DFW

Dachverband Freier
Weltanschauungsgemeinschaften
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Herzlich willkommen auf unserer Homepage!

Wir freuen uns sehr über Ihren Besuch. Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) ist ein Zusammenschluss von Verbänden und Gemeinschaften in Deutschland, die für die Verwirklichung der in Artikel 4 des Grundgesetzes garantierten Freiheit des Glaubens, des Gewissens und des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses eintreten. Er setzt sich dafür ein, dass niemand wegen seiner Herkunft, seiner Lebensauffassung und seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt wird. Der DFW steht als Vertreter freigeistiger, kirchenfreier Menschen ein für Humanismus, Toleranz und Menschenrechte, für ein friedliches Zusammenleben der  Menschen unabhängig von ihren religiösen, weltanschaulichen und politischen Anschauungen und für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung – schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an: info@dfw-dachverband.de.
Ihr Präsidium des
Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften



  • Wert und Würde eines jeden Menschen sind unantastbar
  • Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur: Vorstand wurde wiedergewählt | Freude über erneute Buch-Restitution
  • Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur: Ernst Haeckels 100. Todestag gewürdigt
  • „Freiheit“ – Bericht vom Frauen-Seminar
  • Werte fallen nicht vom Himmel, noch weniger gibt es ein(en) Verfall(sdatum)
  • Neues Buch von Eckhart Pilick: Idole – Ein Kaleidoskop freier Religiosität
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Verwaltungsgericht Köln ruft Bundesverfassungsgericht an: DGHS hofft auf Liberalisierung des Betäubungsmittelgesetzes
Die von der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) unterstützten und von DGHS-Vizepräsident RA Prof. Robert Roßbruch vertretenen Kläger leiden an gravierenden Erkrankungen und deren Folgen. Sie begehren vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn die Erlaubnis zum Erwerb einer tödlichen Dosis Natrium-Pentobarbital zur Selbsttötung. Das BfArM hatte die Anträge der Kläger auf Erteilung einer Erwerbserlaubnis abgelehnt. Dagegen richten sich die Klagen.
Die 7. Kammer des Verwaltungsgerichts Köln hat nun zur Überraschung aller Beteiligten am 19.11.2019 im Anschluss an die mündliche Verhandlung einen Vorlagebeschluss an das Bundesverfassungsgericht getroffen. Danach ruhen die Klageverfahren, und das Bundesverfassungsgericht erhält die Möglichkeit zu prüfen, ob und inwieweit das generelle Verbot des Erwerbs von Betäubungsmitteln zur Selbsttötung mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Das Verwaltungsgericht Köln ist mit den Klägern der Auffassung, dass ein generelles Verbot des Erwerbs auch für schwerkranke Menschen in einer existenziellen Notlage nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Die staatliche Schutzpflicht für das Leben könne, so das Verwaltungsgericht, in begründeten Einzelfällen hinter das Recht des Einzelnen auf einen frei verantworteten Suizid zurücktreten. Damit schließt sich das Verwaltungsgericht Köln im Wesentlichen der Argumentation der von der DGHS unterstützten Kläger an.
Die DGHS begrüßt die Entscheidung der 7. Kammer des Verwaltungsgerichts Köln. Sie übertrifft in ihren möglichen verfassungsrechtlichen, betäubungsmittelrechtlichen und rechtspolitischen Konsequenzen sogar ein obsiegendes erstinstanzliches Urteil. Denn „es besteht nun erstmalig in diesem Land die Chance – und daher kann der Vorlagebeschluss des Verwaltungsgerichts Köln nicht hoch genug bewertet werden – auch die als unüberwindlich angesehene Festungsmauer des Betäubungsmittelgesetzes durch eine entsprechende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu Fall zu bringen und auch hier eine Liberalisierung im Sinne der schwer und unheilbar erkrankten Suizidwilligen herbeizuführen“, so der Verfahrensbevollmächtigte Prof. Robert Roßbruch.

Wega Wetzel M.A.
Pressesprecherin DGHS e.V.
Tel: 0 30/21 22 23 37-22 | Fax: 0 30/21 22 23 37-77 | E-Mail: wega.wetzel@dghs.de | presse@dghs.de | Internet: www.dghs.de | Facebook: facebook.com/DGHSde | Twitter: twitter.com/DGHSPresse

Spendenaufruf für Frauenprojekt in Indien
Das uns bekannte weltliche Sozialwerk Arthik Samata Mandal (ASM) im indischen Unionsstaat Andhra Pradesh ist eine langjährig tätige, gemeinnützige soziale Serviceorganisation. Sie setzt sich für soziale Verbesserungen für die Menschen vor Ort und für die Würde des Menschen ein. ASM arbeitet für soziale, ökonomische und kulturelle Gleichheit in allen Bereichen und für die Gleichbehandlung von Mann und Frau. ASM wirkt für die Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen.
Hauptaktivitäten von ASM sind die Bildung und sozialen Hilfen für Mädchen und junge erwachsene Frauen, um ihre Fähigkeiten und Kenntnisse für die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts zu entwickeln und zu stärken. Insbesondere sind hierbei Mädchen und junge Frauen in den ländlichen Regionen im Mittelpunkt. Das berufliche Training und die Ausbildungen konzentrieren sich entsprechend der individuellen und regionalen Möglichkeiten auf Kunsthandwerke, Schneiderei, Krankenpflege (Krankenschwestern) und einige technische Berufsbereiche. ...weiterlesen...

Der neue Freedom of Thought Report 2019 von Humanists International ist erschienen
Ein Bericht über die Menschenrechte von Nichtreligiösen warnt davor, dass „die Welt geteilt ist“ im Bezug auf Blasphemie- und Apostasie-Gesetze, und zwar „in viele Staaten, die diese Gesetze immer noch stärken, und einige Staaten, die in den letzten Jahren diese Gesetze noch verstärkt oder neue ‚Blasphemie‘-Gesetze eingeführt haben“.
Der einmal im Jahr erscheinende Freedom of Thought Report von Humanists International, deren Mitglied der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. ist, liegt nun in der achten Ausgabe vor. Er untersucht die Situation der Gesetze und Menschenrechte für „Humanisten, Atheisten und Nichtreligiöse“ auf der ganzen Welt.
Die Ausgabe von 2019 feiert die Tatsache, dass derzeit acht Länder die „Blasphemie“-Gesetze in den letzten fünf Jahren abgeschafft haben. Aber sie warnt auch davor, dass 69 Länder solche Gesetze immer noch aufrechterhalten, und dass die Strafen und Verfolgungen in einer Reihe von Ländern verschärft wurden. Staaten wie Saudi-Arabien und Pakistan sind als beständige Blasphemie-Verfolger notiert. Trotz der breit publizierten Geschichte der christlichen Farmarbeiterin Asia Bibi werden immer noch diverse Atheisten und viele andere in Pakistan angeklagt; außerdem verurteilt der Bericht außergerichtliche Gewalt, die sowohl gegen humanistische als auch religiöse Minderheiten aufgrund von Anklagen wegen Blasphemie ausgeübt wird.
Der Bericht hebt auch eine Verschlechterung in anderen Ländern hervor. Sowohl Brunei als auch Mauritanien haben derzeit die Bestrafungen für „Blasphemie“ und „Apostasie“ in den letzten zwei Jahren verstärkt. Bruneis 2019 eingeführtes Strafmaß betrifft Blasphemie und Apostasie, aber auch andere „Hudud“-Straftaten wie Ehebruch und Homosexualität, die zur Todesstrafe führen. Mauretanien führte eine obligatorische Todesstrafe für Blasphemie und Aspostasie im April 2018 ein. Prominente „Blasphemie“-Verfolgungen werden als Grund zur Sorge in Indonesien genannt, wie auch die Reaktionen gegen die Demonstranten, die gegen den Hijab-Zwang im Iran protestieren, und die Verfolgungen und Gewalt aufgrund des Hindu-Nationalismus zeigen eine sich verschlechternde Situation in Indien. Trotz des im Großen und Granzen positiven Trends steht Europa nicht völlig außerhalb jeglicher Kritik, da in den letzten Jahren beispielsweise in Italien und Spanien Künstler und Demonstranten verfolgt wurden.
Andrew Copson, der Präsident von Humanists International, kommentiert: „Blasphemie- und Apostasie-Gesetze sind schon für sich genommen eine Ungerechtigkeit, aber sie verleihen jenen eine falsche Legitimation, die in ihrem Namen morden und Terror verbreiten. Wie unser Bericht  belegt, verschärft es die Probleme mit religiösem Extremismus nur noch, wenn Regierungen solche Gesetze zugrunde legen. Die Aufhebung dieser Gesetze zum Beispiel mitttels der Verpflichtung auf die Menschenrechtskonventionen, die fast alle Länder unterzeichnet haben, muss Priorität haben. Das wird nicht all die verschiedenen anderen Formen von Diskriminierungen lösen, denen Humanisten und andere religiöse Minderheiten ausgesetzt sind, die unser Bericht dokumentiert. Aber es wird der Anfang sein, um den religiösen Extremismus zu ent-legalisieren, der so viele Gesellschaften in so vielen Regionen des Planeten bedroht.“
Humanists International
(Übersetzung: Ortrun Lenz)
 
Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur:
Vorstand wurde wiedergewählt |
Freude über erneute Buch-Restitution
Zu ihrer alle zwei Jahre stattfindenden Bundesversammlung hatte die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur e.V. (FA, ehem. Deutscher Monistenbund) am 12. Oktober nach Neu-Isenburg eingeladen. Der Vorstand, bestehend aus Ortrun Lenz (Vorsitzende), Leonard Lenz (Stellvertretender Vorsitzender), Jasmin Roth (Kassiererin), Michael Luft (Schriftführer) und Klaus Hofmann (Beisitzer) wurde einstimmig wiedergewählt. Auch die beiden Revisoren Dr. Volker Mueller und Walter Witt wurden erneut gewählt.
Ortrun Lenz berichtete unter anderem, dass die FA kürzlich ein Buch zurückerhalten hatte, das einst von den Nazis geraubt worden war. Die im Dritten Reich üblichen „Beschlagnahmungen“ von Büchern betrafen damals viele freigeistige, freireligiöse, humanistische u.a. Gemeinden, Vereine und Organisationen. So war ja auch der Deutsche Monistenbund (die heutige FA) damals von den Nationalsozialisten verboten worden. Viele Vereinsunterlagen inkl. Bücher wurden beschlagnahmt oder vernichtet und sind daher für immer verloren oder nicht mehr zugänglich. „Umso erfreulicher ist es, dass ab und zu Bücher wieder auftauchen“, so Ortrun Lenz.
Schon vor zwei Jahren, am 24. Juli 2017, restituierte die Bayerische Staatsbibliothek zehn Buchtitel des Kartells der freiheitlichen Vereine in München an den Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. Die Ortsgruppe des Kartells wurde 1933 verboten.
Diese Bücher waren durch die Geheime Staatspolizei, eine Organisation des NS-Regimes, beschlagnahmt worden. In einigen der Bücher befinden sich auch Besitzstempel von Max Riess, einem der Gründungsmitglieder des Kartells.
Und in diesem Jahr gab es dann eben überraschend noch einmal eine Bücher-Restitution, und zwar vom Deutschen Historischen Museum in Berlin. Dr. Matthias Miller, der Bibliotheksleiter, schrieb der Freigeistigen Aktion am 27. August 2019 u.a.:
„[...] in unbearbeiteten Beständen, die seit den 1960er Jahren von der Zentralstelle für Wissenschaftliche Altbestände (ZWA) an die Bibliothek des Museums für Deutsche Geschichte der DDR (MfDG) abgegeben worden waren, fand sich ein Buch mit dem Besitzstempel Deutscher Monistenbund / Ortsgruppe Stuttgart-Bad Cannstatt. Es handelt sich um den Titel:
Max Henning: Das freie Wort und die Probleme der Zeit. Eine Sammlung von Beiträgen bleibenden Werts aus den Jahren 1901 bis 1908. - Frankfurt (Main): Neuer Frankfurter Verlag, [ca. 1908]
Da es sich um einen relativ seltenen Titel handelt (Nachweise deutschlandweit nur in Jena und Mönchengladbach) wollte ich Sie fragen, ob Sie an einer Restitution interessiert sind. [...]“
Nun, der Vorstand der Freigeistigen Aktion war sehr erfreut und hat das Buch gern zurückgenommen. „Ich finde es jedenfalls sehr schön, dass es Leute gibt, die einen Gerechtigkeitssinn haben und sich die Mühe machen, die Besitzer der von den Nazis geraubten Literatur ausfindig zu machen und die Bücher zurückzugeben“, erklärte Ortrun Lenz.
Im Anschluss an die Bundesversammlung gab es einen Vortragsnachmittag, um den 100. Todestag von Ernst Haeckel zu würdigen, der am 9. August 1919 starb. Der große Naturphilosoph und erste deutsche Verfechter von Darwins Evolutionstheorie hatte 1906 in Jena den Deutschen Monistenbund, die heutige Freigeistige Aktion für humanistische Kultur e.V., gegründet.
Freigeistige Aktion für humanistische Kultur

Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur:
Ernst Haeckels 100. Todestag gewürdigt
Anlässlich der Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur e.V. am 12.10.2019 in Neu-Isenburg wurde der Vereinsgründer Ernst Haeckel gewürdigt.
Zu seinem 100. Todestag erinnerte die Freigeistige Aktion (ehem. Deutscher Monistenbund) an den großen Naturforscher und Philosophen. Ernst Haeckel (1834–1919) gilt als der deutsche Naturwissenschaftler, der als einer der ersten Darwins Überlegungen der biotischen Evolution und der Abstammungslehre des Menschen aufnahm und verbreitete. Er forschte selbst jahrzehntelang über die Entwicklung und trug zum wissenschaftlichen Fortschritt bei. Haeckel war es, der den naturwissenschaftlich orientierten Monismus als naturphilosophische Welterklärung und freigeistige Weltanschauung etablierte.
Im Anschluss an die Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur e.V. in Neu-Isenburg fand ein Vortragsnachmittag statt, der von zwei Referenten gestaltet wurde. In den Räumen der Humanistischen Gemeinschaft Neu-Isenburg in der Ludwigstraße 68, die Mitveranstalter war, fanden sich viele Interessierte ein, um den Ausführungen der Vortragenden zu folgen. ...weiterlesen...

„Freiheit“ – Bericht vom Frauen-Seminar
In der freireligiösen und freigeistigen Bewegung spielt der Begriff „Freiheit“ eine große Rolle. Ute Kränzlein, Landessprecherin der Freireligiösen Landesgemeinde Baden, konnten wir gewinnen, uns das Thema Freiheit näherzubringen. Sie erklärte den Frauen die geschichtlichen Ausprägungen und Daten, was Freiheit mit der Frauenemanzipation verband und verbindet und wie wichtig es ist, auch heute noch viel für unsere Freiheit und die unserer Mitmenschen zu tun.
Für unser Herbstseminar der Frauen-Arbeitsgemeinschaft im BFGD vom 27.–29. September 2019 wählten wir den Ort der Badischen Revolution, die Barockstadt Rastatt aus, und 23 Frauen folgten der Einladung. ...weiterlesen...

Wert und Würde eines jeden Menschen sind unantastbar
Unitarier kritisieren Urteil des Berliner Landgerichts im Fall Künast
Die Unitarier-Religionsgemeinschaft freien Glaubens kritisiert das Urteil des Berliner Landgerichts nach dem Ausdrücke wie „Stück Scheiße“, „Schlampe“ oder „Drecksau“ keine persönlichen Schmähungen seien, sondern „zulässige Sachkritik“. Im vorliegenden Fall müsse Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) solche Ausdrücke als freie Meinungsäußerung hinnehmen. „Uns Unitarier*innen geht es dabei nicht um die juristische Bewertung, sondern um die mit dem Urteil verbundene Botschaft, die in elementarer Weise das Zusammenleben selbstverantwortlicher Menschen im Spannungsfeld von persönlicher Freiheit und dem Schutz der Persönlichkeit betrifft“, so Prof. Karsten Urban, Co-Präsident der Unitarier – Religionsgemeinschaft freien Glaubens. Gerhard Puhlmann, Co-Leiter der Unitarier-Landesgemeinde Hamburg ergänzt: „Respekt und Dialog sind für uns von zentraler Bedeutung und daher insbesondere unser Thema“. ...weiterlesen...

Die verfolgte Humanistin Gulalai Ismail ist sicher in den USA angekommen
19.09.2019 - Humanists International (HI) hat offiziell bestätigt, dass Gulalai Ismail jetzt in Sicherheit ist.
Das Vorstandsmitglied der Humanists International (ehem. IHEU), Gulalai Ismail, war seit ihrer anfänglichen Inhaftierung im Oktober 2018 auf der Flucht vor den pakistanischen Behörden. Humanists International hat an vorderster Front dafür gekämpft, auf internationaler Ebene alles dafür zu tun, um ihre Freilassung zu gewährleisten. https://humanists.international/  ...weiterlesen...

Werte fallen nicht vom Himmel, noch weniger gibt es ein/-en Verfall(-sdatum)
Humanisten für Menschenrechte und Toleranz – Deutscher Humanistentag 2019 in Hamburg
Still wird es gerade in den Gängen des Hauses der Patriotischen Gesellschaft von 1765. Stille nach aufgeregten, spannungsgeladenen und nachdenklichen Momenten, die heute hier auf dem Programm des Humanistentages 2019 standen. Aber es ist eine erfrischende Stille. Stille der lauten Gedanken, die Stille bevor jemand das Wort an jemand anderes auf dem Flur richtet, Stille vor dem konstruktiven Aufbruch zu neuen Aktionen, neuen Schritten, neuen Ansätzen. Alles wird hier heute und während der Tages des Deutschen Humanistentages geschmiedet.
Das Viertageprogramm, vielfältig, fachspezifisch und anregend gestaltet, bietet für Menschen mit Fragen zum humanistischen Weltbild, zu Menschenrechten, zur Wertedebatte, Jugendfeierregelung bis hin zur säkularen Flüchtlingshilfe und Sterbehilfe ein breites Spektrum an interessanten Podiumsdiskussionen, Erfahrungsberichten und Vorträgen wie auch persönlichen Schicksalen.
Im Rahmen des Humanistentages führte die Humanistische Akademie Deutschland ihre Fachtagung „Werte fallen nicht vom Himmel“  durch. Mit Einladung der Akademie bot sich mir die Chance, als Vertretung des DFW, über unseren Standpunkt zum Werteunterricht zu  debattieren, über die LER-Ausbildung in Brandenburg an der Universität  in Potsdam mit Christina Gruhne zu sprechen, mit dem HVD Berlin und dem  Fachverband Werte und Normen aus Niedersachsen über eigene Standpunkte,  aktuelle Geschehnisse und Umsetzungen zu diskutieren, Erfahrungen aus  eigener LER-Schülererfahrung in der 7. Klasse einzubringen und die  Relevanz des gemeinsamen Ethikunterrichts immer wieder in den  Vordergrund zu rücken. ...weiterlesen...
DFW-Infostand auf dem Humanistentag in Hamburg
Immer mehr Kirchenaustritte
KORSO fordert Konsequenzen in der Kirchenfinanzierung und hinsichtlich der Privilegien von Weltanschauungsgemeinschaften
Den Kirchen laufen die Mitglieder davon. Obwohl die deutsche Gesamtbevölkerung 2018 nur um 280.000 Personen angestiegen ist, verlor die katholische Kirche gegenüber dem Vorjahr rund 300.000 Mitglieder, die evangelische Kirche sogar 400.000. Die Gruppe der konfessionsfreien Menschen wiederum ist um mehr als 800.000 Personen  gewachsen.[1]  Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort. Eine Prognose des  „Forschungszentrums Generationenverträge“ an der Universität Freiburg geht davon aus, dass die Kirchen bis zum Jahr 2060 die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren werden [2] und damit einen Anteil von unter 30% an der Gesamtbevölkerung einnehmen. ...weiterlesen...

Der DFW trauert um Horst Prem
Der Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. trauert um seinen langjährigen Vizepräsidenten Horst Prem, der am 23.07.2019 plötzlich und unerwartet verstorben ist. Horst Prem war mehr als ein Jahrzehnt von 1977 bis 1991 Präsident der Unitarier Religionsgemeinschaft freien Glaubens e.V.  und war während seiner Präsidentschaft als Präsident der Unitarier, insbesondere auch persönlich in seiner Tätigkeit als Ingenieur in der Luft-und Raumfahrtindustrie, den harten Angriffen der Antifa ausgesetzt. Diesen Angriffen zum Trotz war ihm inhaltlich insbesondere die demokratische Verfassung der Unitarier wichtig, die bei Auseinandersetzungen auf die Diskussion als Mittel der demokratischen Mehrheitsbildung setzen. Die Grundgedanken der Unitarier zeigen diesen Prozess besonders deutlich, wenngleich die zuletzt beschlossenen Änderungen Horst Prem nicht weitreichend genug erschienen. Er war ein leidenschaftlicher Verfechter der auf Thomas Paine zurück gehenden Menschenrechte (dazu z.B. in DFW-Heft 29 „Menschenrechte 1789 – UNO 1948 – ein Vergleich“) und forderte bereits in den Achtzigerjahren, den Umweltschutz als Staatsziel in das Grundgesetz aufzunehmen.
(Foto: Evelin Frerk, who-is-hu.de)
Für Horst Prem war Umweltschutz schon lange Klimaschutz und Menschenrecht zugleich. Er wartete nicht auf Freitage, um die Zukunft zu sichern. Er handelte danach und rüstete sein Haus vor über 30 Jahren auf Solarenergie um, wo zuletzt sein E-Auto den selbstproduzierten Strom in der Garage lud. Als Vizepräsident des Dachverbandes freier Weltanschauungsgemeinschaften von 1999–2012 setzte er sich für die Entwicklung europäischer Strukturen (dazu z.B. in DFW-Heft 24 „Europas Beitrag zu Nichtdiskriminierung und Toleranz“) und die Geltung der Menschenrechte durch die Organisation thematisch geprägter Seminare und als Mitherausgeber der Schriftenreihe des DFW zielstrebig und engagiert ein. Aus seinem Verständnis der Menschenrechte heraus trat er für Verständigung und Toleranz aller Menschen untereinander weltweit ein (dazu in DFW-Heft 26 „Wachstumsdogma contra friedliche Entwicklung“), was insbesondere auch einen sparsamen gemeinsamen Umgang mit beschränkten Ressourcen beinhaltete (dazu auch in DFW-Heft 25Humane Sozialethik – Auftrag für freigeistige Verbände“).
Dieses Engagement leitete Horst Prem auch in seiner Arbeit als Mitbegründer und zwischenzeitlicher Vorsitzender des Jugend- und Familienbildungswerkes Klingberg e.V. Nach seiner Überzeugung ist Klimaschutz heute der wesentliche Baustein für Friedens- und Gesundheitspolitik und sollte den Integrationskern der EU ausmachen. Das von Horst Prem für den 04-06.10.2019 gemeinsam mit der früheren DFW-Präsidentin Renate Bauer konzipierte Seminar in Klingberg trägt den Titel Klimaschutz – Natur verstehen, achten, lieben. Auch wenn Horst Prem seinen Vortrag „Klimaschutz ist Friedenspolitik und Migrationsprävention zugleich“ nun nicht mehr halten kann, wird dieser Gedanke eine zentrale Leitlinie unserer Gegenwart sein- nicht nur freitags.
Der Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. ist dem gradlinigen, zielstrebigen Engagement von Horst Prem in Dankbarkeit dauerhaft verbunden.

Swaantje Schlittgen
Präsidentin
Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V.


Vielfalt - Würze des Lebens?
Variety - Spice of Life?
Zum Europäischen Unitariertag Pfingsten 2019 in Berlin im ParkInn am Alexanderplatz hatten die Europäischen Unitarian Universalists (EUU) und die Unitarier Religionsgemeinschaft freien Glaubens e.V. eingeladen und konnten zur Eröffnung zahlreiche Gäste aus ganz Europa und Übersee mit der Erinnerung an den Council of Unitarian and other Liberal Thinkers and Workers, der seinen 5. Weltkongress 1910 in Berlin beging und heute in der IARF (www.IARF.net) International Association for Religious Freedom seine Fortsetzung findet, begrüßen.

Die Unitarier Religionsgemeinschaft freien Glaubens e.V. hatten nachmittags bereits ihre Mitgliederversammlung abgehalten, während andere Teilnehmer zunächst die liberale, von Seyran Ates gegründete Moschee besuchten und anschließend an dem Freitagsgebet in der liberalen Synagoge teilnahmen.

In der Feierstunde am Samstagmorgen zeigte uns Dorothea Kaufmann unter Mitwirkung von Jutta Hamm und Volker Schwebke, wie sich das Thema Vielfalt mit allen Facetten des Lebens in ihrem Garten abspielt und ließ uns ihren Gedanken parallel in Szenenbildern folgen. – Im Anschluss sprach Karen Tse als Themensprecherin über ihre Arbeit bei in ihrer Organisation International Bridges of Justices www.ibj.org, die sich inhaltlich mit juristischen Verfahrensrechten von Inhaftierten befasst, bei der sie sich nicht nur als Juristin, sondern auch als unitarische Pfarrerin einbringt, um Menschen einander in schwierigen Situationen näherzubringen. - Trotz der manchmal belastenden Umstände vor Ort sind Betroffene in beeindruckender Weise in der Lage, sich unabhängig von der ihnen angetanen Gewalt oder des Unrechts liebevoll und gütig zu verhalten – und zu verzeihen.

Am Nachmittag gab es Workshops zu Musik in Feierstunden, nachchristlicher Gestaltung von Religiosität, zum Jugendaustausch, zum Latitudinarismus als ethische Herausforderung im 21.Jahrhundert sowie Ausflüge zum Reichstag und zum Friedhofspark in der Pappelallee, wo Anne-Kathrin Pauk die Freigeistige Gemeinschaft Berlin e.V. gegr. 1845 - Freireligiöse Gemeinde vorstellte. Gleichzeitig probten zahlreiche unitarische Musiker und der Chor, um am Abend einen sehr spritzigen Evening of Music zu präsentieren.

Der Sonntag begann mit einer Feierstunde von Karen Tse und Inga Brandes, die sich mit den verwirrenden Eigenschaften von Vielfalt und damit einhergehenden Emotionen befassten und welche Schwierigkeiten sich daraus nicht nur in unitarischen Gruppen bei der Gestaltung von Vielfalt in Europa ergeben. Die Musik griff dieses Thema geschickt auf.

Die an die Feierstunde anschließende Suche und Benennung von gemeinsamen Überzeugungen ließ manche Kleingruppe zweifelnd zurück. Dies konnte man am Nachmittag im Improtheater ausdrücken, sich mit dem Umgang mit Trauer befassen, Esperanto lernen, Yoga machen, die tschechische Unitarische Akademie oder das europäische Chapter der IARF kennenlernen und sich mit Fragen künstlicher Intelligenz und den ihr innewohnenden Werten befassen. – Ein Ausflug auf der Spree und die Teilnahme an der Refugees Voices Tour rundeten den Nachmittag ab, bevor der Bunte Abend startete. Die Band von Frank und Roland rockte den Saal. – Der Montagmorgen wurde durch Wies Houweling mit dem Thema Lieben Liberale Vielfalt? begonnen, wo sie mit Hilfe der interaktiven Mentimakerfragen zeigte, was den Zuhörern wichtig ist. Sie führte plastisch aus, dass Vielfalt in großen Städten bereits Wirklichkeit ist und wie mit der neuen Supervielfalt Neues entsteht.

Die Abschlussveranstaltung widmete sich der Schwierigkeit, Gemeinsamkeiten der verschiedenen unitarischen, freireligiösen oder freidenkenden Gruppen in gemeinsam Erlebtes und Gestaltbares umzusetzen. Sollten nicht alle anstreben, große Fragen als Gemeinschaft von vielen und nicht jeder für sich allein zu lösen? Jede Mischung von Vielfalt hat etwas Eigenes, Unverwechselbares, so auch die Original EUT2019-Gewürzmischung, die allen Teilnehmern eine Erinnerung sein soll. – Es waren drei sehr intensive Tage voller Musik, Austausch und Gespräche - und auch der Erkenntnis, dass es eine Herausforderung bleibt, im Großen wie im Kleinen die vorhandene Vielfalt in positiver Weise anzunehmen. Texte und Fotos werden in den Unitarischen Blättern 3-2019 sowie im Unifier der EUU veröffentlicht.

Swaantje Schlittgen
Präsidentin des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften

(Fotos: Volker Bühnemann)
Swaantje Schlittgen
Wies Houweling
Karen Tse
Dorothea Kaufmann
Auf der Suche nach den Ethischen Fragen des
21. Jahrhunderts
Bericht zur Humanistischen Konferenz und den Satzungsversammlungen
in Reykjavik vom 31. Mai bis 2. Juni 2019
von Silvana Uhlrich-Knoll, Vize-Präsidentin im DFW
Die humanistische Welt blickte in diesem Jahr nach Reykjavik, wo Ende Mai die internationale humanistische Gemeinschaft, gemeinsam mit der Europäischen Humanistischen Föderation unter dem Themenschwerpunkt „Was sind die ethischen Fragen des 21. Jahrhunderts?“ für drei Tage zusammenkam. Dabei lag die Relevanz der Konferenz auf vier größeren Themenbereichen, die aus dem aktuell politischen Geschehen unserer aller Gesellschaften nicht mehr wegzudenken sind: Demokratie, Flüchtlinge, Umwelt und ökonomische Ungerechtigkeit.
1. Zum Bereich Umwelt wurde explizit darauf hingewiesen, dass schon das Time-Magazin 1988 die Erde als Person des Jahres betitelt hat, da es zu dieser Zeit schon erste Anzeichen zur Ausnutzung der Erde gab. Seit dieser Zeit wird es nur noch schlimmer. Das aktuell wahrnehmbare Interesse beruht darauf, dass die Pike schon längst überschritten ist, Schäden in vielfacher Hinsicht irreparabel sind. Während der Konferenz wurde immer wieder betont, dass Gesprächsrunden und Vertagungen die Sache nicht in Gang setzen, sondern immer mehr hinauszögern, eine Dringlichkeit, die die Jugendlichen in allen Ländern durch ihre Fridays-For-Future-Demonstrationen schon längst erkannt haben.
Wichtig wären die Abschaffung des Bruttoinlandsprodukts, da die finanziellen und umweltspezifischen Interessen durch die Politik nie einzeln betrachtet werden und nicht über die Amtszeit hinaus über die Langzeitfolgen einer politischen Entscheidung nachgedacht wird. Persönliche Interessen und oft geheime Lobbyverträge (siehe abgeordnetenwatch.org) stehen einen objektiven Lösungsprozess vehement im Wege. Umweltschutz aus eigener Initiative ist dabei ein guter Ansatz, kann aber die Schäden, die aus Wirtschaft und Gesellschaft entstanden sind, nicht stoppen, sondern nur verzögern (Sian Berry – Green party of England and wales, Co-Leader „… environment protection is not the solution – to make things slowly does not mean to make them better…“). Somit ist wieder einmal die Politik gefragt, Dinge in die Hand zu nehmen und umzusetzen. Das Format global denken, aber lokal handeln, trifft auch hier direkt ins Schwarze. ...weiterlesen...

Rainer Rosenzweig ist neuer KORSO-Vorsitzender
Ende März kamen in Kassel Delegierte aus säkularen Organisationen zur Ratsversammlung des Koordinierungsrats säkularer Organisationen (KORSO) zusammen. Vertreterinnen und Vertreter von gbs (Giordano-Bruno-Stiftung), HVD (Humanistischer Verband Deutschlands), IBKA (Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten), bfg (Bund für Geistesfreiheit) Bayern, DFV (Deutscher Freidenker-Verband), DFW (Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften) und StG (Stiftung Geistesfreiheit Hamburg) und JwD (Jugendweihe Deutschland) wählten dabei u.a. den neuen Vorstand des KORSO. Außerdem verabschiedete die Versammlung eine Resolution zum Verhältnis des Staates zu den Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, im Besonderen zum aktuellen Thema der historischen Staatsleistungen. Die Resolution ist hier verfügbar:
Alter und neuer Präsident: Helmut Fink (links) und Rainer Rosenzweig
Der Ratsversammlung voraus ging eine Vorstandssitzung, ein letztes Mal unter dem Vorsitz von Helmut Fink, KORSO-Vorsitzender seit 2012, der für eine erneute Wahl nicht mehr zur Verfügung stand. Zwischen Vorstandssitzung und Ratsversammlung hielt Helmut Fink bei einem kleinen Empfang Rückschau auf über sechs Jahre als Vorstandsvorsitzender. Die besondere Leistung des KORSO war dabei bisher die nicht zu unterschätzende Leistung, ganz unterschiedliche säkulare Verbände unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen und ihnen ein Forum zu bieten, „das eine Brücke baut zwischen verschiedenen Organisationen“. Damit schuf der KORSO eine Basis für künftge Aktivitäten. Auch die bisherigen Beisitzer Rudolf Ladwig (IBKA) und Erwin Schmid (bfg Bayern) im KORSO-Vorstand traten nicht mehr an.
Neuer Vorsitzender ist Dr. Rainer Rosenzweig (gbs), stellvertretender Vorsitzender Dr. Alexander Bischkopf (HVD), Schatzmeister Michael Wladarsch (bfg Bayern). Die bisherige Schatzmeisterin Swaantje Schlittgen (DFW) wurde als Beisitzerin gewählt. In seiner bisherigen Funktion als Beisitzer wurde Ralf Lux (DFV) wiedergewählt. Neu als Beisitzer wurden gewählt: Petra Bruns (IBKA) und Wolf Merk (StG). Hier ist der aktuelle KORSO-Vorstand aufgelistet:
Dr. Rainer Rosenzweig dankte nach seiner Wahl dem scheidenden Vorsitzenden Helmut Fink für dessen herausragende Aufbauarbeit bei der Ingangsetzung des KORSO und der Schaffung wertvoller Grundlagen für die künftige Arbeitsfähigkeit des KORSO.

Rezension:
Kant wirkt bis heute mit Realitätssinn
Kohnen/Michelsen/Mueller (Hg.):   Kant und Konsorten
336 S. | ISBN: 978-3-943624-26-7 | 19,90 €
Ein lesenswertes Buch aus dem Angelika Lenz Verlag, mit einem reißerischen Titel. Insbesondere die Beiträge von Volker Mueller beziehen sich auf Originalzitate von Kant, die seine Kosmologie und die daraus folgende Ethik beschreiben. „Der Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet ... meine Wichtigkeit ...“
Die Menschenrechte formulierte zwar Paine zur selben Zeit, aber sie scheinen auf bei Kant als Morgenröte am Horizont, wie Volker Mueller schreibt. Wertvoll sind die vielen Originalzitate, wenn er beispielsweise den Satz zitiert, „daß die ursprüngliche Gangart des Menschen die vierfüßige gewesen ist, daß die zweifüßige sich erst entwickelt und daß der Mensch erst allmählich sein Haupt über seine Kameraden, die Tiere, so stolz erhoben hat“ und damit Darwin vorwegnimmt.
Oder seine Schrift von 1795 „Zum ewigen Frieden“, in der sich Kant Gedanken macht, wie die begrenzte Oberfläche der Erde friedlich aufgeteilt werden kann.
Seine Verbote lesen sich wie die Statuten des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) in Den Haag, der 2002 seine Arbeit aufnahm.
Verboten sind:
1.der nur bedingte Friedensschluss;
2.die Zerstörung der Souveränität eines Staates;
3.die konkurrierende militärische Hochrüstung;
4.die Verschuldung von Staaten zugunsten des Überreichwerdens anderer Staaten;
5.die gewaltsame Intervention;
6.die Kriegsführung, die einen Frieden im Vorhinein ausschließt.
Er fordert für eine weltbürgerliche Gesinnung die Einschränkung des Hospitalitätsrechtes auf ein bloßes Besuchsrecht und das strikte Verbot des Kolonialismus: „Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinenHospitalität eingeschränkt werden.“ Notwendige staatsrechtliche Voraussetzung für den Frieden ist die republikanische Verfassung mit der Gewaltenteilung. Mit diesen Ausführungen weist Kant vorausschauend der heutigen UNO und den Einzelstaaten realistische Aufgaben zu. Um allerdings funktionsfähig zu bleiben, ist der heutige Zustand unhaltbar, der die Anerkennung des Rome-Statute of the International Criminal Court (ICC) auf die EU-Mitgliedsstaaten Frankreich und Great Britain beschränkt.
Kant wirkt bis heute mit Realitätssinn. Es gilt aber, unerledigte und in der Aufklärung bereits formulierte Aufgaben heute einer Lösung näherzubringen. Um an dieser Stelle weiterzukommen, bedarf es nicht der Erfindung neuer Institutionen, sondern der Fähigkeit zum Kompromiss, wie Stephan Konen im Abschnitt „Aufklärung und der Zirkel des Lichts“ ausführt.
Solange wir aber in unserer Kulturpolitik das Fähnchen der nicht kompromissbereiten abrahamitischen Religionen aufrechterhalten, wird es keinen Frieden in der Welt im Sinne Kants geben.
Die Autoren wollen sicherlich darauf verweisen, diese existierenden geistigen Hürden in unserer Politik zu überspringen, denn sie hindern uns auch daran, neue, politische Integrationsziele innerhalb der EU zu setzen. Genau da setzt der Beitrag von Christian Michelsen ein, der Schopenhauers pessimistischen Ansatz „Geschichte als Wiederkehr des Immergleichen“ dem Optimismus mit „Kants Theorie der Vernunftoptimierung in der Weltgeschichte“ gegenüberstellt. Vielleicht zwingt uns der Klimaschutz, auch die Schopenhauer-Pessimisten von Kants Fortschrittsdenken zu überzeugen.
Ein sehr lesenswertes Buch mit Realismus in der Aussage für Weltbürgerlichkeit, ohne die souveränen Staatenzu vergessen.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt im Shop bei www.lenz-verlag.de
Horst Prem

Wertebildende Schulfächer –
Referat anlässlich der Klausurtagung des Koordinierungsrates säkularer Organisationen am 17.11.2018
Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. ist Mitglied im Koordinierungsrat säkularer Organisationen, KORSO e.V.   Im Rahmen  eines Impulsreferates stellte Dr. Volker Mueller im Namen des Dachverbandes freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. die seit langem vertretenen und von ihm für die Klausurtagung des KORSO e.V. am 17.11.2018 zusammengefassten Thesen zum Erfordernis und zur Einrichtung wertebildender Schulfächer vor.
Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften sieht weiterhin Handlungsbedarf in den meisten Bundesländern, einen integrativen, fächerübergreifenden Werteunterricht einzuführen.
1.  Wertebildende Unterrichtsfächer in staatlichen Schulen wirken werteorientierend und aufklärend. Sie können freiheitliches und demokratisches Miteinander fördern und vermitteln Allgemeinwissen zu Menschenwürde und Menschenrechten. Im Vordergrund der ethischen Bildungsbemühungen steht die Förderung und Entwicklung einer selbstbestimmten und mündigen Persönlichkeit. Dabei sind Grundlagen für eine werteorientierte Lebensgestaltung sowie Wissen über philosophische Traditionen und Grundsätze ethischer Urteilsbildung sowie über Religionen und Weltanschauungen zu vermitteln.
2. Die anzustrebende Entkonfessionalisierung der staatlichen Schule wirkt für die weltanschauliche Neutralität des Staates in Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen. Keine einzelne Religion oder Weltanschauung soll in der Schule die Wertbindung determinieren oder eine alleinige Wahrheit bestimmen. ...weiterlesen...
 

Integrieren statt separieren – ein Seminar der Jugend- und Bildungsstätte Klingberg
Konzept für einen Ethikunterricht an öffentlichen Schulen  in staatlicher Verantwortung für alle Jahrgangsstufen.
Präambel: Absolutheitsansprüche im Unterricht historisch gewachsener Religionen nach Art.7. (3) GG gefährden die gesellschaftspolitischen Gegebenheiten und Aufgaben einer auf Pluralität und religiös/weltanschaulicher Neutralität gegründeten freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Ziel des Ethikunterrichtes muss es sein:
Schüler und Schülerinnen mit den ethischen Grundlagen und Prinzipien der Grundrechte  der deutschen Verfassung, wie sie insbesonders in Art.1(2) GG festgeschrieben sind, vertraut zu machen, um ein friedliches von gegenseitigem Verständnis getragenes Zusammenleben  einzuüben, und einer späteren Hinwendung zum Extremismus vorzubeugen.

Dazu sind folgende Bedingungen zu erfüllen:
-   Der Unterricht soll im Klassenverband gemeinsam für alle Schüler und Schülerinnen unabhängig von ihrer kulturellen und religiös / weltanschaulichen Herkunft erteilt werden.
-   Religionen und Weltanschauungen müssen religiös und weltanschaulich neutral behandelt werden.
- Deshalb ist dieses Fach an öffentlichen Schulen ordentliches Pflichtfach wie alle anderen Unterrichtsfächer in staatlicher Verantwortung.
- Lehrkräfte für das Fach Ethik werden nach wissenschaftlichen und pädagogischen Gesichtspunkten religiös und weltanschaulich neutral ausgebildet.

Schlussbemerkung:
Unabhängig von der Einführung eines Ethikunterrichtes soll der konfessionelle Religionsunterricht nach Art.7(3) GG zur freien Wahl weiter bestehen.
Nach dem Urteil des BVerfG von 1987 ist der Religionsunterricht nach Art.7(3) GG
„... keine überkonfessionelle vergleichende Betrachtung religiöser Lehren, keine Morallehre, Sittenlehre, historische Religionskunde, Religions- oder Bibelgeschichte. Sein Gegenstand ist vielmehr der Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheit zu vermitteln, ist seine Aufgabe.“
Es ist daher zu bezweifeln, ob das Konzept für einen Ethikunterricht von dem bestehenden "Religionsunterricht für alle" in Hamburg - in Verantwortung der Nordelbischen Kirche - erfüllt werden kann.
Horst Prem,  2. November 2018
Bundestagsbeschluss über den Schutz der Religionsfreiheit zügig umsetzen
Der Bundestag hat in seiner Sitzung am 19. Oktober mit großer Mehrheit den Antrag „Menschenrecht auf Religionsfreiheit weltweit stärken“ beschlossen.
Zum Verlauf der Debatte erklärt Siegward Dittmann, Präsident der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz: „Wer aus dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit einen alleinigen Anspruch auf die Sonderstellung einer einzigen Weltreligion ableitet und die Sanktionierung von Staaten fordert, in denen Mitglieder dieser Religion diskriminiert werden, gefährdet Frieden, Freiheit und Demokratie und somit das Fundament für eine offene und demokratische Zivilgesellschaft.
Verfolgung und Repressionen betreffen neben Mitgliedern unzähliger religiöser Gemeinschaften auf der Welt gerade auch jene Menschen, die nicht glauben. Die Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU), die Weltorganisation der Humanisten, Atheisten, denen die Freireligiöse Landesgemeinde über den Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. angehört, weist seit 2012 in ihrem Freedom of Thought Report (FOTR, www.iheu.org) auf die zunehmende Verfolgung von Humanisten und religionslosen Menschen in zahlreichen Ländern, ebenso wie auf die Verfolgungen religiöser Minderheiten hin. Gerade jetzt wurde ein Vor-standsmitglied der IHEU in Pakistan verhaftet, wegen angeblicher Blasphemie. Auch Menschen mit freireligiöser Weltanschauung gehören zum wachsenden Kreis der sogenannten Konfessionslosen (als Heiden verunglimpft), und unsere Freie Religion hat in der deutschen Geschichte Verbot und Diskriminierung der Mitglieder der Gemeinschaft durch den Nationalsozialismus bitter erfahren“, so Siegward Dittmann weiter.
„Wir halten es für wichtiger, dass unser Land mit gutem Beispiel vorangeht, den Blasphemieparagraphen § 166 abschafft und die Trennung von Staat und Kirche vorantreibt. Der Schutz der Religionsfreiheit darf nicht dazu missbraucht werden, Menschenrechte zu relativieren und durch die Herabsetzung einer bestimmten Glaubensrichtung Hass und Vorurteile gegen Minderheiten in unserem Land zu schüren. Die Bundesregierung soll die am Freitag verabschiedeten Forderungen des Bundestages auf Anerkennung des individuellen Rechtes auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit, den Glauben zu wechseln oder keiner Religion anzugehören, zügig umzusetzen,“ fordert Dittmann abschließend.

Reimagining Interfaith: Freie Religion geht neue Wege

Nur wer frei und undogmatisch ist, kann über neue Wege der Zusammenarbeit, über Gestaltung und Inhalt des Glaubens nachdenken. So etwas hat vier Tage lang in Washington DC zwischen 300 Teilnehmern aus der ganzen Welt stattgefunden. Der 35. IARF Weltkongress war diesmal mittendrin.
Eingebettet/umrahmt von vielen anderen glaubensübergreifenden Bündnissen. Wie zum Beispiel URI. Gerade in den USA gibt es eine Fülle von solchen Initiativen. Es war eine organisatorische Meisterleistung von einem ambulanten Team von ca. 50 Freiwilligen, diese Gruppen aus der ganzen Welt in einem gemeinsamen Kongress zusammenzubringen.
Wir haben während dieser Tage gelernt, dass interreligiöse Arbeit nicht nur einen Weg, eine einzige Strategie oder eine einzige Methode hat, die zur Lösung führt. Indem wir unsere Geschichten miteinander verknüpfen, lernen wir, dass interreligiöse Arbeit genauso einzigartig ist wie jede Person, die daran beteiligt ist. Wir lernten, dass wir erst uns selbst kennenlernen müssen, um andere zu verstehen. Wir müssen erst einmal eintauchen in unsere eigene Vergangenheit, uns die Werte, die Ereignisse, die uns geprägt haben, vergegenwärtigen. Und wenn wir dann bereit sind, unseren eigenen Werte- und Religionsvorstellungen neue Gedanken hinzuzufügen und zu einem gemeinsamen Teppich zu verweben, dann können wir auf Religionsfrieden hoffen. Dann sind an den Rändern schon einmal Verbindungen geknüpft, eine Grundlage, eine Brücke, über die man gehen kann. Der Kongress war ein bleibendes, richtungweisendes, aufrüttelndes Erlebnis. Ein Wegweiser für unsere zukünftige Arbeit. Weg von den starren Ritualen, Satzungen und Vorschriften, hin zu individueller, grenzüberschreitender Kreativität.
Wolfgang Jantz
Weitere Berichte zum IARF Weltkongress auf www.dfw-dachverband.de>unitarier

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