Säkularismus und Pluralismus –Freidenker Breslaus als Vorreiter des interkulturellen Dialogs“ statt.
Über 40 Teilnehmer diskutierten an beiden Tagen über die Situation der säkularen Freigeister in Europa. Ausgehend von der „Geschichte der christkatholischen/freireligiösen Gemeinde in Breslau“ über „Menschenrechte im Dialog der Kulturen“, „Säkularismus und Islam“ bis zu „Europäische Werte und Säkularismus“ war der Bogen gespannt. Den Abschluss bildete am Sonntag ein Rundgang durch Breslau, an dem wir auch die ehemalige Feierhalle der stillgelegten Freireligiösen Gemeinde Breslau besuchten. In ihr predigte zu seiner Zeit Johannes Ronge. Einen Einblick in die Tagung bekommt man auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=AKb_HFL_AFQ
Es ist geplant, die gesammelten Vorträge als Sammlung ins Netz zu stellen, so dass Interessierte diese in Ruhe nachlesen können.
Siegward Dittmann

Alte Feierhalle der Freireligiösen Gemeinde Breslau >>
OBEN: Kaja Bryx, Pierre-Arnaud Perrouty, Joanna Handerek, Renate Bauer, Piotr Napierala und Silvana Uhlrich-Knoll  (v.l.n.r.)
UNTEN: Jacek Tabisz, Pierre-Arnaud Perrouty und Renate Bauer vor dem Schiller-Denkmal  (v.l.n.r.)
*****************************************************************************
Interview mit M.M.L., Atheist aus Algerien
Sie beschreiben sich selbst als Atheisten. Was meinen Sie mit diesem Begriff?
Normalerweise nenne ich mich L., „der Mensch“, mehr nicht. Aber da wir in einem Land leben, in dem man sogar für die grundlegendsten Rechte wie „Gedankenfreiheit“ kämpfen muss, ja, da beschreibe ich mich selbst als Atheist und meine damit die allgemeine Bedeutung des Wortes als einfach „ich bin ein Nichtgläubiger“ oder jemand, der Religion verneint und die absurde Idee der Existenz aller Formen eines intelligenten Schöpfers oder „Gottes“.
Und in meinem Fall füge ich hinzu, dass ich jemand bin, der die erzählten irrationalen Ideen, die auf Dogmen und Glauben ohne Hinterfragen beruhen, ablehnte, und ich kam zu einer Welt des besseren Verstehens, der beständigen Wissbegier und des Glaubens an Fakten, nicht an das Paranormale, ich bin jemand, der einer Lehre des Hasses entkam zum Licht des Verstehens und der Achtung anderer …
Sie wuchsen in einem streng islamischen Land auf. Was hat Sie inspiriert, hatten Sie Lesestoff?
Da Sie erwähnten, dass unsere Gesellschaft streng islamisch ist, so denke ich, dass Sie wissen, wie schwierig es war, meine Ideen zu entwickeln, vor allem in den ersten Jahren, da wir keinen Zugang zu Büchern und den philosophischen Strömungen in der Welt haben, aber anfangs war es in sehr einfacher Form. Und als ich anfing, Fragen über Religion zu stellen, begann ich, indem ich tiefer forschte und mehr im Koran und Büchern zur Sunna las. So hat mir die Religion selbst geholfen, meine Ideen zu formen und die Religion abzulehnen. Danach kam das Internet, wo man Bücher zu dem Thema fand, so las ich immer mehr zur Geschichte der Religionen, vor allem des Islam. Unter diesen Büchern gab es „The great sedition“ von Taha Hussein, und „My ordeal with Quran and the God of Quran“ von jemandem mit dem Pseudonym 'abbes abdenour', und dann haben wir noch „the unknown in the prophet’s llife“ von einem anonymen Schriftsteller. Danach sprang ich über zu Büchern wie Darwins „Ursprung der Arten“ und anderen Autoren, so Dawkins und seinem bekanntesten Werk „God’s delusion“. Alle diese Bücher können nur im Internet gefunden werden, man kann sie bei uns nicht kaufen oder in unseren Bibliotheken finden. Man kann sagen, dass die Religion selbst mich dazu brachte, die Vorstellung von Gott abzulegen, und während dieser Zeit wusste ich noch nicht einmal, was es heißt, Atheist zu sein, ich verstand mich einfach als Nichtgläubiger und als jemand, der nicht mehr von Religion überzeugt war.
Wie sind die Reaktionen anderer, Ihrer Familie, Freunde usw. auf die Änderungen Ihres Glaubens?
Wenn wir über die Reaktionen reden – was kann man von einem Land und anderen Nationen erwarten, die glauben, man müsse jene töten, die die Religion fallenlassen. Zum Beispiel sagte mir mein bester Freund, dass er, falls ich so weitermache und derartige Fragen stelle, gezwungen sei, mich zu töten (wobei ich weiß, dass er gemäßigter Ansicht ist). Und seit ich im Internet aktiv bin, habe ich täglich Botschaften erhalten, in denen sie an meine Nummer kamen, aber vielleicht weil in meiner Stadt die Menschen anfingen von L. und seinen (satanischen und blasphemischen) Gedanken und Ideen zu hören. Und vermutlich fingen daher die Sicherheitskräfte an, uns zu verfolgen … Was meine Familie angeht, denke ich, dass ich Glück hatte, denn die meisten von ihnen sind sehr gebildet und haben akzeptiert, dass wir über die Tabuthemen sprachen, und ich erkannte, dass viele von ihnen auch nicht gläubig sind. Aber sie verstecken es, und manchmal versuchten sie mich dazu zu bringen, zu schweigen wegen meiner Sicherheit, denn ich bin jemand, der trotzig ist, und sie bemerkten, dass ich angefangen hatte, mich der gesamten Gesellschaft entgegenzustellen. Da meine Mutter - sie ist eine religiöse Person – mal in der Moschee in der Nachbarschaft von unbekannten Leuten angesprochen wurde, die ihr sagten, sorg dafür, dass dein Sohn schweigt oder er wird geköpft, bedeutete das, dass vor allem ich und alle, die mir gleich sind, nicht nur von der Gesellschaft abgelehnt werden, sondern dass wir in ständiger Angst leben, denn wenn dich nicht die Leute töten, dann verhaftet dich die Regierung, so wie es zwei meiner Freunde passiert ist, darunter dem bekannten Rashid Fodil.
Was ist Ihre Vision, für sich, für die Gesellschaft?
Ich möchte die Gesellschaft voranbringen, weil es ist meine Verpflichtung und die anderer ist, unsere Länder zu einem besseren Platz zum Leben zu machen. Wir wollen unsere Länder auf dem richtigen Weg zum Säkularismus sehen und zur Erkenntnis „Religion ist für Gott und das Land für uns alle“. Wir wollen eine Revolution der Ideen, nicht der Waffen beginnen, eine Zeit der Aufklärung genau wie es in Europa geschah, denn es ist sehr wichtig, die alten Grundlagen von vor 1400 Jahren zu erschüttern. Die Menschen leben im 21. Jahrhundert und wir, wir träumen immer noch von einer Zeit des Sandes und den Ideen der Wüste, die im 15. Jahrhundert vor uns etabliert wurden. Ich und jene gleich mir wollen unsere Länder dem Rest der Welt annähern, wo man offen für alle Visionen und Wissen ist. Unsere Länder versinken in Unwissenheit und vor allem in Hass. Das können wir alles sehen in den arabischen Ländern, angefangen von Libyen und Ägypten hin nach Syrien und Irak, Kriege aus Hass und religiöser Ausrottungswut und Genozid. Dieser Hass breitet sich bis nach Europa aus. Ich persönlich will andere nicht konvertieren oder Kultplätze zerstören, aber ich rufe dazu auf, unsere Geschichte neu zu lesen und eine neue Verfassung zu setzen, die auf den Menschenrechten beruht und alle Minderheiten achtet. So sehe ich mich selbst, durch die Gesellschaft selbst und den Kampf für humanistische Standards.
Was würden Sie Menschen empfehlen, die Zweifel an ihrem Glauben haben?
Seit uns das Internet die Möglichkeit gab, der Welt zu sagen, dass es uns gibt, und seit das unsere Gesellschaft noch mehr schockierte und aggressiv machte, empfehle ich Freidenkern, auf ihr Handeln zu achten, denn wir kämpfen mit unseren Ideen, und sie bekämpfen uns mit Waffen und Verfolgung. Und an jene, die Zweifel haben: Sie sollen mehr lesen und neutral in ihrer Analyse sein, und vor allem sollen sie sich den Seiten der arabischen Atheisten anschließen, die wir auf Facebook eröffnet haben. Sie sind offen für alle, und wir diskutieren täglich und veröffentlichen ständig etwas. Und wie ich zuvor sagte, wir versuchen nicht Menschen zum Konvertieren zu bringen, aber wir tragen unsere Argumente vor und helfen jenen, die zweifeln, und vor allem kämpfen wir darum zu sagen, dass es uns gibt und sagen anderen damit, dass sie nicht allein sind.
Zum Schluss möchte ich Ihnen einfach danken und der Welt mitteilen, dass während ich diese Zeilen schreibe, viele verfolgt und sogar getötet werden für ihre philosophischen Ideen, und dass wir ihnen beistehen müssen, nicht weil sie Atheisten und Nichtgläubige wie wir sind, sondern weil wir Menschen sind und fest davon überzeugt, dass niemand für seine Ideen getötet werden darf.
*************************************************************
◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊◌◊

Gemeinsam in die Zukunft blicken –
3. Überregionales Treffen freireligiöser und unitarischer Gemeinden im deutschsprachigen Raum
in der Frei-religiösen Gemeinde Offenbach


Liebe Freunde unitarischer und freier Religion,
wir laden Euch/Sie/Dich ganz herzlich ein, von Freitag, dem 20.05., bis Sonntag, dem 22.05.2016, zum „Dritten Überregionalen Treffen freireligiöser und unitarischer Gemeinden im deutschsprachigen Raum“ in die Frei-religiöse Gemeinde nach Offenbach zu kommen!
Unter dem Thema „Gemeinsam in die Zukunft blicken“ werden verschiedene Möglichkeiten zum Austausch zwischen Personen des Gemeindelebens, zwischen Jung und Alt sowie zum Kennenlernen angeboten. Geplant ist mit Feierstunden, Arbeitskreisen und Besinnungszeit ein vielfältiges Programm für die Mitglieder der Religionsgemeinden und Weltanschauungsgemeinschaften zu gestalten – auch die freireligiöse und die unitarische Jugend werden daran ihren Anteil haben.
Dringend suchen wir noch Personen, die sich Freitag zur Eröffnungsfeierstunde oder Sonntag zur Abschlussfeierstunde mit Gastbeiträgen einbringen wollen. Bei Interesse wenden Sie sich an die unten angegebenen Kontaktdaten.
Das Anmeldeformular, Programm und eine Liste der Hotels in Umgebung der Gemeinde sind ab Mittwoch, dem 02.03.2016 unter www.freireligioese-offenbach.de (Rubrik „Veranstaltungen“) abrufbar. Die Anmeldung ist bis einschließlich Freitag, dem 15.04.2016, möglich. Die Anmeldungen sind via Email und postalisch möglich.

Wir bitten die jeweiligen Gemeinden und Gemeinschaften, die Einladung und Anmeldeformulare an ihre Mitglieder weiterzureichen und zu informieren! 


E-Mail:   info@freireligioese-offenbach.de
Postadresse:  Frei-religiöse Gemeinde Offenbach
Schillerplatz 1, 63067 Offenbach am Main
Telefon:  069 / 800 806 0, Gemeindeamt


Die Teilnehmerzahl ist auf  max. 70 Personen begrenzt.
Die Kosten belaufen sich auf max. 60 € (Genauere Angaben folgen zu Beginn der Anmeldefrist).
Für Jugendliche sind Unterkunft und Verpflegung für das Wochenende kosten-los. Einzig Schlafsack, Isomatte und Schlafzeug werden für die Übernachtung in der Gemeinde benötigt.

Mit vielen Grüßen
Das Orga-Team


P R O G R A M M :


Die Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen, der Wille zum Austausch von persönlichen Glaubens- und Weltanschauungsvorstellungen und das Zusammensein im Gefühl, nie die absolute Wahrheit für sich zu finden und zu beanspruchen, lässt uns zu einem weiteren überregionalen Treffen zusammenkommen.
Mit Toleranz und Neugier, die eng miteinander verwoben sind, wird dieses Wochenende zum Kennenlernen, Nachdenken und Selbstgestalten die große Thematik „Zukunft“ in den Mittelpunkt rücken. In verschiedenen Arbeitskreisen soll dieses Thema, aber auch anderes, Zeit und Raum zum Austausch und der gemeinsamen Erfahrungen geben.
Jung und Alt können diskutieren und einander erklären, wie sie sich ihre Gemeinde oder Gemeinschaft vorstellen, was sie für Werte und Aufgaben mit ihr verbinden. Und natürlich soll es auch genügend Zeit zum gemütlichen und lockeren Beisammensein geben!  
 
Vorläufiges Programm für das dritte überregionale Treffen 2016 
 
Freitag, 20. Mai 2016
16.00 Uhr: „Eintrudeln“ und informelles Kennenlernen
18:00 Uhr: Eröffnungsfeierstunde

Im Anschluss: Gemeinsames Abendessen im Gemeindezentrum
 
Samstag, 21. Mai 2016
Morgens: „Besinnung für den Tag“:
(Anmeldung und Zeiten werden vor Ort besprochen; Angebot nur bei angemessener Nachfrage)
„Zum Sonnenaufgang“
„Von und für den Menschen“
Spiralen-Meditation
 
Danach:
9.30 bis 11.00 Uhr: Arbeitskreis „Gemeinsames Singen“
11.15 bis 12:45 Uhr: Arbeitskreise (siehe unten)
12.45 bis 14.15 Uhr: Mittagspause
14.15 bis 15.45 Uhr: Arbeitskreise (siehe unten)
15.45 bis 16.30 Uhr: Kaffeepause
16.30 bis 18.00 Uhr: Arbeitskreise (siehe unten)
 
WICHTIG: Das Angebot der Arbeitskreise, z.B. inwiefern diese parallel und/oder mehrfach angeboten werden, hängt von der Nachfrage ab. Daher ist es notwendig, bei der Anmeldung anzugeben, welche Arbeitskreise man gerne besuchen möchte.
  
Folgende Arbeitskreise sind geplant:

Arbeitskreis 1: Freie und unitarische Religion heute
Unitarische und freireligiöse Gemeinden und Gemeinschaften haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem Zeitgeist nahe zu sein, inhaltlich beweglich zu bleiben und gleichzeitig ihre Traditionen zu wahren. Wie können wir diese Gratwanderung schaffen? Welche (neuen) Schwerpunkte und Denkanstöße können wir für uns finden? Was zeichnet uns auch in der heutigen Zeit als besonders aus?
 
Arbeitskreis 2: Gemeinsames Singen
Gesang und Musik war und ist für das Leben unserer Gemeinden und Gemeinschaften Bestandteil der Besinnungen, Feiern und anderen festlichen Anlässen. Gemeinsam wollen wir auch beim ÜRT singen und Altem wie auch Neuem unsere Stimme und Gehör schenken.
 
(Kreativ-)Arbeitskreis 3: Besinnung und Spiritualität in Berührung mit der Natur
Unsere Religionsgemeinden und Gemeinschaften sind seit jeher in ihren Vorstellungen und Idealen mit der Natur innig verbunden. In diesem Arbeitskreis soll mit Bildern der Schönheit unseres Planeten gearbeitet werden. Es soll darüber gesprochen werden, welchen Stellenwert die Natur für uns hat und es soll in einer kleinen Schreibwerkstatt zu Papier gebracht werden, was so mancher Anblick der Naturphänomene für uns persönlich bedeutet.
 
Arbeitskreis 4: Zusammenkommen der Generationen
Die Jugendlichen unserer Gemeinden und Gemeinschaften sind das Fundament unserer Zukunft. Deswegen laden auch sie uns ein, an einem Arbeitskreis zum Diskutieren und gemeinsamen Arbeiten teilzunehmen. Ein konstruktiver und kreativer Austausch zwischen Jung und Alt, zwischen Tradition und Moderne, ist für uns unumgänglich und Grundlage unseres Weiterbestehens.
 
Arbeitskreis 5: Bewegungswerkstatt
Alles ist in Bewegung, alles fließt: „Panta Rhei“ (Heraklit). Neben unseren Arbeitskreisen, die vor allem unseren Geist benötigen, soll auch Körper und Geist zugleich aktiviert werden, wenn uns Marie-Anne Augustin in die Welt der Bewegung und Sinneswahrnehmungen begleitet. Wir wollen das Gespür für uns
und die Dinge, die uns umgeben, in unterschiedlichste Richtungen, individuell WEGweisend, in diesem Arbeitskreis in den Fokus stellen.
 
Kleingruppen-Seelsorge (Small Group Ministry)
Mit zwei Schwerpunkten soll auch zu diesem ÜRT die Kleingruppen-Seelsorge angeboten werden. „Was bedeutet mir meine Gemeinde?“ und „Meine Fragen an das Leben“ bilden die beiden Themenbereiche, um die es in angeleiteten und vertraulichen Gesprächen in kleinen Gruppen gehen soll. Folgend noch einmal die Erklärungen der „Small Group Ministry“ vom letzten ÜRT:

„Dieses Format stellt eine neuere, aber sehr wichtige Entwicklung innerhalb der Freien Religion dar. Man trifft sich in kleinen Gruppen (etwa 4-8 Personen), um sich unter Anleitung und in vertrauensvoller Atmosphäre über die Bedeutung von – und den Umgang mit – existenziellen Fragen im eigenen Leben auszutauschen. Dabei steht das Sich-Anvertrauen und Teilen von wichtigen Themen im Vordergrund, Diskussionen finden dagegen nicht statt. Auch spielerische oder kleinere rituelle Elemente sowie kurze Lesungen von Texten können Teil des Small Group Ministry sein. In diesem Arbeitskreis soll das Format durch aktive Teilnahme selbst erfahren werden können.“

Im Anschluss: Gemeinsames Abendessen in der Frei-religiösen Gemeinde Offenbach
 
Sonntag, 22. Mai 2016
11:00 Uhr: Feierstunde zum Abschluss
Im Anschluss: Kleiner Imbiss 
Ca. 13:00 Uhr: Abschlussrunde 
 
Organisatorisches:
Die ausgefüllten Anmeldungen senden Sie/Du an:
info@freireligioese-offenbach.de
oder an die unten stehende Adresse.    
 
Beitrag:  
Der Kostenbeitrag für das Treffen beträgt:  
60.- Euro (Teilnahme Freitag bis Sonntag),  
45.- Euro (Teilnahme Samstag und Sonntag),  
oder 35.- Euro (Teilnahme nur am Samstag)  
Weitere Angaben sind auf dem Anmeldeformular zu finden. Für Teilnehmer bis 27 Jahre ist das ÜRT kostenfrei und in besonderen Fällen ist eine Ermäßigung bis zu 100 % möglich. Dies ist mit dem Büro der frei-religiösen Gemeinde Offenbach abzuklären.     
 
Kinderbetreuung:  
Sollte Bedarf an Kinderbetreuung entstehen, bemühen wir uns diesem nachzukommen. In Absprache mit unserer Kindertagesstätte kann eine Betreuung in unseren KiTa-Räumen angeboten werden. Bei Interesse bitten wir frühzeitig um Anfrage und Anmeldung.  

Adresse:
Frei-religiöse Gemeinde Offenbach, K.d.ö.R.
Schillerplatz 1, 63067 Offenbach am Main

Grundrecht auf  Freiheit des Glaubens, des Gewissens und Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses ist unteilbar
Die  Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz lehnt die religionsbezogenen  Forderungen der Alternative für Deutschland, wie auf ihrem Parteitag vom  30. April/1. Mai 2016 beschlossen, als grundgesetzwidrig ab.
Als nichtchristliche, auf humanistischer Basis beruhende Religions- und Weltanschauungsgemeinschaft betrachten wir die Forderung nach Einschränkung der Ausübung von Religionen, wenn diese dazu noch auf die Einschränkung einer bestimmten Religion bezogen wird, als Bedrohung für die Freiheit des Glaubens und des Gewissens überhaupt. Grundrechte können nicht geteilt werden. Was für die eine Religion und Weltanschauung gilt, das hat für jede Glaubensrichtung zu gelten. Denn die Freiheit des Einzelnen beruht auf der Freiheit aller anderen, wie schon Kant vor über 200 Jahren betonte. Dieses grundsätzliche Verhältnis ist die Voraussetzung für eine Demokratie.
Die Einteilung von Religionen und Weltanschauungen in "gute" und "böse", in "zu uns gehörende" und "fremde" ist moralisch unhaltbar. Die Freireligiösen und Freidenker haben in ihrer über hundertsiebzigjährigen Geschichte derartige Ausgrenzungen und ihre Auswirkungen zur Genüge erfahren und wehren sich daher auch dort, wo wir zunächst nicht direkt betroffen zu sein scheinen.
Unser Grundgesetz regelt die Möglichkeiten religiöser und weltanschaulicher Ausübungen für alle gleichermaßen und die sich daraus ableitende Gesetzgebung in Deutschland hat religiös und weltanschaulich neutral zu sein.
Unsere Kultur gerade in unserer Freien Religion und im Humanismus beruht auf dem Austausch und der Diskussion mit anderen, im Versuch des Verstehens und des Miteinanderlebens auf Basis  der Gültigkeit der Grundrechte, der Gleichberechtigung, dem Recht auf Selbstbestimmung und der Anerkennung der Würde des Menschen. In vielen Punkten, etwa in seinen Bestrebungen, das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung im Bereich des Schwangerschaftsabbruches auszuhebeln oder der angestrebten Verschärfung des Jugendstrafrechts, verstößt das vorgelegte Programm gegen alle diese Grundlagen eines friedlichen und freiheitlichen Zusammenlebens.
Das Programm trägt nicht im Geringsten dazu bei, mehr Frieden und soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu erreichen. Denn Freiheit ist unteilbar.
Siegward Dittmann   (Präsident)
Renate Bauer  (Landessprecherin)
**************************************************************
Mitgliederversammlung der Freien Akademie tagte und wählte das Präsidium neu
Auf der Mitgliederversammlung 2016 der Freien Akademie e.V.  wurden die bisherigen und künftigen Aufgaben der konfessionell unabhängigen Bildungsinstitution beraten. Die Freie Akademie wird ihre erfolgreiche wissenschaftliche und vor allem interdisziplinär angelegte Arbeit weiterführen und für alle Interessenten gute Angebote zu unterbreiten. Dabei stehen die wissenschaftlichen Tagungen, die Herausgabe der Schriftenreihe der Freien Akademie, eigene Arbeiten zur frühen Geschichte der Freien Akademie und eine gute Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund.
Wichtige Überlegungen zur weiteren Finanzierung der Arbeit der Freien Akademie wurden ebenfalls offen erörtert.
Präsidium (v.l.n.r.): Winfried Zöllner, Martin Scheele, Christian Michelsen, Tina Bär, Volker Mueller und Dieter Fauth
Dabei wurden Weichen für einen nachhaltigen Einsatz unserer vorhandenen Ressourcen gestellt.
Das Präsidium wurde planmäßig gewählt: Als Präsident der Freien Akademie wurde Dr. Volker Mueller (Falkensee) wiedergewählt. Weitere Präsidiumsmitglieder wurden als Vizepräsidenten Dr. Dieter Fauth (Würzburg) und Dr. Martin Scheele (Brieselang), als Schatzmeisterin Tina Bär (Berlin) und als weitere Präsidiumsmitglieder Winfried Zöllner (Berlin) und Christian Michelsen (Falkensee).
Volker Mueller
****************************************************************************
Die EME Regionalkonferenz (Europe and Middle East/Europa und Mittlerer Osten) der IARF (International Association of Religious Freedom) findet in diesem Jahr 2016 vom 22. bis 25. August in Tetovo, Republik Mazedonien, statt. Gastgeber sind der Bektashi-Orden in Zusammenarbeit mit dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR). Die Regionalkonferenz wird vier-jährlich abgehalten und beschäftigt sich diesmal mit dem Thema:
Religion und Konfliktprävention
Das Programm und die Anmeldemöglichkeit finden Sie hier:
Oder Sie senden das ausgefüllte Formular an luke@iarf.net.
Achtung: Teilnehmer aus Deutschland können sich um Kostenzuschüsse bewerben bei der DMi, der deutschen Regionalgruppe der IARF.
Kontakt: Pascal Schilling, p.schilling@freireligioese-offenbach.de
oder Wolfgang Jantz wolfgang.jantz@unitarier.de
Wytske Dijstra (links) folgte der Einladung der Bektashi in Mazedonien an den Tisch des Dedebaba (Abt)
Wolfgang Jantz, Unitarier, Annelies Trenning, IARF, Fatime Sulejmani, Bektashi, und Wytske Dijstra, IARF, auf dem Unitariertag 2015
Annelies Trenning und Wytske Dijstra stellen das Buch „A Light of Guidance“ von Arben Sulejmani vor
Neben Besuchern aus vielen Ländern Europas durfte der Unitariertag 2015 auch eine Vertreterin des Bektashi-Ordens, Fatime Sulejmani, begrüßen (ganz rechts)
Brücke der Religionen: Fatime Sulejmani macht aufmerksam auf die Bektashi und ihre Lebenssituation zwischen Islam und Christentum (Unitariertag 2015 in Worms). Kontakt: fatimesulejmani@hotmail.de, Kaiserwall 9, 45657 Recklinghausen
Der Bektashi-Orden in Mazedonien
An der Schnittstelle von Orient und Okzident, aus der Begegnung von Christentum und Islam, hat sich auf dem Balkan eine eigene Lebens-, Kultur- und Religionsvorstellung entwickelt: Der Bektashi-Orden. Die Bektashi verstehen sich eher als Glaubensrichtung und formieren sich erst nach und nach als feste Konfession, die von mönchsähnlich lebenden Derwischen geleitet wird. Sie lehren einen toleranten Islam und widersetzen sich der Vereinnahmung durch eine große Konfession.
Erst seit Kurzem sind die Bektashi Mitglied beim IARF. Wytske Dijstra, die Vorsitzende der IARF Regional Gruppe Europa und mittlerer Osten, und Annelies Trenning vom Niederländischen Chapter haben unsere neuen Freunde in Mazedonien besucht.

Das ECCHR
Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) ist eine gemeinnützige und unabhängige Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Berlin. Sie wurde 2007 von einer kleinen Gruppe renommierter Menschenrechtsanwälte gegründet, um die Menschenrechte, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowie anderen Menschenrechtsdeklarationen und nationalen Verfassungen garantiert werden, mit juristischen Mitteln zu schützen und durchzusetzen. Dabei fühlen wir uns dem kreativen und effektiven Gebrauch des Rechts als Motor für gesellschaftliche und soziale Veränderungen verpflichtet. Das ECCHR will Menschenrechtsanwälte und Menschenrechtsaktivisten weltweit besser vernetzen, um ihr Wissen und ihre Erfahrung im Kampf um Menschenrechte auszutauschen und gemeinsam Strategien über die Grenzen hinweg zu entwickeln.
*********************************************************************************************
Der neue § 217: Unverhältnismäßig – Schlecht begründet – Unnötig!
Die acht im „Bündnis für Selbstbestimmung bis zum Lebensende“ vertretenen humanistischen Organisationen Deutschlands sind besorgt über die Folgen des im Dezember 2015 in Kraft getretenen Strafgesetzes zur geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung. Sie lehnen dieses Gesetz[1] nach wie vor als schlecht begründet und unverhältnismäßig strikt ab.
 
Suizidbeihilfe nur noch in Einzelfällen erlaubt
Auch mit dem neuen Paragraphen 217 StGB bleibt die Selbsttötung an sich straffrei. Bislang galt im deutschen Recht der Grundsatz, wonach die Beihilfe zu einer straffreien Tat ebenfalls straffrei ist. 
Diesen sinnvollen Grundsatz hat der Gesetzgeber in rechtswidriger Weise missachtet: Die Straffreiheit der Beihilfe zum Freitod gilt nur noch für Einzelfälle. So darf nun bei einem selbstbestimmten Freitod nur noch straffrei helfen, wer mit dem Sterbewilligen verwandt oder eng befreundet ist, unabhängig von seinen Qualifikationen und Gründen für eine derartige Hilfe.
Angehörige und Freunde sind auch von Strafe ausgenommen, wenn sie den Schwerstkranken zum Freitod in die Schweiz begleiten. Der teure Weg in die Schweiz, der zudem beizeiten -„vor der Zeit“ - anzutreten ist, steht jedoch nur Wenigen offen.
Es ist davon auszugehen, dass diese Straffreiheit nicht gilt für Gesprächsangebote durch Organisationen oder Ärzte zu Suizidgedanken oder -vorhaben, wenn diese bestärkt bzw. der Wunsch nach Hilfe zur Selbsttötung dabei gefördert wird.
 
Erhebliche Verunsicherung durch das neue Gesetz
Unser „Bündnis für Selbstbestimmung bis zum Lebensende“ sieht seine Befürchtung bestätigt, dass die Aufnahme des Straftatbestandes „Geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“ in das Strafgesetzbuch bei Patienten und Ärzten zu erheblichen Verunsicherungen geführt hat. Denn „geschäftsmäßig“ handelt bereits, wer etwas wiederholt und organisiert tut, auch wenn kein finanzielles Interesse vorliegt.
Ein offenes Gespräch mit Suizidwilligen ist unter diesen Umständen kaum möglich. Dies gilt für Ärzte ebenso wie für Hilfskräfte, die z.B. auf Palliativ- oder Hospiz-Stationen mit Suizidwünschen konfrontiert werden. Und: Machen sich Kliniken, Hospize oder Heime strafbar, die Sterbefasten dulden oder ermöglichen?
Unklar ist ebenfalls, wie weit palliativ tätigen Ärzten eine Förderung der Selbsttötung unterstellt werden kann, wenn sie ihren Schmerzpatienten, z.B. über das Wochenende, ausreichende Mengen an Schmerzmitteln überlassen, mit denen bei entsprechender Dosierung auch eine Selbsttötung möglich wäre.
Vertreter von in der Schweiz auch für Ausländer tätigen Sterbehilfe-Organisationen haben jüngst öffentlich erklärt, dass sie „keinen Fuß auf deutsches Gebiet mehr setzen werden“. Sie fürchten, dass ihre in Deutschland gegebenen Informationen über ihre Hilfe in der Schweiz als Werbung gedeutet und als „geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“ strafrechtlich verfolgt werden könnten.
 
Der Gang zum Verfassungsgericht ist nötig 
Es ist nicht abzuschätzen, wie weit die Rechtsprechung im konkreten Fall dem Wortlaut des Gesetzes oder den in der Gesetzesbegründung dargelegten Zwecken folgen wird. Die dadurch für alle Beteiligten geschaffene Rechtsunsicherheit ist mit dem verfassungsmäßigen Bestimmtheitsgebot unvereinbar. Ein Urteil, das von der überwiegenden Mehrheit der deutschen Strafrechtswissenschaftler/-innen geteilt wird. Das hat auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages unterstrichen.
Inzwischen hat Sterbehilfe Deutschland Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Weitere Klagen durch renommierte Strafrechtsprofessoren und Ärzte sind angekündigt.
Das Bündnis unterstützt die von verschiedenen Organisationen und Einzelpersonen eingereichten oder vorgesehenen Verfassungsbeschwerden gegen den § 217 des StGB beim Bundesverfassungsgericht.
Die dem Bündnis angehörenden Organisationen werden sich in ihrer Tätigkeit vorerst an das Gesetz halten. Sie werden aber in ihrer Beratungstätigkeit nicht darauf verzichten, neben den in Deutschland legal verfügbaren Optionen für ein selbstbestimmtes Lebensende auch auf die im Ausland bestehenden Hilfsmöglichkeiten hinzuweisen.
 
Das Gesetz schützt nicht, sondern es knebelt
Die Sorge, Menschen könnten durch „Manipulation und Beeinflussung“ zu einem Suizid gedrängt werden, nehmen wir ernst. Die Antwort des Gesetzgebers, ein Verbot jeglicher geschäftsmäßiger, also wiederholt angebotener Hilfe für Sterbewillige, schützt jedoch nicht vor einer möglichen Bedrängung durch Nahestehende. Darüber hinaus beraubt es den ernsthaft zur Leidensverkürzung durch Freitod entschlossenen Menschen nahezu jeder professioneller Hilfe. Damit werden Ängste vor dem Sterbeprozess nicht abgebaut, sondern im Gegenteil werden unkontrollierbare, verzweifelte, Dritte gefährdende Freitodversuche noch zunehmen.
Dieses Gesetz basiert auf einer in der christlichen Tradition verankerten, längst überholten  Verurteilung der Selbsttötung und dient v. a. der Durchsetzung kirchlicher Sozialethik. Aber es trägt dem Bedürfnis und dem Recht der Bevölkerung unseres Landes auf ein selbstbestimmtes Sterben nicht Rechnung.
Das strafrechtliche Verbot organisierter Suizidbeihilfe ist daher aufzuheben!
Berlin, im April 2016

Das „Bündnis für Selbstbestimmung bis zum Lebensende“ wurde 2014 gegründet. Es besteht aus: Bund für Geistesfreiheit (bfg) Bayern, Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e. V. (DFW), Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e. V. (DGHS), Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), Humanistische Union (HU), Humanistischer Verband Deutschlands (HVD), Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten e. V. (IBKA), Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO). 


[1] Im Wortlaut des Suizidbeihilfegesetz § 217 StGB heißt es: „(1)Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Als Teilnehmer bleibt straffrei, wer selbst nicht geschäftsmäßig handelt und entweder Angehöriger des in Absatz 1 genannten anderen ist oder diesem nahesteht.“
*********************************************************************************************************************

"Wach auf Europa!"
Unterzeichne die Online-Petition der EHF, um die Demokratie in Ungarn zu schützen!
Übersetzung des Statements (siehe Video rechts) von Pierre-Arnaud Perrouty (Europäische Humanistische Föderation, EHF):
Wake up Europe!
Das Ziel dieser Petition ist es, europäische Werte zu schützen. Seit 2010 und der Machtübernahme hat die ungarische Regierung unter Victor Orban beständig die europäischen Werte verletzt, indem sie Gesetze veränderten, die Verfassung veränderten, eine Reihe von Entscheidungen im Gegensatz zu den Werten der Demokratie, der Menschenrechte trafen. 

Dadurch veränderte er die Gesellschaft in Ungarn umfassend und verschob die Macht und damit die Kontrolle in der Verwaltung und hat damit praktisch den Staat für seine Zwecke beschlagnahmt. So bitten wir darum, dass wir zur europäischen Kommission sagen: Nutzt die europäischen Verträge. In diesen Verträgen, die unterschrieben sind von allen Mitgliedsstaaten, werden Mechanismen zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit in Europa zur Verfügung gestellt. Bis jetzt wurden diese Möglichkeiten nie genutzt. Daher bitten wir darum, der Europäischen Kommission zu sagen: Macht grundsätzlich eure Arbeit, schützt die Demokratie in Europa, schützt die europäischen Werte, achtet auf das, was in Europa geschieht, stellt sicher, dass ihr eine Untersuchung durchführt über die Situation in Ungarn, genau wie ihr es in Polen gemacht habt. Die Kommission begann eine Überprüfung von Polen im Januar 2016 und wir wollen genau das Gleiche für Ungarn haben.
 
Zwischentext: Vielen Dank fürs Zuhören, bitte unterzeichnet unsere Petition!
 
P.-A.: Humanisten haben diese Petition ins Leben gerufen, weil sie, wir, denken, dass Europa mehr als nur ein Markt ist. Europa steht für Werte, und was zur Zeit in Ungarn geschieht, läuft genau diesen Werten zuwider. Diese Petition, von Humanisten begonnen, wird von einer viel breiteren Bewegung als den Humanisten getragen, von vielen Zivilorganisationen unterstützt und von vielen Menschen, die europäische Werte schützen wollen. 
 
Wir haben Unterstützung auch in Ungarn, viele Menschen senden uns E-Mails mit dem Inhalt: Danke, endlich kümmert sich jemand um die Situation in Ungarn! Aber es ist dort auch schwierig für manche traditionellere Zivilorganisationen. Sie sagen uns, dass sie mit uns übereinstimmen, aber uns nicht öffentlich unterstützen können, denn in Orbans Ungarn herrscht eine Atmosphäre der Angst. Seine Regierung brachte es fertig, Angst zu verbreiten. Auch das ist sehr gefährlich und schadet der Demokratie in Europa sehr. 
 
Zwischentext: Heute in Ungarn und morgen in ganz Europa? Teilt unsere Seite mit euren Freunden!
 
P.-A.: Wir erhalten Unterstützung für diese Petition von Mitgliedern des Europäischen Parlamentes aus unterschiedlichen Ländern, sehr viel Unterstützung, aber weniger von der Hauptgruppe, der EPP, der Europäischen Volkspartei, denn das ist Orbans Partei und auch der Grund, warum die Untersuchung, die gegen Polen eingeleitet wurde, nicht gegen Ungarn vorbereitet wird. Denn die EPP schützt Herrn Orban, und das ist wirklich eine Schande, dass so etwas passiert. Der Schutz der Grundrechte kann nicht allein vom politischen Willen weniger abhängen. Natürlich wollen wir nicht, dass Ungarn die Europäische Union verlässt. Wir wollen nicht Druck auf die Menschen dort machen, wir wollen Druck auf die ungarische Regierung von Herrn Orban machen, denn sie bricht die europäischen Werte. Ungarn soll bei uns bleiben, aber Europa muss erkennen, dass seine Werte in Ungarn wirklich, wirklich in Gefahr sind, so wie auch heute schon in Polen und morgen vielleicht in weiteren Ländern. Wenn Europa viel Kraft, Geld und Aufmerksamkeit auf die Krise in Griechenland richten kann, ebenso auf die Krise der geflüchteten Menschen, dann muss Europa sich auch um das kümmern, was in den eigenen Mitgliedsstaaten geschieht und sich mit lauter Stimme zum Schutz der Grundrechte einbringen.  
 
Zwischentext: Vielen Dank für eure Unterstützung. Unterzeichnet bitte unsere Petition!
 

Die Online-Plattform, auf der die 1.000.000 Unterzeichnungen, die nötig sind, um die Petition einzureichen, gesammelt werden, ist bis November 2016 zugänglich. 

******************************************************************************

Der neue § 217: Unverhältnismäßig – Schlecht begründet – Unnötig!
Die acht im „Bündnis für Selbstbestimmung bis zum Lebensende“ vertretenen humanistischen Organisationen Deutschlands sind besorgt über die Folgen des im Dezember 2015 in Kraft getretenen Strafgesetzes zur geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung. Sie lehnen dieses Gesetz[1] nach wie vor als schlecht begründet und unverhältnismäßig strikt ab.
 
Suizidbeihilfe nur noch in Einzelfällen erlaubt
Auch mit dem neuen Paragraphen 217 StGB bleibt die Selbsttötung an sich straffrei. Bislang galt im deutschen Recht der Grundsatz, wonach die Beihilfe zu einer straffreien Tat ebenfalls straffrei ist. 
Diesen sinnvollen Grundsatz hat der Gesetzgeber in rechtswidriger Weise missachtet: Die Straffreiheit der Beihilfe zum Freitod gilt nur noch für Einzelfälle. So darf nun bei einem selbstbestimmten Freitod nur noch straffrei helfen, wer mit dem Sterbewilligen verwandt oder eng befreundet ist, unabhängig von seinen Qualifikationen und Gründen für eine derartige Hilfe.
Angehörige und Freunde sind auch von Strafe ausgenommen, wenn sie den Schwerstkranken zum Freitod in die Schweiz begleiten. Der teure Weg in die Schweiz, der zudem beizeiten -„vor der Zeit“ - anzutreten ist, steht jedoch nur Wenigen offen.
Es ist davon auszugehen, dass diese Straffreiheit nicht gilt für Gesprächsangebote durch Organisationen oder Ärzte zu Suizidgedanken oder -vorhaben, wenn diese bestärkt bzw. der Wunsch nach Hilfe zur Selbsttötung dabei gefördert wird.
 
Erhebliche Verunsicherung durch das neue Gesetz
Unser „Bündnis für Selbstbestimmung bis zum Lebensende“ sieht seine Befürchtung bestätigt, dass die Aufnahme des Straftatbestandes „Geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“ in das Strafgesetzbuch bei Patienten und Ärzten zu erheblichen Verunsicherungen geführt hat. Denn „geschäftsmäßig“ handelt bereits, wer etwas wiederholt und organisiert tut, auch wenn kein finanzielles Interesse vorliegt.
Ein offenes Gespräch mit Suizidwilligen ist unter diesen Umständen kaum möglich. Dies gilt für Ärzte ebenso wie für Hilfskräfte, die z.B. auf Palliativ- oder Hospiz-Stationen mit Suizidwünschen konfrontiert werden. Und: Machen sich Kliniken, Hospize oder Heime strafbar, die Sterbefasten dulden oder ermöglichen?
Unklar ist ebenfalls, wie weit palliativ tätigen Ärzten eine Förderung der Selbsttötung unterstellt werden kann, wenn sie ihren Schmerzpatienten, z.B. über das Wochenende, ausreichende Mengen an Schmerzmitteln überlassen, mit denen bei entsprechender Dosierung auch eine Selbsttötung möglich wäre.
Vertreter von in der Schweiz auch für Ausländer tätigen Sterbehilfe-Organisationen haben jüngst öffentlich erklärt, dass sie „keinen Fuß auf deutsches Gebiet mehr setzen werden“. Sie fürchten, dass ihre in Deutschland gegebenen Informationen über ihre Hilfe in der Schweiz als Werbung gedeutet und als „geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“ strafrechtlich verfolgt werden könnten.
 
Der Gang zum Verfassungsgericht ist nötig 
Es ist nicht abzuschätzen, wie weit die Rechtsprechung im konkreten Fall dem Wortlaut des Gesetzes oder den in der Gesetzesbegründung dargelegten Zwecken folgen wird. Die dadurch für alle Beteiligten geschaffene Rechtsunsicherheit ist mit dem verfassungsmäßigen Bestimmtheitsgebot unvereinbar. Ein Urteil, das von der überwiegenden Mehrheit der deutschen Strafrechtswissenschaftler/-innen geteilt wird. Das hat auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages unterstrichen.
Inzwischen hat Sterbehilfe Deutschland Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Weitere Klagen durch renommierte Strafrechtsprofessoren und Ärzte sind angekündigt.
Das Bündnis unterstützt die von verschiedenen Organisationen und Einzelpersonen eingereichten oder vorgesehenen Verfassungsbeschwerden gegen den § 217 des StGB beim Bundesverfassungsgericht.
Die dem Bündnis angehörenden Organisationen werden sich in ihrer Tätigkeit vorerst an das Gesetz halten. Sie werden aber in ihrer Beratungstätigkeit nicht darauf verzichten, neben den in Deutschland legal verfügbaren Optionen für ein selbstbestimmtes Lebensende auch auf die im Ausland bestehenden Hilfsmöglichkeiten hinzuweisen.
 
Das Gesetz schützt nicht, sondern es knebelt
Die Sorge, Menschen könnten durch „Manipulation und Beeinflussung“ zu einem Suizid gedrängt werden, nehmen wir ernst. Die Antwort des Gesetzgebers, ein Verbot jeglicher geschäftsmäßiger, also wiederholt angebotener Hilfe für Sterbewillige, schützt jedoch nicht vor einer möglichen Bedrängung durch Nahestehende. Darüber hinaus beraubt es den ernsthaft zur Leidensverkürzung durch Freitod entschlossenen Menschen nahezu jeder professioneller Hilfe. Damit werden Ängste vor dem Sterbeprozess nicht abgebaut, sondern im Gegenteil werden unkontrollierbare, verzweifelte, Dritte gefährdende Freitodversuche noch zunehmen.
Dieses Gesetz basiert auf einer in der christlichen Tradition verankerten, längst überholten  Verurteilung der Selbsttötung und dient v. a. der Durchsetzung kirchlicher Sozialethik. Aber es trägt dem Bedürfnis und dem Recht der Bevölkerung unseres Landes auf ein selbstbestimmtes Sterben nicht Rechnung.
Das strafrechtliche Verbot organisierter Suizidbeihilfe ist daher aufzuheben!
Berlin, im April 2016

Das „Bündnis für Selbstbestimmung bis zum Lebensende“ wurde 2014 gegründet. Es besteht aus: Bund für Geistesfreiheit (bfg) Bayern, Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e. V. (DFW), Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e. V. (DGHS), Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), Humanistische Union (HU), Humanistischer Verband Deutschlands (HVD), Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten e. V. (IBKA), Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO). 


[1] Im Wortlaut des Suizidbeihilfegesetz § 217 StGB heißt es: „(1)Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Als Teilnehmer bleibt straffrei, wer selbst nicht geschäftsmäßig handelt und entweder Angehöriger des in Absatz 1 genannten anderen ist oder diesem nahesteht.“
*********************************************************************************************************************
Sorglos in den Sommer starten
Neueste Ausgabe: DGHS-Zeitschrift „Humanes Leben – Humanes Sterben“ (HLS 2016-3)
Berlin, 29. Juni 2016. Vor  dem Start in den Sommerurlaub sollte auch an eine sorgfältig  ausgefüllte Patientenverfügung gedacht werden. Für ihre Mitglieder  bietet die DGHS ergänzende Formulare in vier gängigen Fremdsprachen  (englisch, französisch. italienisch und spanisch) an.
Zwar sind Ärzte in  anderen Ländern nicht an das deutsche, sondern an das dort geltende  Recht gebunden, können aber mit einem mitgeführten Schriftstück einen  ersten Eindruck von den Wünschen des Patienten erhalten (S. 8).
Dass  unter Umständen auch die Patientenverfügung von Minderjährigen  Gültigkeit hat, ist das Thema, mit dem sich Jurist Dr. Oliver Kautz  beschäftigt (S. 14-15).
Das aktualisierte Grundsatzprogramm der  DGHS ist in der Sommerausgabe der HLS im vollen Wortlaut dokumentiert  (S. 7-8). Und ein Bericht vom Weltkongress der  Right-to-Die-Gesellschaften, der im Mai in Amsterdam stattgefunden  hatte, bietet aktuelle Informationen zu den Anstrengungen, die auf  internationaler Ebene für die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts bis  zum Lebensende unternommen werden (S. 10-11).
Im Service-Teil geht es um das Thema Senioren und Haustiere (S. 12-13).
Buchbesprechungen  und Veranstaltungstipps runden die Zeitschrift wie gewohnt ab. Eine  interessante und gewinnbringende Lektüre wünscht Ihnen Ihre  HLS-Redaktion!
Journalisten, Schulen und Bibliotheken können die  DGHS-Zeitschrift „Humanes Leben – Humanes Sterben“ kostenlos als  Print-Ausgabe per Postsendung oder digital als PDF-Datei per  E-Mail-Zusendung bestellen. Bitte schreiben Sie dazu an: info@dghs.de.
Die aktuelle Ausgabe ist unter www.dghs.de/service im Volltext als PDF-Datei herunterladbar.

Wega Wetzel M.A.
Pressesprecherin DGHS e.V. | stv. Chefredakteurin „Humanes Leben – Humanes Sterben“
Tel:  0 30/21 22 23 37-22 | Fax: 0 30/21 22 23 37-77
E-Mail: wega.wetzel@dghs.de und: presse@dghs.de | Internet: www.dghs.de
Facebook: www.facebook.de/DGHSde | twitter: www.twitter.com/DGHSPresse
--------------------------------------------------------------
Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) e.V.
Kronenstraße 4 | 10117 Berlin

************************************************************************
„Beste Gewähr für selbstbestimmtes Sterben“
Seit sieben Jahren ist die Verbindlichkeit der Patientenverfügung im Gesetz verankert
dgpd. Anlässlich des 7. Jahrestages des Inkrafttretens des sog. Patientenverfügungs-Gesetzes (§ 1901a Bürgerliches Gesetzbuch BGB vom 1. September 2009) betont DGHS-Präsidentin Elke Baezner die Bedeutung dieser Gesetzesänderung für das Selbstbestimmungsrecht des Menschen bis zum Lebensende.
Absatz 1 formuliert unmissverständlich: „Hat ein einwilligungsfähiger Volljähriger für den Fall seiner Einwilligungs-Unfähigkeit schriftlich festgelegt, ob er in bestimmte, zum Zeitpunkt der Festlegung noch nicht unmittelbar bevorstehende Untersuchungen seines Gesundheitszustandes, Heilbehandlung oder ärztliche Eingriffe einwilligt oder sie untersagt (Patientenverfügung), prüft der Betreuer, ob diese Festlegungen auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituationen zutreffen. Ist dies der Fall, hat der Betreuer dem Willen des Betreuten Ausdruck und Geltung zu verschaffen.“ Die DGHS hatte seit Jahren gegen heftigsten Widerstand konservativer Kreise auf eine solche gesetzlich garantierte Bindungswirkung von schriftlichen Willensbekundungen hingearbeitet. Inzwischen hat allein bei den über 60-Jährigen bereits jeder Zweite eine Patientenverfügung verfasst.
In jüngster Zeit sorgte eine aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 6. Juli 2016, dass Patientenverfügungen „konkret genug“ sein müssten, um beachtet zu werden, für Verunsicherung. Baezner: „Nach wie vor ist eine gut und präzise formulierte Patientenverfügung die beste Gewähr für ein selbstbestimmtes Sterben. Die von der DGHS Ende 2011 überarbeiteten Formulare unserer Patientenschutz- und Vorsorgemappe erfüllen die Vorgaben des Gerichts. Aber: Ältere Verfügungen sollten unbedingt geprüft und aktualisiert, ggf. neu geschrieben werden. Mehr als 60 regionale DGHS-Ansprechpartner/-innen helfen unseren Mitgliedern kostenlos dabei.“
Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) e. V. empfiehlt dringend, zusätzlich zur  Patientenverfügung rechtzeitig einer Vertrauensperson, z. B. einem nahen Angehörigen, zugleich eine Vorsorge-Vollmacht auszustellen. Wer keine Vertrauensperson weiß, kann eine neue Mitglieder-Leistung der DGHS nutzen. In einer Bevollmächtigten-Börse werden gut geschulte Freiwillige in Wohnortnähe mit Suchenden zusammengebracht.
Mittlerweile haben einige BGH-Urteile die Bindungswirkung von Patientenverfügungen präzisiert. So ist z. B. ein Behandlungsabbruch für den Arzt straffrei, sofern das Vorgehen dem verfügten oder dem mutmaßlichen Willen des Patienten entspricht (BGH-Urteil 2 StR 454/09 vom 25.6.2010). „Zu berücksichtigen sind insbesondere frühere mündliche oder schriftliche Äußerungen, ethische oder religiöse Überzeugungen und sonstige persönliche Wertvorstellungen des Betreuten“, stellt schon das Gesetz vom 1.September 2009, § 1901a, Abs.2 fest. Eine Neu-Interpretation, die zum Ziel hat, die Willensäußerungen eines Sterbewilligen wieder einzuschränken, so Baezner, ist nicht hinzunehmen.

Wega Wetzel M.A. – Pressesprecherin DGHS e.V.
Tel:  0 30/21 22 23 37-22 | Fax: 0 30/21 22 23 37-77
E-Mail: wega.wetzel@dghs.de | presse@dghs.de
Internet: www.dghs.de | Facebook: www.facebook.de/DGHSde | twitter: www.twitter.com/DGHS
************************************************************************************
Die Debatte um Sterbehilfe geht weiter
DGHS fordert anlässlich des Deutschen Ärztetages die Streichung des Verbotsgesetzes § 217 StGB
dgpd. Anlässlich des zurzeit in Hamburg stattfindenden  Deutschen Ärztetages appelliert DGHS-Präsidentin Elke Baezner an die  Ärzte, gerade vor dem Hintergrund des seit kurzem geltenden Verbots der  organisierten Sterbehilfe ergebnisoffen und angstfrei ihren Patienten im  Sterbeprozess zur Seite zu stehen.
„Wir haben Sorge, dass sich Ärzte von der Gesetzeslage verunsichern lassen und Patienten, die ein aussichtsloses Leiden durch einen selbstbestimmten Tod abkürzen wollen, sich keinen Rat wissen. Entsprechende Nachfragen von Ratsuchenden bei uns zeigen, dass die Menschen in Deutschland den Eindruck haben, in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt zu sein und oft niemanden haben, an den sie sich vertrauensvoll wenden können.“ Nach dem Verbot der organisierten Suizidhilfe in Deutschland durch die Politik zögen die Menschen daraus die Konsequenz, dass sie sich weiterhin allenfalls nur an eine Schweizer Sterbehilfeorganisation wenden können. Baezner: „Der Wunsch der Menschen, auf einen Notausgang zurückgreifen zu können, ist ungebrochen.“
Jedoch: „Wir hören von den Sterbehilfeorganisationen in der Schweiz, dass sie immer mehr Anfragen aus Deutschland erhalten, welche sie vollumfänglich gar nicht bewältigen können.“ Daraus folgert Baezner: „Das als § 217 gültige Strafgesetz muss umgehend wieder gestrichen werden. Wir sind deshalb sehr froh, dass bereits eine erste Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe anhängig ist und dass weitere folgen werden.“
Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery hatte in seiner Eröffnungsrede beim 119. Deutschen Ärztetag am Dienstag die Schaffung eines neuen Strafrechtsbestandes als „richtungsweisenden Beschluss“ bezeichnet. Das Gesetz sei eine „klare Absage an organisierte Sterbehilfe ohne strafrechtlichen Eingriff in das Patient-Arzt-Verhältnis.“ Zudem hatte Montgomery die „Überzeugungskraft unserer Argumente“ betont, welche „sich auch in der überraschend hohen Zustimmung zu dem von uns unterstützten Antrag“ niedergeschlagen habe. Die DGHS hatte in den vergangenen Monaten gemeinsam mit anderen humanistischen Organisationen und unterstützt von zahlreichen Prominenten und einer großen Zahl von Strafrechtsprofessoren vehement gegen eine Verschärfung des geltenden Strafrechts protestiert.
Elke Baezner: „Es ist offensichtlich, dass der Deutsche Bundestag im vorigen Herbst vielleicht im Sinne der Ärzte und der Kirchen entscheiden hat, aber sicherlich nicht im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung. Deshalb muss das Gesetz wieder weg! Die Debatte um Sterbehilfe geht weiter.“

Wega Wetzel M.A.
Pressesprecherin DGHS e.V.
                                                                                  
Tel: 0 30/21 22 23 37-22/-15
Fax: 0 30/21 22 23 37-77
********************************************************************
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü