Baron D'Holbach - Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V.

Dachverband Freier
Weltanschauungsgemeinschaften
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Baron D'Holbach

Berichte+Statements > 2013 > 200 Jahre Ronge

Baron d‘ Holbach: Aufklärer und Enzyklopädist

Die Aufklärungsbewegung in Frankreich hat als geistige Wegbereiterin der Französischen Revolution das Denken in den fortgeschrittenen Ländern Europas vielfältig beeinflusst. Auch in der deutschen Geschichte gilt gerade Holbach als ein Hauptvertreter der französischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts und ihres Kerns, des philosophischen Materialismus. Goethe hebt hervor, dass aus Holbachs Werk "System der Natur" (1770) die Philosophie Frankreichs studiert wird, aus ihm aber auch die Ablehnung oder Distanzierung von ihr, insbesondere vom atheistischen Naturbegriff und der Auffassung von der ewigen sich bewegenden Materie, entstehe. Gewiss muss man Holbach zu denen zählen, die - wie Goethe sagt - "die ungeheuren Weltveränderungen, in welchen alles Bestehende unterzugehen schien", geistig mit einleiten.

Paul Heinrich Dietrich von Holbach wird am 8. Dezember 1723 in Edesheim als Sohn pfälzischer Winzer geboren und von seinem adligen Onkel, der ein großes Vermögen in Frankreich besitzt, adoptiert. In Leyden studiert er ab 1744 Jura und Naturwissenschaften. Im Jahre 1749 läßt sich Holbach in Paris nieder und wird französischer Staatsbürger. Sein Pariser Salon und sein Sommersitz Grandval werden zu bedeutenden Treffpunkten und Diskussionszentren führender französischer Aufklärer, mit denen er sich verbindet.

Seine Freundschaft mit Diderot beeinflusst seinen Entschluss, an der "Encyclopèdie", dem großen Gemeinschaftswerk der Aufklärer, mitzuwirken. Er schreibt zwischen ca. 1751 und 1765 wohl über 1000 Artikel zu Stichworten aus der Chemie, Metallurgie, Geologie, Mineralogie, deutschen Geschichte und germanischen Mythologie. Zugleich übersetzt er Werke führender deutscher Naturwissenschaftler und Technologen. Er ist dem enzyklopädistischen Anliegen verpflichtet, wissenschaftliche Erkenntnisse zu sammeln und zu verbreiten sowie die praktischen Bedürfnisse des technischen Fortschritts zu befördern.

Seit Anfang der sechziger Jahre veröffentlicht Holbach anonym religionskritische Schriften, in denen er einen konsequenten Atheismus vertritt. Es geht ihm um den Nachweis, dass Religion mit Wissenschaft nicht vereinbar ist und ein Zusammenhang zwischen der Kirche und der feudalabsolutistischen Ordnung des Ancièn régime besteht.

Mit seinem Hauptwerk "System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und der moralischen Welt" entwickelt Holbach eine materialistisch begründete Naturanschauung und  eine natürliche, eine vernünftige Moral. Er erlangt damit eine tiefe und dauerhafte Wirkung, denn er will letztlich durch Aufklärung und Naturerkenntnis ohne Religion das Unglück der Menschen beseitigen. Holbach geht davon aus, dass die Versuche, die Natur und ihre Gesetze zu erkennen, noch unzureichend sind. Sie werden durch Tradition, Vorurteile und Autorität bestimmt und nicht durch "Erfahrung, welche Tätigkeit verlangt", und durch "Vernunft, welche Überlegung erfordert". Das Universum sei eine "große Vereinigung alles Existierenden", es zeige uns nur Materie und Bewegung und eine unermessliche und ununterbrochene Kette von Ursachen und Wirkungen. Die sich bewegende Natur erklärt Holbach aus sich selbst heraus und als materielle Einheit. Er deutet auch die qualitative Mannigfaltigkeit der Naturerscheinungen an. Holbachs Auffassung von der Ewigkeit der Naturgesetze schließt jedoch ihre Historizität aus. Seine metaphysische Annahme, dass auch in der Gesellschaft und im menschlichen Denken ausschließlich die Gesetzmäßigkeiten der Mechanik gültig und wirksam sind, führt ihn zum Fatalismus. Sie ist aber der Versuch einer einheitlichen materialistischen Erklärung von Natur und Gesellschaft.

Holbachs gesellschaftstheoretische Überlegungen, die auf der Nützlichkeitslehre basieren, sind auf Möglichkeiten der Veränderbarkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse gerichtet. Seine moralischen Auffassungen sind mit Forderungen an Organisation und Gesetze eines "harmonischen Staates" verbunden, die direkt zu den 1789 proklamierten "Menschenrechten" hinführen.

Am 21. Januar 1789 stirbt Paul-Henri Thiery d'Holbach in Paris, ein halbes Jahr vor der Erstürmung der Bastille. Mit ihm verliert die französische Aufklärung neben Voltaire, Diderot und Rousseau ihren glänzendsten Vertreter und letzten führenden Kopf.


Quelle:
Volker Mueller: Spuren im Wertewandel.Neustadt a.Rbge. 2002. S. 176 ff.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü