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Tagungsbericht "Macht der Bilder, Macht der Sprache" der Freien Akademie

„Macht der Bilder, Macht der Sprache“ war das Thema der wissenschaftlichen Tagung, welche die Freie Akademie vom 25. bis 28. Mai 2017 in der Frankenakademie Schloss Schney in Lichtenfels durchführte.
Nach der Begrüßung der Tagungsteilnehmer durch den Präsidenten der Freien Akademie, Dr. Volker Müller (Falkensee), verwies der wissenschaftlichen Tagungsleiter Prof. Dr. Walter O. Ötsch (Bernkastel-Kues) in seinem einleitenden Vortrag „Die Bedeutung von Bildern für das `Denken´“ auf die Tatsache, daß die Macht der Sprache von ihrer Fähigkeit abhängt, kräftige innere Bilder im jeweiligen Adressaten hervorzurufen. Davon ausgehend umriss er wichtige inhaltliche Schwerpunkte der Veranstaltung und stellte die einzelnen Vorträge und Vortragenden kurz vor.
Prof. Dr. Pia Knoeferle (Berlin) referierte über „Sprache und Bilder“. Dabei untersuchte sie umfassend den Beitrag und den Einfluss visueller Eindrücke zum Sprachverstehen und stellte aktuelle Forschungsergebnisse zu diesem Thema vor.
In ihrem Vortrag „Bildlichkeit in der Geschichte der Philosophie“ spannte Dr. Kirstin Zeyer (Nimjegen) den inhaltlichen Bogen vom antiken delphischen „Erkenne Dich selbst“ über die christliche Spätantike (Augustinus), das Mittelalter (Johannes Scottus), die Renaissance (Nikolaus von Kues, René Descartes) bis zur modernen kulturphilosophischen Diagnose von der „Krise der Selbsterkenntnis“ (Ernst Cassirer).
Ursprung und Inhalte der „Werbung für die Soziale Marktwirtschaft“ standen im Mittelpunkt des Beitrages von Dr. Dirk Schindelbeck (Jena). Er verwies eingangs auf die im Hitlerreich liegenden Wurzeln dieser Werbung (z.B. Plakate aus dem Jahr 1937) und schilderte dann ausführlich die Strategie und die Verwendung bestimmter immer wiederkehrender Bilder in den propagandistischen Aktivitäten, welche der Unternehmerverband „Die Waage e.V.“ seit 1952 auf diesem Gebiet unternommen hat (Anzeigenkampagnen, Plakate, Broschüren, Kinofilme). Diese haben letztendlich zur Durchsetzung der CDU-Wirtschaftspolitik von Ludwig Erhard beigetragen.
Ausgehend von der Tatsache, dass der Rechtspopulismus eine Erscheinung in allen europäischen Ländern ist, analysierte Prof. Walter O. Ötsch in seinem Vortrag ausführlich die „Bilder des Rechtspopulismus“. Rechtspopulismus, so seine grundlegende These, ist ein demagogischer Denkmodus, hinter dem ein Bildmodus steht: das Bild einer zweigeteilten Gesellschaft – auf der einen Seite nur gut, nur wahr, immer Opfer; auf der anderen Seite nur böse, nur falsch, immer Täter. An zahlreichen Beispielen demonstrierte er, dass in diesem rechtsdemagogischen Denken Eskalationsspiralen eingebaut sind, die eine ernste Gefahr für die Demokratie beinhalten.
Im Mittelpunkt der Ausführungen von Prof. Dr. Silja Graupe (Bernkastel-Kues) über „Sprache und Beeinflussung in der ökonomischen Bildung“ stand die Frage, wie ökonomische Bilder in der ökonomischen Bildung, vor allem in den Standardlehrbüchern der ökonomischen Bildung geprägt werden. Gibt es eine Indoktrination in der ökonomischen Bildung, eine Überbetonung marktwirtschaftlicher Frames? Zusammenfassend plädierte sie für eine stärkere Berücksichtigung solcher Frames wie Umweltschutz oder soziale Gerechtigkeit in der politischen Bildung.
In einem Kurzvortrag stellte Tina Beyer (Berlin) das im Jahre 2016 erschienene Buch „Was für Lebewesen sind wir?“ des US-amerikanischen Sprachwissenschaftlers Noam Chomsky vor.
Ausgangsthese des Vortrages von Dr. Stephan Pühringer (Linz) über „Bilder der ÖkonomInnen zur Finanzkrise 2008“ war die Frage, wieso dieses einschneidende Ereignis zu keiner fundamentalen Neuausrichtung der ökonomischen Wissenschaft im deutschsprachigen Raum führte? Er konstatierte, dass es zwar zu einer kurzen Phase der Selbstreflexion der ökonomischen Theorie kam, dass diese aber auf ökonomischer, politischer wie medialer Ebene sehr früh von sog. Staatsschulden-, Eurokrisen- und Staatshaushaltsdiskursen überlagert wurde. In diesen Diskursen wurden bestimmte Bilder/Metaphern wie Finanzkrise als „Krankheit“, als „Naturereignis“ bzw. „Naturkatastrophe“ benutzt, wodurch alternative Diskurse verhindert werden sollten und verhindert wurden.
Alle Vorträge waren Ausgangspunkt für intensive Diskussionen der Tagungsteilnehmer.
Dr. Wolfgang Heyn
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