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Statements2026 - DFW-Dachverband_Freier_Weltanschauungsgemeinschaften

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Statements2026

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Die Leichtigkeit des Seins –Sprache als Türöffner
Das Thema Debattenkultur beherrscht nicht nur unser letztes Online-Seminar, welches der DFW erfolgreich im Januar gehalten hat, sondern auch unsere Gedanken und Beiträge in den letzten Newslettern und Blogbeiträgen. Gerade in den letzten zwei Tagen habe ich mich hauptberuflich viel mit der Sprache und deren Einsatz auseinandergesetzt.

In der Pädagogik sind wir geprägt von Lerninhalten, die wir an unsere Schülerschaft weitergeben, doch tatsächlich müssen wir uns damit abfinden, dass jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit konstruiert. Was so viel bedeutet wie, dass unser Wissen nicht exakt so, wie wir es gemeint haben, beim Gegenüber ankommt. Jeder hört, sieht, versteht Inhalte anders, basierend auf Vorwissen, eigenen Bedürfnissen, eigener Wahrnehmung und Einschätzung.

Aber Sprache ist weit mehr als nur Inhalt. Wir wählen nicht bewusst Worte, nur um im Fachjargon die richtige Attitüde zu gewährleisten. Unsere Sprache ist geprägt von unserer Gefühlswelt und ob wir es wollen oder nicht, ein Indikator für unseren seelischen Zustand. Wenn wir von einer Verrohung unserer Sprache berichten, dann sind wir Teil des Problems.

Denn wir sind die Architekten unserer Sprache, wir designen sie. Eventuell sind wir an dieser harten Ausdrucksweise beteiligt, dulden diese oder setzen ihr nichts entgegen. Dann ist unsere Sprache aufgeladen voller Emotionen, welche unkontrolliert den Weg nach draußen finden.
Wenn wir jedoch mit Empathie sprechen, sprechen wir friedlich, dann sind wir in Frieden, da wir uns in unser Gegenüber hineinversetzen, Interesse zeigen. Dieser Weg ist nicht neu und noch weniger einfach. Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Nelson Mandela und viele andere mutige Menschen sind diesen Weg gegangen, in Zeiten, die aufrüttelnd, verstörend und gewalttätig waren.

Es ist nicht immer leicht, offen und neugierig zu bleiben. Der Alltag fordert viele Stunden des Tages und zerrt an unserer Aufmerksamkeit. Unsere Kapazitäten sind begrenzt und vielleicht überhören viele sogar eigene Signale. Wenn wir jedoch uns selbst nicht gut wahrnehmen können, wie sollen wir dann emphatisch auf unser Umfeld reagieren?

Aber wieviel Wahrnehmung für mich und für andere ist notwendig, um aufeinander zu reagieren, um sich wahrzunehmen? Die Antwort ist mehr als simpel. Genug. Du kannst keine Extraportion Empathie speichern, um sie später abzurufen, wenn es brenzlig wird. Aber du kannst dir selbst und anderen eine Hand reichen, um auf Augenhöhe zu bleiben, um sich selbst zu spüren, den anderen wahrzunehmen und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Der Mensch ist ein soziales Wesen, wir sind in Gesellschaft fähig, über uns hinaus zu wachsen. Warum nutzen wir dann unsere Sprache, um uns gegenseitig die Flügel zu stutzen?

In der Literatur und Musik ist nichts schöner als von den Worten beflügelt, von der Kunst getragen, von Emotionen und Assoziationen in den Bann gezogen zu werden. Wie schön wäre es, wenn wir dies auf den Alltag übertragen und damit eine Leichtigkeit des Seins initiieren könnten, um der Verrohung etwas entgegenzusetzen.

Silvana Uhlrich-Knoll
(DFW-Präsidentin)


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