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Neu!
Erol Ünal: Der Abtrünnige
15 Jahre in Moscheegemeinden – Meine Einblicke in eine Welt von Fundamentalisten und Rechtsextremen über Radikale bis zu Sufis
Was wird in Moscheegemeinden hinter verschlossenen Türen gepredigt? Zum ersten Mal packt ein Insider das Innenleben diverser muslimischer Gemeinden mit Klarnamen und Fotos aus. Er zeigt, wie diese Erlebnisse ihn, seinen Bruder Ömer Ünal und andere Gemeindemitglieder geprägt haben. Rund 15 Jahre war Erol Ünal Teil diverser türkisch-muslimischer Moscheegemeinden. Er wird Zeuge dessen, welche Geheimrituale in Moscheen stattfinden, welche Ziele verfolgt werden und inwieweit Verflechtungen mit dem türkischen und dem deutschen Staat bestehen.
Aus autobiografischer Sicht enthüllt der Autor als Insider sowohl sein eigenes als auch das Innenleben der Moscheegemeinden in Deutschland, die europaweit stark vernetzt sind. Darüber hinaus zeigt er durch sachliche Erarbeitung die Ideologien der jeweiligen Gemeinden auf. Diese haben unweigerlich einen großen Einfluss auf die Identitätsbildung der türkeistämmigen Muslime und bilden mögliche Hindernisse auf dem Weg zur Integration in eine pluralistische Gesellschaft. Durch seine langjährigen Erfahrungen und Recherchen zeigt Erol Ünal in diesem Buch die Missstände auf und sucht den konstruktiven Dialog für ein harmonisches Zusammenleben in Deutschland.
Erscheint am 1. Mai 2021 – Angelika Lenz Verlag | 258 Seiten | ISBN 978-3-943624-59-5 | € 19,90
Erhältlich überall online und offline im Buchhandel oder direkt und portofrei im ALV-Shop:
Neuerscheinung:
Philosophie der Weltkulturen V –
Weisheit aus Indien
Indien bildet zusammen mit Pakistan eine der großen Weltkulturen mit fast 1,4 Milliarden Einwohnern. Wir haben es mit einer alten Schriftkultur (Sanskrit) zu tun, die bis 1500 v. Chr. zurückreicht. Wir erkennen die Vermischung einer vorarischen Ackerbaukultur mit der Kultur der Arier (Aryas), die von Persien herkommend in Indien einwanderten. Ihre mythische Weltdeutung ist uns in den Schriften der „Veden“ weitgehend erhalten geblieben.
Verehrt wurden Schutzgötter der Ackerbauern, der Viehzüchter, der Krieger und der Priester, denn früh bildeten sich die sozialen Schichten: Brahmanen, Kschatryas, Vaisyas, Sudras und Dasas.
Die Kunst des Schreibens und die verschiedenen Schriften wurden an den Tempeln und Kultorten entwickelt, später auch an den Höfen der Krieger und Fürsten. So entstanden die Schriften der Veden, der Brahmanas, der Aranyakas, der Sutren, später die Upanishaden, die großen Kriegerepen (Mahabbharata, Ramayana), die Schriften der Mystiker und der Weisheitslehrer, der Philosophen im engeren Sinn.
Der Autor Anton Grabner-Haider wählte für dieses Buch Schlüsseltexte der indischen Kultur aller Zeitepochen bis zur Gegenwart aus, die uns etwas über die Formen der Weltdeutung, über die Regeln des Zusammenlebens und über die praktische Lebensgestaltung sagen. Es weiß sich dem „Dialog der Kulturen“ verpflichtet und möchte indische Denkformen mit der Weltdeutung der westlichen Kulturen verbinden. Deswegen finden sich nach jedem Text kurze Denkimpulse, die zum Übersetzen dieser Texte und zum kritischen Weiterdenken anregen sollen.
179 S. | ISBN: 978-3-943624-58-8 | Angelika Lenz Verlag | 16,90 €
Erhältlich offline im Buchhandel und online über www.lenz-verlag.de oder bei Amazon u.a.
Eine Geschichte von Misslingen und Gelingen
Die Freie Akademie (FA) wurde als Vereinigung 1956 gegründet und möchte einen intellektuell-geistigen Beitrag zum Verstehen des menschlichen Daseins in der Welt leisten. Ihre Mitglieder waren und sind eine heterogene Gruppe unter anderem von atheistisch, säkular-humanistisch, freireligiös oder freikirchlich eingestellten Personen, die alle das Postulat der weltanschaulich-religiösen Toleranz eint. Besonders in der Gruppe ihrer Gründungsmitglieder und weiteren frühen Funktionsträger finden sich im Nationalsozialismus schwer belastete sowie schwer geschädigte Persönlichkeiten. Beide Erfahrungen haben das Vereinsgeschehen über Jahrzehnte eindrücklich geprägt.
Um die FA in ihrer Beziehung zum Nationalsozialismus und dessen Nachwirkung gründlich zu verstehen, war die Betrachtung von exakt einhundert Jahren (1920–2020) nötig.
Die Vorgänge haben nahegelegt, dies zunächst für die Vorgeschichte der Freien Akademie zu tun. Hier waren zunächst Weimarer Republik und Nationalsozialismus (1920–1945) zu betrachten, wo die FA teils in der deutschen Jugendbewegung und in nebenkirchlichen Bewegungen ihre Wurzeln hat. Weiterhin war der Umgang mit dem Nationalsozialismus in verschiedenen religiös freien Vereinigungen der frühen Nachkriegszeit (1945–1956/57) als direktem Vorläufergeschehen für die FA zu analysieren. In der Zeit der Freien Akademie werden die Frühphase der FA (1957–1963), die von der 1968er-Bewegung geprägte Zeit des Umbruchs (1964–1978), die Neuordnung der FA (1979/80), die lange Periode eines Zweitakts von Erneuerung und Tradition in der FA (1980–2008) und schließlich die Zeit der expliziten Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (seit 2010) betrachtet.
Die Studie zeigt, wie der Umgang der Freien Akademie mit ihrer Beziehung zum Nationalsozialismus und seiner Nachwirkung eine Geschichte von Misslingen und Gelingen ist. Die FA steht darin pars pro toto für die Bewältigung des Nationalsozialismus in Deutschland überhaupt. Die Vereinigung zeigt sich wie ein Brennglas, durch das die allgemeine Geschichte der NS-Bewältigung in Deutschland gebündelt betrachtet werden kann. Daher ist die Studie nicht nur für Interessierte an der FA lesenswert, sondern für alle, denen an der Aufarbeitung des Nationalsozialismus gelegen ist. In beeindruckender, ja fast verblüffender Weise zeigt die Studie am Beispiel der FA, wie intensiv der Nationalsozialismus durch die Jahrzehnte im Nachkriegsdeutschland hindurch Belastung und Aufgabe für einzelne Personen, für Einrichtungen und die Gesellschaft als Ganzem blieb und bleibt.
Dieter Fauth wurde 1956 geboren. Er studierte evangelische Theologie / Religionspädagogik, Mathematik und Pädagogik in Reutlingen, Tübingen sowie Heidelberg und wurde Lehrer mit Befähigung für Realschulen und Hochschulen (venia legendi). Er legte einige Monographien zum Nationalsozialismus und seiner Aufarbeitung vor, zuletzt 2019 ein Buch über Anna Seghers – eine jüdische Kommunistin gegen das NS-Regime – im Licht ihrer Freundinnen.

Frieden für Europa im Frühjahr 1940?
Zum Jahrestag einer beinahe geglückten Mission
Am 16. Februar 1940 trat Sumner Welles, der enge Freund Franklin Delano Roosevelts, im Auftrage des Präsidenten mit dem italienischen Passagierschiff Rex, dem Flaggschiff der italienischen Passagierschifffahrt, die Reise nach Europa an. Er traf zunächst den Duce, Benito Mussolini, sowie dessen Außenminister, Graf Ciano, danach in Paris den französischen Präsidenten, den Ministerpräsidenten Daladier und die Granden der französischen Politik.
In London traf er das britische Königspaar, den britischen Premier Neville Chamberlain und Außenminister Lord Halifax, sowie die wichtigsten Vertreter des National Government und der Opposition, u. a. Lloyd George, dem Sieger im Great War. In Berlin schließlich konnte er mit dem Reichskanzler und Führer der Deutschen, Adolf Hitler, Außenminister Ribbentrop, dem preußischen Ministerpräsidenten und Beauftragten für den Vierjahresplan, Hermann Göring, Staatssekretär von Weizsäcker und dem zu der Zeit bereits aller Ämter enthobenen Hjalmar Schacht sprechen.
Die Rundreise durch die wichtigsten europäischen Hauptstädte beendete er in Rom. Die letzten Gespräche führte Sumner Welles mit dem Duce, dem Grafen Ciano, Papst Pius XII und Kardinal Maglione, dem Kardinalstaatssekretär. Insgesamt ein Unternehmen, das demjenigen, der gelernt hat, dass der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 begann, rückblickend völlig unverständlich erscheinen muss, denn der Auftrag war zu erkunden, ob mit Hilfe eines amerikanischen Moderators, ein dauerhafter Frieden in und für Europa herstellbar sei.
Ernst Mohnike nimmt sich nach der Veröffentlichung zu Joseph Kennedys Botschaftertätigkeit in London (Joseph P. Kennedy’s Weg nach Trafalgar) nur scheinbar einer völlig anderen Thematik an. Tatsächlich lagen die Aktivitäten Kennedys und Sumner Welles auf einer ähnlichen Linie und führen damit folgerichtig zu der Frage, welche außenpolitischen Ziele Franklin D. Roosevelt im Frühjahr 1940 verfolgte. Ohne Zweifel hätte der amerikanische Präsident niemals tatenlos einer Niederlage des Vereinigten Königreichs zugesehen. Amerikanische Soldaten 1940 aber in einen Krieg zu schicken, dessen Sinn und Zweck, wie Joseph Kennedy sagte, sowieso kein Amerikaner verstehen würde, wäre nicht vermittelbar gewesen. Unvorstellbar war für Roosevelt aber auch ein Krieg gegen die Sowjetunion. So zuwider Roosevelt die brutale Vorgehensweise Stalins gegen Finnland im Winter War war, so wenig konnte er sich mit der antisowjetischen Kriegsrhetorik der britischen Regierung, speziell des First Lord of the Admiralty, Winston Spencer Churchill, anfreunden. Ein Eingreifen der beiden Alliierten, England und Frankreich, in Finnland galt es deshalb zu verhindern.
Roosevelt, so erläuterte der zeitgleich mit Sumner Welles in Europa tourende Auslandschef der General Motors Company und Roosevelt Förderer, James D. Mooney, in Berlin, sei ein Freund der Deutschen. Dem wird so gewesen sein, denn Ähnliches äußerte Joseph Kennedy gegenüber dem deutschen Botschafter in London, Herbert von Dirksen. Dieses beinhielt allerdings keineswegs, dass Roosevelt den Führer der Deutschen als wenig mehr achtete als den Mächtigen einer Wirtschaftsnation, deren Stärke wesentlich von amerikanischem Kapital und amerikanischem good will abhing.
Ortrun Lenz

Einfach genial: „Idole“ – das neue Buch von Eckhart Pilick
Idole sind nach Bacon „falsche Begriffe, welche vom menschlichen Verstand schon Besitz ergriffen haben und tief in ihm wurzeln.“ Sie halten „den Geist des Menschen“ in Beschlag. Unter dieser Definition von Idol lässt sich ein Großteil der 13 Texte von Pilick einordnen. Es handelt sich um Reden, die zwischen 1995 und 2017 aus verschiedenen Anlässen gehalten und zum Teil publiziert wurden.
Der erste Text „Fraugott oder Herrgott“, schon im Titel ein echter Pilick, verführt zur Lektüre. Und von wegen „eine Plauderei“, wie im Untertitel bescheiden angemerkt! Es ist ein atemberaubender Ritt – besser Flug – durch die Deutungsmöglichkeiten von Gott und Welt, von Mann und Frau, von Macht und Ohnmacht, von Fakten, die hinter der Sprache im Verborgenen liegen, ein Flug durch die Kulturgeschichte, durch die Inhalte „des kollektiven Unbewussten“ (C. G. Jung).
In „Gott = das Wesen der Welt und des Menschen“ werden Grundsätze Freier Religion auf der Basis von Arthur Drews' Ausführungen dargestellt. „Mensch und Welt sind Erscheinungsweisen Gottes“ und nicht seine Geschöpfe. Das Absolute nicht Gott, sondern das Unbewusste zu nennen, war der letzte Versuch zur Rettung des Gottesglaubens, darüber war sich E. von Hartmann im Klaren, und in dessen Ideenwelt findet sich auch Arthur Drews wieder. Das Unbewusste ist der Urgrund des Seins, tätiges Weltprinzip, das All-Eine, so Pilick in dem Aufsatz „Die Philosophie des Unbewussten“.
In „Der Gott in den Bäumen“ zeigt Pilick die Bedeutung der Bäume in verschiedenen Zeiten und Kulturen auf und interpretiert sie u.a. als „die Sehnsucht nach der Versöhnung von Kultur und Natur“, wobei er ausdrücklich davor warnt, dass dies nicht durch ein Zurück zur alten Naturfrömmigkeit befohlen werden kann, sondern diese Frömmigkeit von Innen wirken muss.
Die Reden über Friedrich Hecker, 150 Jahre Freireligiöse Gemeinden, Religiöse Opposition im Vormärz würdigen die Verdienste der Freireligiösen in ihrem Kampf für Freiheit und Bürgerrechte, aber gleichzeitig wird „die enge Abgrenzung in unseren Reihen (als) ein Zeichen der Angst und der eigenen Schwäche" gedeutet und darauf verwiesen, dass die heutigen Probleme gewaltiger als 1845 sind und nur durch die Fähigkeit, sich mit größeren Einheiten zu identifizieren, gelöst werden können. Die Verdienste des hochgelobten Friedrich Hecker werden von Pilick gebührend gewürdigt, so seine Rolle beim Zustandekommen der Offenburger Versammlung, aber auch seine Sturheit und Selbstüberschätzung werden in das Gesamtbild miteinbezogen.
„Die Freie Religion muss sich selbst relativieren, d.h. sich in Beziehung setzen zu anderen“, das ist eine Forderung in dem Text „Islam aus freireligiöser Sicht“. Er zeigt die positiven Seiten und liberalen Positionen im Islam auf und empfiehlt, mit solchen Strömungen, die nicht fundamentalistisch sind, den Kontakt zu suchen und sich zu vernetzen. „Ich kenne keine Alternative.“
Dieses Buch ist jedem zu empfehlen, der mehr über die Inhalte Freier Religion und über die Geschichte der Freireligiösen wissen möchte. Es ist aber auch für jeden deshalb lesenswert, weil die Deutungsgabe Pilicks dem Leser völlig neue Sichtweisen auf Mensch und Welt eröffnet, die einem im eigenen Leben sehr hilfreich sein können; so z.B. in dem Beitrag „Nyctophobie“:
„Licht blendet ... Es werde Nacht! ... Die Einheit alles Getrennten erscheint uns nur im Dunkeln, erhellt vom Schein einer Kerze.“
Einfach genial.
Harald Bender

Rezension:
Kant wirkt bis heute mit Realitätssinn
Kohnen/Michelsen/Mueller (Hg.):   Kant und Konsorten
336 S. | ISBN: 978-3-943624-26-7 | 19,90 €
Ein lesenswertes Buch aus dem Angelika Lenz Verlag, mit einem reißerischen Titel. Insbesondere die Beiträge von Volker Mueller beziehen sich auf Originalzitate von Kant, die seine Kosmologie und die daraus folgende Ethik beschreiben. „Der Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet ... meine Wichtigkeit ...“
Die Menschenrechte formulierte zwar Paine zur selben Zeit, aber sie scheinen auf bei Kant als Morgenröte am Horizont, wie Volker Mueller schreibt. Wertvoll sind die vielen Originalzitate, wenn er beispielsweise den Satz zitiert, „daß die ursprüngliche Gangart des Menschen die vierfüßige gewesen ist, daß die zweifüßige sich erst entwickelt und daß der Mensch erst allmählich sein Haupt über seine Kameraden, die Tiere, so stolz erhoben hat“ und damit Darwin vorwegnimmt.
Oder seine Schrift von 1795 „Zum ewigen Frieden“, in der sich Kant Gedanken macht, wie die begrenzte Oberfläche der Erde friedlich aufgeteilt werden kann.
Seine Verbote lesen sich wie die Statuten des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) in Den Haag, der 2002 seine Arbeit aufnahm.
Verboten sind:
1.der nur bedingte Friedensschluss;
2.die Zerstörung der Souveränität eines Staates;
3.die konkurrierende militärische Hochrüstung;
4.die Verschuldung von Staaten zugunsten des Überreichwerdens anderer Staaten;
5.die gewaltsame Intervention;
6.die Kriegsführung, die einen Frieden im Vorhinein ausschließt.
Er fordert für eine weltbürgerliche Gesinnung die Einschränkung des Hospitalitätsrechtes auf ein bloßes Besuchsrecht und das strikte Verbot des Kolonialismus: „Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinenHospitalität eingeschränkt werden.“ Notwendige staatsrechtliche Voraussetzung für den Frieden ist die republikanische Verfassung mit der Gewaltenteilung. Mit diesen Ausführungen weist Kant vorausschauend der heutigen UNO und den Einzelstaaten realistische Aufgaben zu. Um allerdings funktionsfähig zu bleiben, ist der heutige Zustand unhaltbar, der die Anerkennung des Rome-Statute of the International Criminal Court (ICC) auf die EU-Mitgliedsstaaten Frankreich und Great Britain beschränkt.
Kant wirkt bis heute mit Realitätssinn. Es gilt aber, unerledigte und in der Aufklärung bereits formulierte Aufgaben heute einer Lösung näherzubringen. Um an dieser Stelle weiterzukommen, bedarf es nicht der Erfindung neuer Institutionen, sondern der Fähigkeit zum Kompromiss, wie Stephan Konen im Abschnitt „Aufklärung und der Zirkel des Lichts“ ausführt.
Solange wir aber in unserer Kulturpolitik das Fähnchen der nicht kompromissbereiten abrahamitischen Religionen aufrechterhalten, wird es keinen Frieden in der Welt im Sinne Kants geben.
Die Autoren wollen sicherlich darauf verweisen, diese existierenden geistigen Hürden in unserer Politik zu überspringen, denn sie hindern uns auch daran, neue, politische Integrationsziele innerhalb der EU zu setzen. Genau da setzt der Beitrag von Christian Michelsen ein, der Schopenhauers pessimistischen Ansatz „Geschichte als Wiederkehr des Immergleichen“ dem Optimismus mit „Kants Theorie der Vernunftoptimierung in der Weltgeschichte“ gegenüberstellt. Vielleicht zwingt uns der Klimaschutz, auch die Schopenhauer-Pessimisten von Kants Fortschrittsdenken zu überzeugen.
Ein sehr lesenswertes Buch mit Realismus in der Aussage für Weltbürgerlichkeit, ohne die souveränen Staatenzu vergessen.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt im Shop bei www.lenz-verlag.de
Horst Prem

Zum 100. Todestag des berühmten Naturforschers und Darwinisten:
Ernst Haeckel und der Monismus – Ausgewählte Texte
Die hier ausgewählten kleineren Haeckel-Texte aus den Jahren 1892, 1904, 1913 und 1914 beziehen sich auf seine Bemühungen um die monistische Weltanschauung und um die programmatische Grundlegung des Deutschen Monistenbundes. Anlässlich des 100. Todestages von Ernst Haeckel, dem großen Darwinisten, Naturforscher und Philosophen aus Jena, werden diese freigeistigen Texte dem Vergessen entrissen und dem interessierten Leser bzw. der interessierten Leserin empfohlen.
Ernst Haeckel bestätigte den durch Darwin vollzogenen weltanschaulichen Gesamtzusammenhang der Natur auf naturwissenschaftlicher Grundlage in seinem Text „Der Monistenbund. Thesen zur Organisation des Monismus“: „Die naturgemäße einheitliche Weltanschauung hat ihren festen Grund allein in den wissenschaftlichen Erkenntnissen, welche die menschliche Vernunft durch kritische Erfahrung gewonnen hat. … Die ganze Welt ist durch die moderne Wissenschaft als ein einheitliches Ganzes erkannt worden ...
Die Fortschritte der Entwicklungslehre haben uns überzeugt, daß die ganze Natur in kausalem Zusammenhang einem großen einheitlichen Prozesse der Entwicklung unterliegt und dass diese Kosmogenesis aus einer ununterbrochenen Kette von Umbildungen besteht. Das gilt ebenso für die Entwicklung der anorganischen Natur (Kant, Laplace), wie für die Entwicklung der organischen Wesen (Lamarck, Darwin). Ein Teil dieses universalen Entwicklungsprozesses ist unmittelbar unserer Erkenntnis zugänglich; Anfang und Ziel desselben sind uns unbekannt. ... Dagegen muß die moderne Wissenschaft vollständig jede sogenannte ‚Schöpfung’ der Welt ablehnen.“
Besonders Ernst Haeckel hat den modernen Monismus als eine naturphilosophische Welterklärung und freigeistige Weltanschauung begründet. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hatte er viele Anhänger gefunden und um sich gesammelt. Auf seine Initiative wurde 1906 in Jena der Deutsche Monistenbund gegründet, es erschien die Zeitschrift Das Monistische Jahrhundert. Wilhelm Ostwald (1853–1932), der 1911 den Vorsitz im Deutschen Monistenbund übernahm, rief am 12.9.1911, in Hamburg aus: „Hiermit schließe ich den ersten Internationalen Monistenkongreß und eröffne das Monistische Jahrhundert.“
Erhältlich im Buchhandel oder versandkostenfrei direkt beim Verlag: www.lenz-verlag.de
65 Seiten, geheftet, ISBN 978-3-943624-52-6, € 7,90

Zeitalter der Vernunft – was können wir von Thomas Paine lernen?
Lapidar stellte Olaf Christensen* schon zu Beginn klar, dass Paine mit seinem Beitrag „Age of Reason“ der Welt um 200 Jahre voraus war. Paine kämpfte für die Rechte des Einzelnen, für Gewissensfreiheit. Über alle Religionen setzte er die Vernunft, über alle Könige die Menschen und über alle Menschen das Gesetz.
Im Gefängnis, in das er wieder einmal wegen des Pochens auf Rechten des einzelnen Menschen eingeliefert wurde, widerlegte er aus seinem Gedächtnis heraus ohne zusätzliche Unterlagen die märchenhaften Erzählungen der Bibel. Freiheit und Gleichheit aller Bürger war der Grundtenor seiner Menschenrechte.
Mit der Schrift „The American Crisis“ versuchte er die demoralisierten Truppen George Washingtons zu motivieren und Paine war davon überzeugt, die Menschenrechte in die zu formulierende Verfassung der 13 nach Unabhängigkeit von England strebenden Staaten bringen zu können. Er wurde enttäuscht, da er auch als erster Außenminister der USA nicht durchsetzen konnte, die Sklaverei in USA abzuschaffen.
Dies wäre Voraussetzung gewesen, Menschenrechte in der neuen Verfassung zu verankern. Er kehrte nach Europa zurück. Im August 1789 gelang es ihm, seine 17 Punkte in die Französische Verfassung zu bringen. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurde zum Schlagwort der Französischen Revolution.
In der Klingberger Reihe Nr. 8 „Menschenrechte statt Extremismus“ haben wir diese Geschichte nachgezeichnet.
Erst Lincoln „issued on 1st January 1863 the Emancipation Proclamation that declared forever free those slaves within the Confederacy“. In der Diskussion zu Olafs Vortrag wurde noch herausgearbeitet, dass die 17 Punkte Paines durch 30 Punkte der universellen Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen (VN) von 1948 nur abgeschwächt wurden, um in einem politischen Kompromiss die Sowjetunion und China zur Zustimmung der Menschenrechtserklärung der VN zu bewegen. Paines Punkt 2 wurde nämlich weggelassen, der da heißt: „Der Zweck jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unantastbaren Menschenrechte. Diese sind das Recht auf Freiheit, das Recht auf Eigentum, das Recht auf Sicherheit und das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung.“
Es entstand das Problem, an dem der Sicherheitsrat der VN bis heute scheitert, denn seine Handlungsrichtlinie wurde durch diesen politischen Kompromiss eliminiert. Artikel 2 der Universellen Menschenrechtserklärung von 1948 wurde zu einem allgemeinen Statement hinsichtlich ...“Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer und sonstiger Anschauung, nationaler und sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand“ degradiert. Dieses Problem setzt sich fort mit der Nichtanerkennung des 2002 gegründeten Internationalen Strafgerichtshofes von Den Haag durch die ständigen Sicherheitsratsmitglieder USA, Russland und China.
Politische Kompromisse lösen keine Grundsatzprobleme, sie verschieben sie nur!
Horst Prem

*) aus einem Vortrag von Olaf Christensen vom 24.6.2018 in München

Individualistische Wirtschaftsethik (IWE)
Von  Wolfgang Deppert ist im Verlag Springer-Gabler das Lehrbuch  „Individualistische Wirtschaft­sethik“ erschienen. Es ist durchaus  ungewöhnlich für einen Philosophen, sich mit aktuellen Themen zu  befassen. Es ist aber dringend notwendig.
Der Bogen ist weit gespannt  und reicht von der Kritik an den Grundlagen der  Wirtschaftswissen­schaften bis hin zur Kritik an der Verschulung der  Universitäten (Bologna Prozess) aber auch bis zum Artikel 146 GG, der 25 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht erfüllt ist. Er lautet: „Dieses  Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands  für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem  Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die vom deutschen Volke in  freier Entscheidung beschlossen worden ist.“
Kernpunkt  der IEW ist die Anwendung der individualistischen Ethik auf das Gebiet  der Wirtschaft. Einer seiner Kernsätze neben den zahlreichen  Definitionen ist: „Die Freiheit zur Ausbildung einer eigenen religiösen Sinnstiftung wird schon durch den Religions­unterricht in der Schule systematisch unterdrückt.
Die damit verbundene Sinnleere gerade bei  jun­gen Menschen, die aufgrund der Sinnlosigkeit freiwillig in den Tod  gehen oder noch eine Spur des Grauens durch einen Amoklauf hinter sich  herziehen oder andere terroristische Aktionen betreiben, geht auf das  Konto verheerender kirchlich gelenkter Bildungspolitik.“
Die sechs  Hauptüberschriften sind: Von Anfang an – Die ethischen Probleme unter  den Menschen – Ableitung einer individualistischen Ethik –  Wirtschaftsethik als Konsequenz individualistischer Ethik –  Vergleichende Anwendung von bedeutungstheoretischer und  individualistischer Ethik zum Erklärungsproblem des Prinzips der  „unsichtbaren Hand“ – Vom Umgang der staatlichen Wirtschaftssubjekte mit  sich und den nichtstaatlichen Wirt­schaftssubjekten. Natürlich kommen  Depperts Definitionen der äußeren und inneren Existenz des Menschen vor.  Hauptkritik ist, dass die innere Existenz des Menschen in unserem  Casino-Kapitalismus nach wie vor ein Fremdwort ist. Damit wird der  Motivationskern des Menschen auf den monetären Bereich reduziert. Zur  Überlebenssicherung des kulturellen Lebewesens „Menschheit“ müssen aber  alle Überlebensfunktionen angesprochen werden, die Deppert wie folgt  gliedert: 1. Wahrnehmungsfunktion, 2. Erkenntnisfunktion, 3.  Maßnahmenbereitstellungsfunktion, 4. Maßnahmendurchführungsfunktion, 5.  Energiebereitstellungsfunktion.
In einer Zeit, in der Deutschland in  Wirtschaft und Politik Gefahr läuft, zum Selbstbedienungsladen zu  werden, erscheint mir der Ansatz der individualistischen  Wirtschaftsethik (IWE) in höchstem Maße bedenkenswert, der auf die  Forderungen an den Einzelnen zurückgeführt wird: Kümmere dich selbst aus  Verantwortung vor dir und für dich selbst um Interessen anderer und  gehe auf diese Interessen ein. Unternimm aus Selbstverantwortung etwas,  durch das du deine Leistung anbietest, die die­sen Interessen anderer  entgegenkommt.
Ein lesenswertes und bedenkenswertes Buch.
Horst Prem

Rezension: Atheismus oder Kulturchristentum?
Anton  Grabner-Haider / Franz M. Wuketits: Atheismus oder Kulturchristentum?  Zwischen Dialog und Kooperation -  259 S., 19,90 €, ISBN  978-3-943624-05-2
(hpd) Ein hochinteressantes Projekt: Ein Biologe und Wissenschaftstheoretiker sowie ein Religions- und Kulturwissenschaftler, beide als Universitätslehrer und Buchautoren sehr renommiert, beschreiben  atheistisches und kulturchristliches Denken. Die sich daraus ergebenden Grundfragen bilden - neben umfassender Wissensvermittlung - die zentralen Bestandteile des Buches.
Atheisten/Agnostiker/Skeptiker  besitzen ein naturalistisches, säkulares, humanistisches Weltbild, theologische (und teleologische) Welterklärungen sind für sie obsolet,  alle Vorgänge im Universum, das Leben selbst in seiner Fülle, gehorcht  Naturgesetzen.
Kulturchristen anerkennen die Bedeutung und Ergebnisse natur- und kulturwissenschaftlicher Erkenntnisse; sie vertreten  ebenfalls ein humanistisches Weltbild, glauben aber darüber hinaus in  der Mehrzahl auch an göttliche Kräfte im und außerhalb des Kosmos und meist auch an eine personale Gottheit, auf die sie ihr Leben beziehen.  

Aus christlichen Traditionen wählen sie aus, was ihnen plausibel und moralisch vertretbar erscheint.
Teil I: Was glauben Atheisten? - Leben, Moral und Sinn in einer gottlosen Welt:
Ausgehend von 3 Grundfragen (wie lebt es sich in einer Welt, in der Religion als evolutionäre Nutzenfunktion entlarvt wurde, wie steht es um Moral und Ethik ohne Rekurs auf absolute, von Gott gegebene Werte und Normen, wie ist sinnvolles Leben in einer an sich “sinnlosen” Welt möglich?) erläutert Franz M. Wuketits knapp und klar die Inhalte atheistischen Denkens auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse als Gegenentwurf zu einem auf “Göttlichkeit” und “höheren Sinn” ausgerichteten Leben.
Mit den Fragen “Wie deuten Atheisten das Leben, sind Atheisten unmoralisch, welchen Sinn geben Atheisten dem Leben, wie begegnen Atheisten dem Tod?” vermittelt der Autor tiefgründiges Wissen um den Menschen in seinem evolutionären Gewordensein, in seinen positiven und problematischen Eigenschaften, in seinen Überlebensinteressen, in seiner Suche nach Erkenntnis und Sinn und - nicht zuletzt – in der Bewältigung der Bewusstheit seiner Sterblichkeit.
Atheismus bedeutet nicht Antitheismus im Sinne eines Kampfes gegen gläubige Menschen, er vermittelt mit seinem auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden, humanistischen Weltbild intellektuell befriedigende Orientierung; die atheistische Interpretation aller Phänomene der Welt ermöglicht ein weniger problembehaftetes, widerspruchsfreieres, auch besseres Leben. Ein Atheist bedarf keiner “geistlich-geistigen” Führung; er lässt sich nicht mit Versprechungen einer besseren Welt im Jenseits über die Übel und Ungerechtigkeiten des Diesseits hinwegtäuschen, er ist bemüht, im Hier- und Dasein sein Glück zu finden und dabei in Achtsamkeit auch seinen Beitrag für eine bessere, gerechtere Welt zu leisten; autoritäre Herrschaftssysteme, die auf innerweltliche und außerweltlich begründete Ängste und Hoffnungen der Menschen aufbauen und diese missbrauchen, lehnt er ab.
Teil II: Was glauben Kulturchristen?
Kulturchristen können - im Gegensatz zu “Kirchenchristen” - viele Lehren und Normen der Theologie und Kirchenleitung nicht mehr nachvollziehen; sie erkennen, dass heutiges Wissen nicht mehr alten Glaubenslehren entspricht. Kulturchristen stehen zu den organisierten Kirchen weitgehend in Distanz; sie streben nach einer vernünftigen und der menschlichen Natur gemäßen Form der Religion, bzw. Spiritualität, wobei ihnen Grundwerte christlicher Kultur, sofern diese aus der stoischen/kynischen Tradition stammen, wichtig sind. Die meisten von ihnen sind überzeugt, dass einige Elemente christlichen Glaubens auch in heutiger Zeit noch sinnvoll gelebt werden können.
Anton Grabner-Haider beschreibt sehr prägnant die Anfänge der Religion und des Christentums, die Lernprozesse der Aufklärung, den Glauben der Kulturchristen, die Dynamik der Religion und religiöses Ethos und religiöse Lebensformen sowie ein mögliches “Leben im Dialog”. Als Grundaussage kann festgehalten werden, dass Kulturchristentum durch die religiöse Grundüberzeugung “Leben ist ein göttliches Geschenk” bestimmt wird und dass dadurch auch konkrete Lebensstile geformt werden. Zitat: “Wenn Nichtreligiöse ihr Leben als Zufall ansehen, dem sie einen persönlichen Sinn geben wollen, dann sehen religiöse Menschen das Leben als Ganzheit und als göttlichen Plan, von dem sie einen umfassenden Sinn ableiten”. Dabei stehen Kulturchristen (im Gegensatz zu den meisten Kirchenchristen) voll im naturwissenschaftlichen Weltbild ihrer Zeit, sie folgen keinen magischen Vorstellungen (wie sie auch bei Esoterikern zu finden sind), sie glauben nicht an magische Wirkungen von Riten, Gebeten und Meditationen. Monopolansprüche auf Wahrheit und Überlegenheit haben Kulturchristen aufgegeben, im Gegensatz zur repressiven Sexuallehre von Klerikern und Theologen gehört für sie auch das natürliche Streben nach sinnlicher Lust zu einem guten und glücklichen Leben. In der Hinwendung von einem kultischen (politischen)  zu einem philosophischen Monotheismus (eine unter verschiedenen anthropomorphen Bildern verehrte Gottheit für alle Menschen) sehen sie  einen wichtigen Ansatzpunkt für den globalen Dialog der Religionen.
Kulturchristen sind um diesen Dialog und um Austausch mit anderen Überzeugungen und Wertsystemen bemüht, ihr Weltbild steht auf dem Boden naturwissenschaftlicher Erkenntnisse sowie kritischer Philosophie und einer humanistisch orientierten Werteordnung. Sie grenzen sich von religiösen und politischen Fundamentalisten, politischen Demagogen und  Verbreitern neuer Ideologien entschieden ab, mehrheitlich sind sie liberalem und kritischem Denken verpflichtet.
Ein uneingeschränkt empfehlenswertes Buch! Es bietet sehr viel Wissen (euphemisch: “einen Schatz” an Wissen): Beide Autoren vermitteln – intellektuell anspruchsvoll, dabei aber gut lesbar, sehr verständlich und über weite Strecken spannend – eine Fülle von natur- und geisteswissenschaftlichem, historischem und kulturhistorischem Wissen, ergänzt durch grundlegende philosophische Betrachtungen. Es verdeutlicht Unterschiede, baut aber auch Brücken: Neben der Darstellung unterschiedlicher Denkweisen nimmt auch das Gemeinsame, das Verbindende, breiten Raum ein. Beide Positionen eint das Bemühen um eine humane Welt, um die Verminderung der zahlreichen Übel der Welt. Beide Autoren betonen die Bedeutung von rationalem, kritischem Denken, von Wissenschaft und Aufklärung, beide Autoren verurteilen Fundamentalismus jeglicher Art und werben für gegenseitiges Verstehen und Toleranz. Es bietet Anregungen zu  Sinnfindung und Orientierung im Dasein:
Für beide Autoren ist das Leben sinnvoll; es besitzt – für Kulturchristen – religiös begründeten Sinn und lässt – für Atheisten – auch ohne höhere Sinnstiftung individuellen Sinn erkennen und erleben.
Es enthält ein Plädoyer für mögliche Kooperationen:
Kulturchristen wie auch Atheisten bilden keine einheitlichen Gruppen, sie leben mit verschiedenen Überzeugungen, politischen Präferenzen und Wertorientierungen. Um gesellschaftlich wirksam zu werden, sind beide Weltanschauungen auf Zusammenarbeit mit Andersdenkenden angewiesen. Atheisten und Kulturchristen sollten ihre Kräfte bündeln, um auf demokratischem Weg die großen globalen Probleme des Klimaschutzes, der sozialen Gerechtigkeit, der Friedenssicherung und der Generationengerechtigkeit mit der Kraft kritischer Vernunft zu lösen.
Atheismus oder Kulturchristentum? Das Wort “oder” und das Bild am Cover des Buches (Wegweiser in beide Richtungen) suggerieren die Notwendigkeit einer Entscheidung, aus der Sicht des Rezensenten ist eine solche Forderung obsolet. Einerseits, weil gläubige Menschen wenig Wahlfreiheit  besitzen, religiöse Aussagen nicht zu glauben und Nichtgläubige solche Aussagen nicht glauben können, andererseits, weil dazu - im Sinne der Grundaussagen und Grundforderungen des Buches - auch keine Notwendigkeit besteht. Beide Positionen vereint das Bemühen um eine humane, tolerantere, gerechtere – kurz “bessere” – Welt; dass Kulturchristen dazu auch noch eine metaempirische Ebene als sinnvoll (bzw. als vorhanden) erachten, ist nach Ansicht des Rezensenten eine Marginalie  (für sie aber wohl keineswegs).
Gerfried Pongratz
Initialzündung zur Entstehung der freigeistigen Organisationen
Volker Mueller: Johannes Ronge und die freireligiöse Bewegung
Historische Reihe des Angelika-Lenz-Verlages. Band 5. Neu-Isenburg 2013. 87 Seiten. 7,90 €. ISBN: 978-3-943624-12-0.
Johannes  Ronge gilt zweifellos als ein bedeutender Denker des 19. Jahrhunderts  und als einer der Begründer der freigeistig-humanistischen Bewegung und  freireligiösen Gemeinden in Deutschland. Mit seinem „Offenen  Sendschreiben an den Bischof von Trier" vom 1. Oktober 1844, Laurahütte,   mit  dem er die Ausstellung des Heiligen Rocks in Trier heftig  kritisiert, fordert er eine neue Religiosität, die frei von kirchlicher  Bevormundung und Dogmatik sein solle. Im Vormärz, der revolutionären  Zeit der 40er Jahre in den deutschen Ländern, setzt sich Ronge für ein  Land in Freiheit und Liebe ein, in dem die Menschenwürde gewahrt und der  Glaube frei und ohne Zwang sei.
In dem vorgelegten Band 5 der  Historischen Reihe des A. Lenz-Verlages werden das „Offene Sendschreiben  an den Bischof von Trier" von Johannes Ronge und seine 1847 in Hamburg  erschienene Schrift „Das Wesen der freien christlichen Kirche"  wiedergegeben.
Sie markieren Meilensteine in der Entwicklung der frühen  freireligiösen Bewegung. Dieses Buch wurde anlässlich des 200. Geburtstages von Johannes Ronge (16. Oktober 1813 - 25. Oktober 1887) von Volker Mueller herausgegeben und mit seinem Beitrag „Ronge und der Beginn der freireligiösen Bewegung in Deutschland" eingeleitet. Anliegen der Herausgabe dieses Buches ist die Wiedervorlage der zwei bedeutenden Texte von Johannes Ronge, der im vorrevolutionären Deutschland  Wesentliches zur demokratischen Entwicklung und zur Entstehung der freireligiösen Gemeinden beiträgt und damit die Verbreitung und Vertiefung des freireligiösen humanistischen Gedankengutes fördert.
Volker Mueller:
Denis Diderots Idee vom Ganzen und die „Encyclopédie“ – Philosophische Voraussetzungen und Wirkungen
199 Seiten, kart., € 16,90, ISBN 978-3-943624-03-8 | Erhältlich im Buchhandel oder direkt bei www.lenz-verlag.de
Das vorliegende Buch würdigt den führenden französischen Aufklärer Denis Diderot (1713–1784) und das große Werk der Europäischen Aufklärung, die „Encyclopédie" (1751–1772). Zugleich ist es keine rein theoretische Abhandlung über die Aufklärung, sondern skizziert geschichtliche Abläufe und philosophische und literarische Reflexionen.
Die Frage nach progressiven Traditionen der bürgerlichen Gesellschaft erhält in dieser Hinsicht eine spezifische Dimension, in der Denkfreiheit, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit wesentlich sind. Damit soll auch ein Beitrag gegen das Vergessen des Erbes der Aufklärung, ihres neuen Denkens mittels Vernunft und Wissenschaften und  ihrer Grenzen, ihrer Unabgeschlossenheit und ihrer kritischen Gegenwartsrelevanz im 21. Jahrhundert geleistet werden. Die Europäische Aufklärung hat Konsequenzen für Philosophie und Weltanschauung.
Sie führte zu einer naturalistischen Wende der  Philosophie, zu einem Pantheismus, Deismus und atheistischen  Materialismus, der die Welt aus sich selbst heraus und als  naturgesetzlichen Prozess - ohne übernatürliche Kräfte – auffasst,  erklärt und erkennt. Gerade Denis Diderot ist für unser modernes  aufgeklärtes Weltbild von besonderer Tragweite. Er repräsentiert neben  Voltaire, Rousseau, Holbach und anderen den umfassenden Begriff des philosophe im Frankreich des Ancién Regime und geht vorurteilsfrei, enzyklopädistisch und kritisch an die  Entwicklungen in Wissenschaft, Literatur, Gesellschaft und Denken heran.  Für die alleinige kirchliche Deutungshoheit über die Welt und die  Wissenschaften, für einen jenseitigen Gott der Werkheiligkeit, für  Dogmatik und für religiöse Vorstellungen von übernatürlichen oder  irrationalen Mächten ist kein Platz im aufgeklärten Europa. Diderots  Erklärungen des menschlichen Individuums und dessen naturgeschichtlicher  Entwicklung führen zu einer humanistischen Ethik, die noch weiter  ausgelotet werden muss.
Die Aufklärung seit dem 18. Jahrhundert in  Europa hat weitreichende Folgen, da sie gesellschaftliche Änderungen zur  Überwindung knechtender und ungerechter sozialer und geistiger  Verhältnisse vorbereitet. Sie entwickelt ein Programm zur Überwindung  der Unmündigkeit des Menschen und zur Entwicklung der skeptischen und  kritischen Vernunft für die Beurteilung der Wirklichkeit. Das „Licht der  Aufklärung" befreit die Wissenschaften von Theologie und kirchlicher  Bevormundung, beendet den Zwang des Glaubens und inspiriert den Kampf  gegen die Allianz von Thron und Altar. Das freie kritische Denken und  die skeptische Vernunft fördern das beginnende Entwicklungsdenken in  Natur und Gesellschaft.
In dem Buch von Volker Mueller wird deutlich,  dass Diderot mit seiner Philosophie und Wissenschaftsauffassung in der  „Encyclopédie" ein humanistisches Menschenbild entstehen lässt, durch  das ein freier, mündiger und kritischer Mensch skizziert und gefordert  wird. Der Mensch der Moderne ist ein mit Sozialität begabtes Naturwesen.  Seine Gesellschaftskritik verbindet sich mit einer grundlegenden Kritik  an allem Alten und Dogmatischen. Ausgangs- und Endpunkt seines Wirkens  ist sein Anliegen, dem Menschen die Freiheit des Denkens und eigenes  Glück zu gewähren und zu entwickeln.
Hubertus Mynarek:  
Das Leben als Kunstwerk ist nicht nur höchstes Ziel, sondern auch eine ethische Forderung
Wertrangordnung und Humanität
Zur Humanismus-Debatte zwischen Atheisten, Pantheisten, Monotheisten und Agnostiker Verlag DIE BLAUE EULE, Essen 2014, ISBN 978-3-89924-376-5, 167 S., 28,- €.
Die  Quintessenz dieses leicht und flüssig lesbaren sowie übersichtlich  gegliederten Werkes, bringt der Autor selbst auf den Punkt: "Im  Zurückdrängen oder Abwürgen der gefühlsmäßigen, sozialen und ethischen  Bestandteile seines Wesens liegt die Gefahr des  Vollblut-Naturwissenschaftlers". Ohne Überbewertung des  Emotionalen, befasst sich  Mynarek  in klaren und verständlichen Worten  mit der Reflexion von Geist und Gefühl. Dabei kommt es zunächst zu einer  Rangordnung der Werte sowie einer Thematisierung der Synästhesie von  Ästhetik und Ethik.
Zunächst wird in sechs Wertklassen unterschieden, die gegliedert sind in die niederen sinnlichen und die höheren geistigen Werte. Die niederen Werte werden unterteilt in utilitaristische, hedonistische, lustvolle und die höheren Werte in ethische, ästhetische, religiöse.  
Der Einfluss der sinnlichen Wahrnehmung auf die Wissenschaft der Moral wird erkannt, aber gleichzeitig vor einem Ästhetizismus gewarnt. Die Ethik soll das Gesamtgefüge der Werte überwachen. Dazu wörtlich: "Ethisch gut ist also ein solches Verhalten, das in einer gegebenen Situation und unter Berücksichtigung aller an ihr Beteiligten Umstände gemäß der Rangordnung der Werte handelt und keine einzelne Wertklasse zur alleinherrschenden macht". Gleichzeitig sieht der Autor in der Selbstüberschreitungstendenz der ästhetischen Werte eine Verschmelzung mit religiös-spirituellen Werte, womit man auch in der Kunst eine säkulare Religion erkennen könnte.
Die Frage nach der Möglichkeit eines Humanismus ohne Gott und Religion wird grundsätzlich mit ja beantwortet, bleibt aber bezüglich der Religion ambivalent, auch wenn diese nicht mit Konfession verwechselt und somit auf ihren genuinen Sinn verwiesen ist. Dazu erfährt Transzendenz eine psychologische Erklärung. Ob dabei etwas von dem Grund der Dinge berührt wird, kann jemand nur glauben, aber nicht wissen. Gleichwohl sieht der Autor keinen logischen Widerspruch darin, es für möglich zu halten, betont aber, dass metaphysische Urteile immer nur Hypothesen sein können. Der Agnostiker ist für ihn der intellektuell Redlichste und Verantwortlichste. Dazu noch der Wahrhaftigste, weil er erkennt, dass die sog. Wahrheit immer nur relativ sein kann und im Klartext: "Unser Gehirn könne [...] selbst einen mit einer göttlichen Offenbarung daherkommenden Geist nur als etwas Relatives wahrnehmen".
Mit seiner apodiktischen Verkündung "Religion vermag unzweideutig zu begründen, warum Moral, ethische Werte und Normen unbedingt und allgemein verpflichtend sein müssen", wird Hans Küng als anti-empirischer und anti-historischer Dogmatiker betrachtet, der dem Monotheismus verhaftet bleibt und für den es ohne Gott keine Ethik gibt. Delikat dann der Hinweis, dass es Zeiten gab, da sogar ein Joseph Ratzinger, "als er von dem hohen Amt noch nicht  korrumpiert war", die Ambivalenz dieses Sachverhaltes klarer erkannte als sein katholischer Kollege Küng. So bekannte sich der später als Papst gescheiterte  Ratzinger noch 1969 praktisch implizite zum Agnostizismus, wenn er - wie auf Seite 68 nachzulesen - verkündet: "Der Glaubende wie der Ungläubige haben, jeder auf seine Weise, am Zweifel und am Glauben Anteil [...] Keiner kann dem Zweifel ganz, keiner dem Glauben ganz entrinnen".
Schließlich gelingt es Mynarek darzustellen, dass auch die sog. "Neuen Atheisten", von  Michael Schmidt-Salomon über Daniel Clement Dennett, Christopher Hitchsen, Sam Harris bis Richard Dawkins religiöse Atheisten sind und in dem von ihm entwickelten Sinne auch Transzendenz-Humanisten. Gleichwohl dürfte ihr Atheismus nur die Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis sein. Der geniale Physiker Albert Einstein wird als Musterbeispiel eines religiösen Atheisten vorgestellt: "Das tiefste und erhabenste Gefühl, dessen wir fähig sind, ist das Erleben des Mystischen. Aus ihm allein keimt wahre Wissenschaft. Wem dieses Gefühl fremd ist, wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, der ist seelisch bereits tot."
Das Beispiel einer Verschmelzung ästhetischer Werte mit religiös-spirituell empfundenen, leitet auf das Verhältnis ethischer zu religiös-spirituellen Werten über. Das klingt für einen Freigeist zunächst befremdlich, allein der Autor vermag es nachvollziehbar zu erklären. Unter Religion ist eine freie zu verstehen, denn als dogmatische Konfession missverstanden, erhält der Sinn von Religion eine abwertende Bedeutung. Außerdem gibt es auch religiöse Werte ohne Gott. Gleichzeitig bleibt  festzuhalten, dass der Begriff Transzendenz, der der religiösen und spirituellen Betrachtung zu Grunde liegt, philosophisch und nicht theologisch zu gebrauchen ist sowie in dynamisch und substantiell unterschieden wird. Ludwig Feuerbach vertrat eine dynamische Transzendenz des Bewusstseins, auf die sich der Autor bezieht, wenn er schreibt: "In allen großen ethischen Werten, der Liebe, der Wahrhaftigkeit, der Güte, der Gerechtigkeit, des echten Mitgefühls [...] steckt ein Moment der Grenzüberschreitung".
Interpretiert man Transzendenz nicht theologisch, sondern philosophisch, muss sie nicht notwendig eine Überschreitung des Bewusstseins ins Übersinnliche oder Außerweltliche bedeuten, sondern kann auch eine qualitative Steigerung der emotionalen Erlebnisfähigkeit vielfältiger Art ausdrücken, wie Empfinden von Musik, Liebe, Freundschaft, den Genuss eines trockenen Rieslings, Kunst allgemein - bis zur der Fähigkeit wirklichen Mitleidens. Diese tuistische Überschreitung versucht Mynarek an einem Stufenschema der Liebe nachzuweisen. Mit der Feststellung, "Es gibt einen käuflichen Genuss, aber keine käufliche Liebe", wird auf den Weg einer dynamischen Transzendenz über Sex und Erotik zur wahren Liebe hingewiesen: "Die Physik der sexuell-erotischen Anziehung kann in die Meta-Physik der Liebe übergehen" so der Autor. Richard Wagner,  der als Komponist nicht allein auf die spärlichen Begriffe unserer Sprache beschränkt ist (Leo Tolstoj), gelingt dies musikalisch besser in seiner Oper "Tristan und Isolde": "Sink hernieder Nacht der Liebe, gib vergessen, dass ich lebe. Nimm mich auf in deinen Schoß, löse von der Welt mich los".
Die Ausführungen schließen mit einem Hinweis auf die Ohnmacht des Ethischen. Um dieser Ohnmacht zu entkommen bedarf es eines Durchbruchs-Erlebnisses durch die (psychische) "Fassade" zum Geist hin. Gemeint ist damit von der Psychogenese zur Noogenese, also über das Psychische zum Geistigen. Dazu der Autor: "Wir haben einige Zeugen aus der Geschichte des menschlichen Geisteslebens angeführt, die aber in ihrer Anschaulichkeit nur die Grundkenntnisse in unserem eigensten Inneren wecken sollten, dass die Natur in ihrer stammesgeschichtlichen Evolution und unser eigenes Individualleben dem Wert-Gesetz der Schwerpunktverlagerung vom Biologischen zum Psychischen und dem Psychischen zum Geistigen folgen, wobei aber dieses Geistige das Bio-Psychische nicht abstößt, sondern als  steuernde, lebensgemäße Kraft integriert und harmonisiert".
Solche  Ausführungen erscheinen geeignet die existenzgefährdenden Missverständnisse zwischen sog. Humanisten, Freireligiösen und Freidenkern zu harmonisieren oder gar zu beseitigen. Darüber hinaus könnten sie - zumindest in ethischer Hinsicht - eine Brücke zu liberalen "Kindern Abrahams" schlagen, insoweit diese in der Lage wären, die Mythen ihrer Konfession dem Sinne nach zu deuten und nicht wörtlich zu nehmen.
Erich Satter
Globales Lernen und lokales Handeln - Klingberger Reihe Nr. 7
Was läuft schief mit der Integration fremder Kulturen in Deutschland und in Europa? „Der Umgang mit moralischer und religiöser Vielfalt ist eine der größten Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaften gegenwärtig konfrontiert sind.“ Dies steht auf dem Klappentext des Büchleins von Jocelyn Maclure und Charles Taylor des im Suhrkamp Verlag erschienenen Büchleins „Laizität und Gewissensfreiheit“. Auch das Land Quebec hat mit diesen Problemen zu kämpfen und kam nach eingehender Analyse zum Ergebnis, 2008 den Konfessionsunterricht an den Schulen durch einen staatlichen Unterricht verbindlich für alle „Ethik und religiöse Kultur“ zu ersetzen. Im Land Berlin wurde nach fünf Frauenehrenmorden endlich ein für alle Konfessionen verbindlicher Ethikunterricht eingerichtet. Der Konfessionsunterricht bleibt davon unberührt.
2011 sagte sich in Norwegen ein Einzelner auf brutalste Weise vom Zusammenleben mit Unterschieden zwischen Menschen und Kulturen los.
2012 tötete in Toulouse ein junger Franzose sieben Menschen und in Deutschland mordete eine Bande, die sich „Nationalsozialistischer Untergrund“ nannte, über zehn Jahre unentdeckt zehn ausländische Unternehmer.
Wie gelingt die Integration unterschiedlicher Kulturen im globalen Dorf in Achtung vor den Unterschieden und im Wissen, eine gemeinsame Welt dabei zu teilen? Ist es nicht vor allem wichtig, zu einem Gespräch zu kommen, in dem wir nicht von Absolutismen ausgehen, von unbedingt gültigen Werten, sondern von dem, was dem vorausgeht, dem Wissen darum, wie wir uns gegenseitig verstehen und verständigen? Seit 1789 die französische Nationalversammlung die Menschenrechte und die Gleichberechtung aller verkündete, sind sie zum Ansporn für viele geworden, nach Freiheit und Demokratie zu streben.
Unsere These ist: Mit Laizität in der Politik, wenn der Staat neutral gegenüber Religionen und Weltanschauungen eingestellt ist und handelt, ist die Voraussetzung für die Menschenrechte am besten zu verwirklichen. Fahndungslisten reichen dafür nicht aus.
Ein Projekt „Weltbürgerlichkeit“ als Unterrichtsprojekt spricht diese Voraussetzungen an und will sie umsetzen in Praxis.
Wir laden Sie herzlich ein, die Seminarergebnisse in Ruhe zu studieren.
93 S., kart., ISBN: 978-3-943624-11-3, Angelika Lenz Verlag, 9,80 €
Rezension:
„Wertebildung in Jugendarbeit, Schule und Kommune“. Bilanz und Perspektiven.
Herausgegeben von Wilfried Schubarth, Karsten Speck und Heinz Lynen von Berg.
VS Verlag. Wiesbaden 2010. ISBN 978-3-531-17044-2. 356 Seiten. 29,95 €
Die Fragen der Werteentwicklung und Werteerziehung sind seit einiger Zeit besonders im Vordergrund öffentlicher Debatten. Dabei wird mit Recht gefragt, was Schule und Jugendhilfe dafür leisten kann bzw. muss und wie der Staat sich einbringt. Der Ruf nach mehr Werten in der Erziehung wird besonders dann laut, wenn Kindesverwahrlosung, Jugendkriminalität und Fehlverhalten Minderjähriger festgestellt werden.
Auch wird von der älteren Generation gelegentlich und meist zu Unrecht fehlende Disziplin, geringer Respekt und wertfreies Verhalten der Jugend festgestellt. Ausgehend von Forschungen und praktischen Erfahrungen zur Wertebildung im Land Brandenburg wird im vorgelegten Buch gefragt, wie Werteaneignung und Wertebildung gelingen kann. Dabei geht es weit über die Bildungssituation nur eines Bundeslandes hinaus und hat Bedeutung für alle bundesdeutschen Länder. In den verschiedenen Beiträgen des Sammelbandes wird die Spannbreite der Debatten um Werte in Schule, Jugendarbeit und Kommune verdeutlicht.
Den aktuellen Forschungsstand zur Wertebildung und Wertesozialisation reflektierend, wird sich in dem Buch von Schubarth, Speck und Lynen von Berg mit den Wertorientierungen Jugendlicher seit der Wende, mit Partizipation und dem Menschenrechte- und Demokratie-Lernen auseinandergesetzt. Wertebildung wird dabei vor allem in Schule, in der Jugend- und Jugendsozialarbeit und in der Gemeinwesenarbeit thematisiert. „Unter ‚Wertebildung‘ verstehen wir die pädagogisch initiierte Auseinandersetzung mit und Reflexion von Werten sowie das subjektive Erleben und Aneignen von Werten.“ (S. 10) Besonders hilfreich sind die Empfehlungen für die Praxis und die Handlungsorientierungen.
Für unsere weiteren freigeistigen Überlegungen über integrative Möglichkeiten von Werteorientierung und Wertebildung in Schule, in der Jugendarbeit und in staatlicher Aktivität ist dieses Buch eine ausgezeichnete Grundlage. Hier erhältlich: www.amazon.de
Dr. Volker Mueller, Falkensee
„Alle Jahre wieder ...“ ALV-Band 18
Christliches, Vorchristliches und Nachchristliches zu einer eingebürgerten Festzeit

Mit einem Anhang: Der Nazarener – zentral für Glauben, Wirken und Feiern?

57 S., geh., ISBN 978-3-933037-85-5, € 5,70
www.lenz-verlag.de

Die Art und Weise, wie wir als Freigeister, als Freireligiöse, Unitarier, Humanisten und Freidenker Weihnachten feiern, hat etwas von einem Wiederholungsvorgang an sich. Es ist tief verwurzelt in uns, in unseren Familien. Weihnachten ist ein großes menschliches Ritual, das es aus christlicher Vereinnahmung zu befreien gilt. Weihnachten ist manchmal wie ein Brennglas, durch das verstärkt die Sehnsucht nach Aussöhnung der Gegensätze und nach Selbstbestimmung erscheint - also nach Frieden und Freiheit.
Hans-Dietrich Kahls Büchlein setzt hierzu erfreuliche Impulse, frei und undogmatisch über uns und unsere Feierkultur nachzudenken. Dabei sind seine weltanschaulichen, ethischen und religionskritischen Überlegungen - auch der interessante Anhang - ein bemerkenswertes Angebot zum Weiterdenken.
Wilhelm Ostwalds Erbe
Arnher E. Lenz / Volker Mueller (Hg.)
Wilhelm Ostwald: Monismus und Energie
Angelika Lenz Verlag ISBN 978-3-933037-84-8
225 Seiten / 18,90 EURO
Am 11. September 1911 schloss Wilhelm Ostwald vor mehr als 3000 Zuhörern das erste länderübergreifende Monistentreffen mit den Worten:
„Hiermit schließe ich den ersten internationalen Monistenkongress und eröffne das monistische Jahrhundert!“
Drei Jahre später brach der Erste Weltkrieg aus, der mit seinen Folgekonflikten das 20. Jahrhundert zum wohl blutigsten der Geschichte machte. War der Monismus damit widerlegt?
Er vertrat ja die These, dass die Welt von einem Prinzip beherrscht wird, dass z.B. Geistiges und Materielles keine Gegensätze sind, sondern unterschiedliche Erscheinungsformen des gleichen Urstoffes. Für den Chemiker Ostwald war das die Energie, während sein Bundesgenosse, der Zoologe Ernst Haeckel, die Welträtsel mit Hilfe von Darwins Evolutionstheorie zu lösen suchte. Diese Positionen schlossen sich nicht gegenseitig aus, sie setzten lediglich andere Schwerpunkte. In einem Punkte waren sich Ostwald und Haeckel jedenfalls einig: Beide glaubten, dass der wissenschaftliche, technische, zivilisatorische Fortschritt der Menschheit etwa so Unsinniges und Schädliches wie einen Krieg künftig ausschließen müsste.
Der Monismus fand vor dem Ersten Weltkrieg viele Anhänger unter Naturwissenschaftlern, Ärzten und Technikern, weniger unter Geisteswissenschaftlern wie z. B. Historikern, und nur ganz selten unter Philosophen. Die Lehrstühle an den Universitäten besetzten Hegelianer und bestenfalls Kantianer, die den „Materialismus“ verachteten; der mochte ja für Physik und Chemie und allenfalls noch für Botanik und Zoologie ganz brauchbar sein, hatte aber in der „geistigen“ Welt der Philosophen nichts zu suchen. Ostwalds Ruf als Chemiker schadete das nicht, er hatte ja immerhin 1909 den Nobelpreis für seine bahnbrechenden Forschungen auf dem Feld der Katalyse erhalten, aber wenn er sich in das philosophisch-weltanschauliche Revier wagte, wie in seinen „Monistischen Sonntagspredigten“, dann wurde das als Steckenpferd eines ansonsten ganz tüchtigen Mannes milde belächelt.
In dem vorliegenden Sammelband haben die Herausgeber Volker Mueller und Arnher E. Lenz Fachleute für Umweltschutz, Politikwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Weltwirtschaft, Biologie, Farblehre und Bildkunst sowie Geschichte des Monistenbundes dafür gewonnen, die Bedeutung von Ostwalds Prinzip der Energie als Grundkraft alles Seienden für das jeweilige Sachgebiet herauszustellen. Das ist in allen Fällen sehr beachtlich und hilft, sonst schwerverständliche Vorgänge zu begreifen. Vermutlich sind die neuesten Resultate der Kernphysik, die in riesigen Elektronenschleudern winzige immaterielle Energiebröckchen produzieren, eine Bestätigung von Ostwalds genialer Hypothese, dass nicht Materie die Grundsubstanz unserer Welt ist, sondern Energie. Monisten sind also keine Materialisten!
Die in dem Buch gesammelten Artikel sind durchweg allgemeinverständlich geschrieben und verzichten auf den für Laien abschreckenden Fachjargon. Was Ostwalds Energiemonismus für unser Selbstverständnis als denkende und fühlende Lebewesen bedeutet, verraten die Autoren nicht, das muss der Leser selbst herausfinden. Wenn er zu dem Ergebnis kommt, er sei ein Energiebündel mit guten und weniger guten Eigenschaften, wobei die Evolution aber dafür gesorgt hat, dass in seinem Falle die guten überwiegen, dann hat sich die Lektüre für ihn gelohnt! Erhältlich bei www.lenz.verlag.de
Hartmut Heyder (Freie Humanisten Neustadt/Rbge.)
Freigeistige Impulse zum Nachdenken
Rezension zum Buch
„Über Tod & Teufel und Gott & die Welt“.  
Die besten Beiträge aus der Sendereihe „Freiheit und Verantwortung“, NDR Info. Von Ernst Mohnike.
ISBN 978-3-925800-12-2. Wolfgang E. Buss Verlag Hamburg, 2010. 148 Seiten. Erhältlich im Buchhandel oder im ALV-Internetshop.

Freie Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften haben seit vielen Jahren die Möglichkeit, in gewissen Abständen im Norddeutschen Rundfunkt NDR ihre Positionen in der Sendereihe „Freiheit und Verantwortung“ verbreiten. Der Deutsche Volksbund für Geistesfreiheit, der seit 1991 der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) ist, sowie der Verband Freier Weltanschauungsgemeinschaften Hamburg, die Freien Humanisten Niedersachsen und die Deutschen Unitarier haben diese Sendereihe unterstützt und wesentlich mit getragen.
Im Vordergrund der Beteiligung an dieser Sendereihe stand stets die Verbreitung freigeistigen Gedankenguts und freireligiöser, unitarischer und humanistischer Weltanschauungen in guter liberaler und toleranter Tradition.
Entscheidend waren auch die Persönlichkeiten, die Beiträge in dieser Sendereihe beim NDR-INFO (vorher NDR 4) getragen haben und sie präsentierten. Dazu gehört vor allem Ernst  Mohnike. Seit den 70er Jahren wurden diese freigeistigen Sendebeiträge möglich, durch Fritz Hermann (1907 – 1987), Fritz Bode (1931 – 2008), Jürgen Gerdes und andere gefördert und begleitet. Mehrere Texte und Reden als Einzeldrucke von verschiedenen Autoren und Sprechern wurden bis in die 90er Jahre auch in „Homo Humanus“ bei der damaligen Eekboom-Gesellschaft für freigeistige Kultur veröffentlicht. Das nun von Mohnike vorgelegte Buch belegt eine wichtige Seite öffentlicher freigeistiger Tätigkeit: die wirkungsvolle kontinuierliche Rundfunkarbeit freigeistiger Verbände, die in vielen anderen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland nicht möglich war und ist.
Die ausgewählten Rundfunkbeiträge und Redemanuskripte von Ernst Mohnike werden meist erstmals in dem vorgelegten Buch publiziert. Natürlich wurden die Radiobeiträge mit Musik,  wechselnden Sprechern und einer genauen zeitlichen Länge (entsprechend der Sendezeit) versehen, was in dem Buch nicht wiedergegeben wird bzw. werden konnte.
Im Vorwort stellt Ernst Mohnike seine Anliegen und freigeistigen Ansprüche dar. Seine „Leitgedanken“ (S. 8) durchziehen seine Buchbeiträge, diese sind:
„ - die ‚Wahrheiten‘ der Religionen und ihre gemeinsame Verantwortung,
- das Zusammenwirken, ja auch die Abhängigkeit von Politik und Religion, z.B. auch zwecks Absicherung und Begründung von Machtansprüchen,
- die Freiheit des Glaubens und das Bemühen um politisch/ staatlich legitimierte Indoktrination in Deutschland und
- das Problem der Beständigkeit, auch der Fragwürdigkeit von Werten und Normen, im Rahmen von Religion und Weltanschauung.“
Das Buch ist in drei inhaltliche Teile gegliedert:
In dem 1. Teil „Religion und Politik“ (ab S.11) befasst sich Mohnike mit dem wichtigen Thema des Verhältnisses von Staat und Kirchen, von Politik und Religion und betont sowohl die wichtige Religions- und Weltanschauungsfreiheit als auch die Trennung von Staat und Kirche. Die rechtsstaatlichen und religionsphilosophischen Entwicklungen von Toleranz und Intoleranz sind für ihn dabei ebenso wichtig wie die internationale Dimension der weltanschaulich neutralen Staatlichkeit - etwa in der Europäischen Union und deren Grundrechte-Charta. Beim berechtigten kritischen Bewerten der kirchlichen Sektenbeauftragten hat m.E. Mohnike die Gefahrenpotenziale etwa von Scientology Church nicht beachtet bzw. sich mit den von ihr ausgehenden wirklichen Gefährdungen nicht ausreichend auseinandergesetzt.  
Der 2. Teil „Eine Religion für eine Welt“ (S. 73) stellt die Internationalität der religiösen Toleranz und der sich daraus ergebenden Verantwortung heraus. Eingegangen wird auf Küngs Weltethos und dem Engagement für den Weltfrieden sowie die auf die Anstrengungen der IARF für religiöse Freiheit auf der Welt. Der ganzheitliche unitarische Blick von Mohnike auf das menschlich Wesentliche und auf die Notwendigkeiten, ein Neues Denken in Freiheit zu entwickeln, ist stets spürbar und bringt seine individuellen Eigenheiten zum Ausdruck.
Mit „Werte und Normen – nichts bleibt wie es ist“ (S. 103) ist der 3. Teil überschrieben. Mohnike diskutiert den Wertewandel, den heute viele als Werteverfall empfinden. Gerade die wirtschaftlichen Krisenentwicklungen führen ihn zu kritischen Sichten auf unsere Gesellschaftsentwicklung und auf die Ethik. Unzulänglichkeiten und Widersprüche unserer Gegenwart verbinden sich jedoch mit Ansätzen für Lösungen, die im persönlichen und gemeinschaftlichen Handeln liegen können. Kritik führt zu Zukunftsgewissheit. Dabei ist der beständige Wertewandel ein steter Wegweiser für Mohnike.
Mohnikes Überlegungen zum Religions- und Ethikunterricht  (schon S. 67 ff.) haben ihre zeitliche Berechtigung. Allerdings ist das Abmelden vom konfessionellen Religionsunterricht und das Besuchen eines Ethikunterrichts keine Drückebergerei, sondern ein Grundrecht. Dabei sehen wir heute viel mehr die Notwendigkeit, einen integrativen Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihren konfessionellen Bindungen einzuführen und durchzusetzen.
Seine Darlegungen zu satanistischen Inhalten könnte man sich etwas differenzierter wünschen: Es liegen Welten zwischen den „Satanischen Versen“ und den gefährlichen Auffassungen Crowleys. Auch hier, wie schon bei der Sekten-Thematik, sollte man die Kritikwürdigkeit nicht gleich negieren, nur weil die kirchlichen Sektenbeauftragten aus ihrer Konkurrentensicht z.B. Scientology oder den Satanismus Crowleys verdammen. Gefahren für die Religionsfreiheit und für die Menschenwürde entstehen wohl von allen diesen Seiten, wenn auch auf unterschiedliche Weise.    
Es liegt uns insgesamt ein sehr lesenswertes Buch vor, das wichtige Impulse für kritisches freies Denken und eine freigeistige Lebensanschauung gibt. Das Buch schärft und verändert unsere Wahrnehmungen durch den Wechsel der Sichtweisen und Standorte. Ernst Mohnike regt an, sich auseinanderzusetzen und mit ihm zu diskutieren. Das will er. Erhältlich bei www.lenz-verlag.de
Dr. Volker Mueller, Falkensee
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